Gesehen: „Tarzan – Der Affenmensch“

Ein uralter, aber dennoch sehenswerter Klassiker: „Tarzan – Der Affenmensch“ mit Johnny Weissmüller und Maureen O'Sullivan

Ein uralter, aber dennoch sehenswerter Klassiker: „Tarzan – Der Affenmensch“ mit Johnny Weissmüller und Maureen O’Sullivan

Vor ein paar Wochen gab es diesen Klassiker des Abenteuerfilms bei iTunes in der 3,99 €-Abteilung. Da ich den Film als Kind mehrfach gesehen und absolut geliebt habe, musste ich ihn mir zulegen. Am vergangenen Wochenende hatte ich endlich mal die Möglichkeit, ihn in Ruhe anzusehen.

Keine Musik

Als erstes fiel mir ganz drastisch auf, dass der Film völlig auf eine dezidierte Filmmusik verzichtet. Das kennt man heute überhaupt nicht mehr. Das einzige Beispiel der ganzen letzten Jahre, nein: Jahrzehnte, war „Cast Away – Verschollen“ mit Tom Hanks, bei dem für die gesamte Zeit, in der der verschollene Fed Ex-Mitarbeiter allein auf einer einsamen Insel festsitzt, alle Musik ausgesetzt wird. Erst bei der Rückkehr in die Zivilisation hören wir wieder eine musikalische Untermalung, was diese umso intensiver wirken lässt.

Bei Tarzan ist es nicht so: Der Film weist am Anfang exakt 40 Sekunden Musik als Untermalung für die „Opening Credits“ auf, diese könnten sogar für diesen Film komponiert worden sein, zumindest konnte ich das Werk nicht erkennen. Am Ende hört man nochmal exakt 20 Sekunden aus der „Romeo und Julia. Fantasie-Ouvertüre“ von Peter I. Tschaikowsky. Zusammen also eine Minute Musik, die aber nur gespielt wird, während der eigentliche Film (also die Handlung) mit einer Länge von 101 Minuten nicht läuft.

Interessanterweise kannte ich den Film ja schon so, daher war ich nicht wirklich überrascht, dennoch verändert die Absenz von untermalender Musik auf spektakuläre Weise die Zeitwahrnehmung. Musik glättet auch viele kleine Ecken und Kanten eines Films, die durch eine leicht durchwachsene Handlung stehen bleiben. Hier eben nicht, weswegen die eine oder andere Stelle etwas holprig rüberkommt.

Interessantes Frauenbild

Spannender als früher fand ich meine Wahrnehmung des Frauenbilds, ganz speziell geht es ja um Jane (genau die aus dem berühmten Zitat): Am Anfang tritt sie sehr energisch, burschikos, leicht arrogant und schon fast übermütig auf. Niemand würde ihr zutrauen, nur wenige Filmminuten später schon ein hilfloses Häuflein Elend zu sein, das beim bloßen Anblick eines (wohlgemerkt: kleinen) Affen in verzweifeltes Geschrei ausbricht. Das ist eine der Stellen, bei denen die Musik die unterschiedlichen Facetten etwas glätten und durch ein absolut denkbares „Jane-Thema“ in Einklang bringen könnte. So aber bleibt der Widerspruch im Charakter der Jane bestehen. Auch später ist es immer eine – womöglich damals als besonders aufreizend empfundene – Mischung aus naiver Verängstigung bzw. übertrieben unselbstständiger Hilflosigkeit und einer gekonnten Inszenierung weiblicher Reize, wodurch der „Affen-Mann“ eingewickelt wird.

Absenz von Special Effects

Klar, damals gab es noch keine Special Effects im heutigen Sinne, aber als Tarzan in den letzten 20 Minuten dreimal gegen Löwen und andere Raubtiere kämpft und jeweils nach längerem Gerangel am Boden ohne einen einzigen Kratzer wieder aufsteht, leidet die (bei einem Abenteuer-Film ja ohnehin nicht essentielle) Glaubwürdigkeit enorm. Wenn ich bedenke, wie oft ich mir schon beim Spülen einen Schnitt an einem im Spülwasser versteckten Messer eingefangen habe oder wie ich mir mal ein blaues Auge beim Tragen einer Hi-Hat geschlagen habe (hier), dann ist der Kampf mit zwei Löwen binnen zweier Minuten ohne jegliche sichtbare Blessuren ein arges „Understatement“.

Noch cooler sind die Stellen, an denen gezeigt werden soll, wie schnell sich Tarzan sowohl auf dem Boden als auch in den Bäumen fortbewegen kann. Dabei wurde der Film einfach etwas schneller abgespielt. (Sarkasmus ein) Das fällt ja auch überhaupt nicht auf. (Sarkasmus aus) Allerdings darf ich nicht zu herablassend klingen, denn für seine Zeit war der Film absolut spektakulär.

Der Tarzan-Schrei

Und ganz ehrlich: Der wichtigste Grund, sich einen Tarzan-Film mit Johnny Weismüller anzusehen, ist und bleibt der Tarzan-Schrei. Den konnte einfach niemand anderer in dieser Qualität darbieten. Und in dieser Hinsicht wurde ich auch nicht enttäuscht, denn allein in diesem einen Film darf man ihn locker acht oder zehn Mal hören. Hach, da wird einem ganz nostalgisch verklärt ums Herz…

Fazit

Ein wunderschöner Trip auf der Nostalgie-Straße, überraschend der Erinnerung ähnlich und doch so verschieden, da aus einer völlig anderen Geisteshaltung heraus erneut gesehen. Wer den Film so wie ich seit locker 20 oder 25 Jahren nicht mehr gesehen hat, könnte durch einen erneuten Genuss nicht nur ein wenig erstaunt werden. Allerdings darf der Film jetzt wieder ein Jahr in den „Winterschlaf“ gehen, denn zu viel Nostalgie ist auch wieder nicht gut.

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8 Gedanken zu „Gesehen: „Tarzan – Der Affenmensch“

  1. hotfox63 sagt:

    Ohh-uuu ohhh ohhhh-uuu … oooo-uuu ohhhhhhh ohhhhhh ohhhhhhh uuuuu-uuuu …

  2. Flowermaid sagt:

    … das ist jetzt aber für Hardcore Film Fans… ;-)))

    • solera1847 sagt:

      Na ja, Kindheitserinnerungen halten schier ewig. Hier aber kam dann noch die im Artikel geschilderte Überraschung dazu, wodurch eine neue Facette ins Spiel kam. Ganz und gar faszinierend.

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