Gehört: „Deeply Odd“ von Dean Koontz

Gerade habe ich den dritten Teil dieses Hörbuch-Bundles zu Ende gehört. Gleich vorweg: Abgesehen vom ersten Teil, der wirklich DEN Maßstab schlechthin gesetzt hat, war dieser auch gleich einmal qualitativ in vorderster Front. Wie immer gekennzeichnet von einer großen Prise recht makabren Humors entfaltet sich hier eine fast durchweg in hohem Tempo dahin rauschende, von wilden Action-Szenen gekennzeichnete Achterbahnfahrt, deren furioses Finale es mir kaum möglich machte, die AirPods aus den Ohren zu ziehen, um meinem Beruf nachzugehen.

Im zuletzt gehörten Odd Thomas-Roman („Odd Apocalypse“, hier) habe ich ja bemängelt, dass es verhältnismäßig lange gedauert hat, bis ich den Zugang zur Geschichte gefunden hatte. In „Deeply Odd“ war das nicht der Fall: Keine zehn oder fünfzehn Minuten im Hörbuch war ich schon so in die Handlung eingegraben, dass ich mich stets dem Gefühl ausgesetzt sah, sofort weiterhören zu müssen.

Dean Koontz und der erste Satz eines Romans…

Womit wir wieder bei dieser Eigenschaft der meisten Dean Koontz-Romane wären: Er schafft es fast immer, den Leser binnen weniger Sätze, oft sogar mit dem allerersten Satz, abrupt in die Handlung hinein zu ziehen – und dann auch nicht mehr loszulassen. Das ist zwar meine eigene Erfahrung, doch wenn man mal bei Wikipedia nachliest, scheint es allgemein als eines seiner charakteristischen Stilmerkmale zu gelten:

Koontz wichtigster Grundsatz: während der Grafiker das Buch so gestalten muss, dass es der Käufer in die Hand nimmt, ist es seine Aufgabe als Autor, den Leser gleich mit dem allerersten Satz so an das Buch zu fesseln, dass er es nicht mehr weglegen will. Das steht ganz im Gegensatz zum Schreibstil von Stephen King, der in seinen Büchern die Spannung ganz langsam und subtil aufbaut und viel Zeit dafür aufwendet, den Charakter eines Menschen eingehend zu beleuchten. Das typische Koontz-Buch beginnt damit, dass er seinen Hauptcharakter vor eine ausweglose oder extreme Situation stellt. Tatsächlich impliziert meist schon der erste Satz, dass gleich etwas Aufregendes passieren wird.

Doch all die Lobhudelei ohne Belege bringt nichts, daher habe ich aus der deutschsprachigen Übersetzung mit dem Titel „Abgrundtief“ den ersten Satz herausgezogen:

Es stimmt tatsächlich: Ein Satz, der den Leser sofort hineinzieht. „Warum läutet das Glöckchen um seinen Hals? Warum dreimal? Warum bereits vor der Morgendämmerung?“ – Und schon steckt man in der Geschichte...

Es stimmt tatsächlich: Ein Satz, der den Leser sofort hineinzieht. „Warum läutet das Glöckchen um seinen Hals? Warum dreimal? Warum bereits vor der Morgendämmerung?“ – Und schon steckt man in der Geschichte…

Weil ich schon so in Fahrt war, habe ich alle meine Dean Koontz-iBooks angesehen und jeweils den Anfang herausgezogen. Und siehe da: Nur einer würde mich jetzt nicht sofort in seinen Bann ziehen, alle anderen sehr wohl:

Der Anfang von „Seelenlos“

Der Anfang von „Seelenlos“

Der Anfang von „Schwarze Fluten“

Der Anfang von „Schwarze Fluten“

Der Anfang von „Die Anbetung“

Der Anfang von „Die Anbetung“

Der Anfang von „Meer der Finsternis“

Der Anfang von „Meer der Finsternis“

Der Anfang von „Schattennacht“

Der Anfang von „Schattennacht“

Der Anfang von „Darkfall“

Der Anfang von „Darkfall“

Der Anfang von „Strangers“

Der Anfang von „Strangers“

Der Anfang von „The Door To December“

Der Anfang von „The Door To December“

Der Anfang von „Phantoms“

Der Anfang von „Phantoms“

Der Anfang von „Die Unbekannten“

Der Anfang von „Die Unbekannten“

(Quizfrage: Welcher Anfang hat mich womöglich nicht gleich in seinen Bann geschlagen?)

Ich hoffe, das hat nicht genervt, zum „Glück“ hatte ich nicht noch mehr Dean Koontz-Romane zur Hand. Dennoch habe ich hoffentlich verdeutlichen können, dass er es schafft, mit einem clever überlegten Satz sofort so viel Information preiszugeben, dass man eine lebendige Vorstellung entwickelt – und gleichzeitig so wenig zu verraten, dass man mehr wissen möchte. Wie bereits mehrfach gesagt: Bei mir wirkt das immer ziemlich gut, denn ich habe alle diese Bücher „verschlungen“.

Teaser für „Deeply Odd“ (bzw. „Abgrundtief“)

Viel darf ich nicht verraten, sonst ist der Witz weg, aber zumindest ein bisschen:

Eigentlich will Odd Thomas nur ein paar neue Kleidungsstücke kaufen gehen, da er nicht mehr besitzt als die Sachen, die er am Leib trägt. Doch sein paranormaler Magnetismus führt ihn noch vor Betreten des Einkaufszentrums auf eine neue Fährte. Binnen weniger Minuten befindet Odd sich auf der Suche nach drei entführten Kindern, die grausam hingerichtet werden sollen. Doch das ist noch lange nicht alles…

Fazit

Na, schon Appetit bekommen? Ich lehne mich sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich hier einfach so von mir gebe, dass dieser Roman höchst spannend, faszinierend mysteriös und aufreibend in seinem Suchtfaktor ist. Dieses Buch an einem regnerischen Ferientag auf dem bequemen Sofa (natürlich erst nach dem Lauf), da kann nichts mehr schiefgehen. Meiner schlichten Meinung nach handelt es sich bei „Deeply Odd“ neben dem ersten Odd Thomas-Roman um den besten dieser Reihe.

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5 Gedanken zu „Gehört: „Deeply Odd“ von Dean Koontz

  1. simonsegur sagt:

    Schöner Erste-Sätze-Vergleich, meinen Dank. Wobei ich auch bei King sehr schnell in der Story bin – der Unterschied ist weniger in den Sätzen und Charakteren zu finden, sondern mehr in der Start-Action bei Koontz. Wie auch immer, die beiden schreiben stark. Auch mochte ich den skurrilen Touch der Odd-Reihe sehr, nur den letzte siebte Band (Opferweg) hätte ich mir noch ein bisschen fulminanter gewünscht (da war ich letztlich doch ein wenig enttäuscht). Liebe Grüße!

    • solera1847 sagt:

      Bitte sehr, gern geschehen. Der Typ schreibt einfach gut. „Strangers“ habe ich bereits mit 14 oder 15 gelesen, mit 17 dann auf Englisch, später dann noch einmal auf Englisch, dann das Hörbuch zwei- oder dreimal durchgehört. Für mich ist das eine seiner besten Geschichten – eine echte Konkurrenz zu Stephen Kings „The Stand“, bei dem ich mich selbst heute noch manchmal frage, was Stuart Redman in dieser oder jener Situation wohl machen würde…

      Zu Odd Thomas: Ach, da gibt es noch einen Band? Hmmmmmmmmm.

      *** Nachdenk-Geräusch ***
      *** Tipp, tipp, tipp ***
      *** Kreditkartenabbuchgeräusch ***
      *** Der Ferieneinstieg ist gerettet… ***

      Zum Unterschied zwishen Koontz und King: Das Zitat war ja direkt aus dem Wikipedia-Artikel (=nicht von mir). Ich finde auch immer sehr leicht in die King-Romane hinein. Gelegentlich brauche ich mal etwas Pause, weil der epische Stil doch hin und wieder einen Tick zu langatmig ist (gerade im Moment ist so eine Phase), aber das ändert sich auch wieder, dann verschlinge ich die nächsten zwei, drei oder vier Romane, bis erneut eine Sättigung eintritt. In den anstehenden Osterferien versuche ich mal, mit „Glas“ fertig zu werden (da kamen mir die ganzen Scalzi-Romane dazwischen, die dermaßen fantastisch sind…). Die üblichen Auf-und-Abs im Leben eines Bücherwurms halt.

      Schönen Abend noch! 🙂

  2. Zeilenende sagt:

    Der Einstieg von „Meer der Finsternis“ ist ganz nach meinem Geschmack. Die anderen geben mir nicht so viel, ich brauche aber als Leser immer eine Weile, um mich in einem Roman einzurichten – dementsprechend weiß ich nicht allzu rasante Einstiege zu schätzen. Man muss ankommen, sich umschauen und dann sein Lieblingsplätzchen finden. g

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