Gehört: „Die Terranauten“ von T. C. Boyle

Vor ein paar Tagen – da steckte ich schon im Hören – entdeckte ich eine Rezension zum gerade heute früh fertig gehörten „Die Terranauten“ von T. C. Boyle aus dem Jahr 2015. Um mir auf keinen Fall einen Spoiler einzufangen, las ich die Rezension nicht, merkte sie mir aber, um dann später nachzusehen, inwieweit sich unsere Ansichten deckten. Ich komme weiter unten wieder darauf zurück.

Faszinierende Grundidee, nicht ganz perfekte Umsetzung: „Die Terranauten“ von T. C. Boyle

Faszinierende Grundidee, vor allem gegen Ende nicht ganz perfekte Umsetzung: „Die Terranauten“ von T. C. Boyle

Inhalt

Das Hörbuch war mir bei iTunes mehrfach aufgefallen. In einer schwachen Minute konnte ich mich nicht mehr beherrschen und lud es herunter. Und dann ging es auch schon los: Der Anfang war super, denn das im Buch geschilderte zweijährige Einschluss-Experiment, das als Vorbereitung für eine in ferner Zukunft denkbare Mars-Mission (oder die Besiedelung einer Raumstation etc.) dienen soll, bietet viele spannende Facetten. So wurde der Alltag der Terranauten geschildert, der Anbau von Nahrung (hundertprozentige Selbstversorgung ist das Motto der Mission – „Nichts rein, nichts raus!“), die Pflege der verschiedenen Biome, der Wechsel der Jahreszeiten, das soziale Gefüge und und und – das fand ich zu Beginn auch höchst spannend, denn immer wieder wechselt die Perspektive. Dabei überlappen sich die Berichte der einzelnen Figuren, um die verschiedenen Blickwinkel auf die an sich ja gleichen Ereignisse deutlich zu machen.

Gähn… und bäh!

Doch bereits da fiel mir auf, dass der Text einen sehr starken Fokus auf die Intrigen und Gehässigkeiten der Terranauten untereinander und gegenüber „Mission Control“, also den Kollegen „draußen“, legt. Bis zur Mitte des Hörbuchs war das noch ok, zum Teil sogar faszinierend, vor allem die extrem egozentrische Perspektive von Linda, die in ihrer Absolutheit einen gewissen Kontrast zu den übrigen Charakteren aufbaut.

Doch dann geht der Geschichte irgendwann die Puste aus. Gut 13 oder 14 der 24 Monate sind vorbei, doch da kann das Projekt ja noch nicht enden. Also musste der Autor wohl noch irgendwie die Zeit auffüllen – und das ist meiner Meinung nach nicht ganz so gelungen. Denn ab diesem Zeitpunkt führt er die Hauptfiguren in einen derartigen Intrigen-Strudel, dass es schlicht und einfach streckenweise keinen Spaß macht, zuzuhören. Hier und da gibt es superbe und fesselnde Passagen. Alles in allem sind mir Intrigen und offene Anfeindungen aber persönlich derart zuwider, dass ich weder davon hören noch es erleben möchte. Zumindest nicht in diesem Umfang. Da sich dann aber noch gut vier oder fünf Stunden Hörbuch überwiegend in einem derartig konfliktbehafteten Gebiet aufhalten, wodurch die ohnehin nicht zu positiv gezeichneten Personen nochmals an Sympathiepunkten verlieren, wurde es am Ende schlicht und einfach etwas anstrengend. Der recht offene Schluss verweigert dem Hörer/Leser dann auch noch die Abschluss-Katharsis, durch die man vielleicht noch einen grundlegenden Frieden mit der Geschichte schließen könnte.

Fazit

Eine fesselnde Grundidee, über 50-60 Prozent auch exzellent umgesetzt, doch dann kommt der erstaunlich heftige Absturz in die Untiefen zwischenmenschlicher Unfähigkeiten. Da dieser unangenehme Teil so breit getreten wird, verging mir gegen Ende einfach die Lust. Ich war so froh, mitten im heutigen Morgenlauf einen Haken unter dieses Hörbuch setzen zu können, um sofort ein neues zu beginnen…

Übereinstimmung

Als ich fertig mit meiner Rezension war (und wirklich erst dann), las ich Mellis Rezension. Und was war ich überrascht, dass wir die Angelegenheit nahezu identisch beurteilten. Der einzig nennswerte Unterschied war, dass ich die Charaktere am Anfang schon – zumindest zum Teil – sympathisch fand. Doch gegen Ende lässt die Zuneigung derart nach, dass ich Melli und ihren Standpunkt nur zu gut verstehen kann. Touché!

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Ein Gedanke zu „Gehört: „Die Terranauten“ von T. C. Boyle

  1. sternenbrise sagt:

    Ich wollte unbedingt dieses Buch lesen, da ich die Grundidee wirklich toll finde. Dann habe ich jedoch viele Rezensionen gelesen, die die selbe Richtung wie deine anschlagen. Bei vielen kam Langeweile. Wirklich schade!

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