Song des Tages (189) – 2017-03-19

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Vor einigen Jahren, es muss 2004 oder 2005 gewesen sein, brachte die Süddeutsche Zeitung die sog. „SZ Diskothek“ heraus: Eine Kollektion, bestehend aus 50 Büchern und CDs, die jeweils ein Jahr der Geschichte der Popmusik zusammenfassten sowie die besten 20 Songs dieses Jahres vorstellten.

Ein Alleinstellungsmerkmal war der Fokus auf die 20 besten Songs, nicht etwa die 20 erfolgreichsten. Letzteres lässt sich leicht messen und kann von einem Computeralgorithmus ganz emotionslos ermittelt werden. Ersteres jedoch ruft nach einem Team, das die jeweils individuellen Präferenzen gegen die der anderen abwägt und eventuell auch ganz ausgefallene Songs präsentiert, selbst wenn diese öffentlich kaum wahrgenommen wurden. Spannend.

Mich hat die Serie wochen-, wenn nicht monatelang verfolgt: An jedem Kiosk lagen die Bücher mit ihren CDs aus, doch ich zögerte und zauderte. Um den Zeitpunkt der Geburt unseres Großen kaufte ich erstmals einen Jahrgang: 2002. Diese Ausgabe hat mich nachhaltig geprägt, denn darin ist ein exzellenter Artikel über Herbert Grönemeyer und seinen Song „Mensch“.

Zuerst kam ein Anfang, der nach dem weitverbreiteten „Grönemeyer-Bashing“ klang: Er könne nicht tanzen, singen noch viel weniger, warum hatte er nicht einfach Schauspieler bleiben können wie in „Das Boot“? Der Tonfall des Artikels ist aufgeweckt, ein bisschen frech, also las ich weiter. Und genau an dem Punkt fängt der Autor an, den Spieß umzudrehen: Schließlich überdenkt man die gerade noch gefühlte Häme und sieht den (Achtung: Wortspiel!) „Mensch“ Herbert Grönemeyer mit ganz anderen Augen. Und der Song erhält sogar auf einen Schlag viel mehr Tiefe. Seit über elf Jahren kann ich den Song nicht hören, ohne diesen leicht schuldbewussten Schauer zu fühlen. Und der Song ist tatsächlich so gut, daher wurde er auch der heutige Song des Tages:

Zwar gefallen mir die etwas heitereren und verspielteren Songs vom Album „Luxus“ in der Gesamtheit besser als die gesammelten Songs vom „Mensch“-Album, doch dieser eine stellt so ziemlich alle anderen Herbie-Songs in den Schatten.

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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7 Gedanken zu „Song des Tages (189) – 2017-03-19

  1. Zeilenende sagt:

    Mensch hat bei mir auch zu einem Umdenken geführt. Früher habe ich Grönemeyer verabscheut, mittlerweile mag ich ihn einfach als Sänger nicht.
    Ich mag seine Art zu singen nicht, seine Stimme ist auch nicht mein Fall, aber er ist ein begnadeter Songschreiber … Und damit befindet er sich in guter Gesellschaft: Über Bob Dylan denke ich ähnliches (auch wenn ich den … manchmal höre). Wenn ein Lied von ihm läuft, höre ich trotzdem gern zu und singe es manchmal sogar selbst. Das hat den Vorteil: Ich kann auch nicht singen – aber es hört sich besser an als bei Herbert. gg

  2. sori1982 sagt:

    Meine Erstbegegnung mit Grönemeyer verlief alles andere als vielversprechend. Ich glaube, ich war auch noch zu jung, um mich wirklich auf sein Werk konzentrieren zu wollen. Dennoch lieh ich mir eines Tages im Jahr 1995 (kann auch 1994 gewesen sein) aus einer Bibliothek die MC (ja, Musikkassette) „Chaos“ aus, weil ich kurz davor „Land unter“ im TV gesehen habe. Nach dem ersten Anhören und Lesen des Titelliedes wurde ich ein Fan von Herbert und ich durfte mich dann viele Jahre später im Klagenfurter Wörthersee-Stadion von seinen Live-Qualitäten überzeugen lassen.
    Der Mann spaltet die Musikhörerschaft – ich gehöre zu diejenigen, die ihn klass‘ finden und hoffe, dass ich ihn noch einmal live erleben kann.

  3. Stepnwolf sagt:

    Hach, einer der richtig guten Herbie-Songs, insbesondere aufgrund dieser Balance zwischen melancholischen und doch hoffnungsvollen Textzeilen…

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