Gehört: „Fettlogik überwinden“ von Dr. Nadja Hermann

Ein faszinierendes und faktenreiches Buch – nicht nur für Leute mit extremem Übergewicht!

Ein faszinierendes und faktenreiches Buch – nicht nur für Leute mit extremem Übergewicht!

Ich bin zwar sicher nicht die primäre Zielgruppe, dennoch faszinierte mich der Titel des Hörbuchs bereits seit einer Weile. Mehrfach stand ich kurz davor, es mir zu laden, jedes einzelne Mal zögerte ich es aber doch noch hinaus, bis ich dann vor gut zwei Wochen einfach meinen inneren Schweinehund bezwang und „zuschlug“. Und dann hörte ich die neun Stunden und vierzig Minuten innerhalb von zwei Tagen fast in einem Rutsch durch. Das Hörbuch war spannend, faktenreich, eloquent, und – aus meiner Sicht sein größter Vorteil – es räumte mit unglaublich vielen Ernährungshalbwahrheiten (bzw. Ernährungslügen) auf.

Inhalt

Wie der Titel schon suggeriert, geht es wirklich darum, die typischen Denkschemata eines Menschen, der auf ein gesundes Gewicht hin abnehmen möchte, zu durchbrechen, denn gerade diese verhindern in der leider überwiegenden Mehrzahl der Fälle eine erfolgreiche Gewichtsreduktion. Dazu gehören beispielsweise Sprüche wie

  • „Um abzunehmen muss man mindestens 1.200 Kilokalorien pro Tag zu sich nehmen…“
  • „Du bist im Hungermodus, kein Wunder dass du nichts abnimmst…“
  • „So wenig Kalorien am Tag? Das ist doch ungesund!
  • „Mein/Dein Stoffwechsel ist halt langsamer/schneller/xy…“

In diesem Buch werden sehr viele dieser teils wohlmeinenden, teils malevolenten Behauptungen auf die wissenschaftliche Probe gestellt, die Studien herausgesucht, in denen die jeweiligen Phänomene erforscht wurden – und dann werden sie geradezu genüsslich zerlegt: So ziemlich keine der angeblichen Abnehmregeln hat am Ende noch Bestand, außer einer, die mancher Abnehmwillige so gar nicht hören/lesen will:

Die Zufuhr an Kalorien muss geringer sein als der Verbrauch.

Wie man dieses Verhältnis herstellt, wird nicht vorgegeben – eher genau im Gegenteil, denn die Autorin, die ihr eigenes Körpergewicht von satten 150 auf gesunde 65 Kilogramm reduziert hat, legt sich da gar nicht fest. Vielmehr rät sie sogar dazu, einen individuell passenden Weg zu finden, mit dem sich der jeweils Abnehmwillige am wohlsten fühlt.

Warum habe ICH mir dieses Hörbuch besorgt und angehört?

Wie oben schon erwähnt, gehöre ich sicher nicht zur primären Zielgruppe. Vor fast sechs Jahren habe ich von gut 90 auf ungefähr 64 Kilogramm abgenommen (kurzfristig war ich sogar mal bei 62 Kilogramm, doch das war schon arg mager). Insofern habe ich den Prozess der körperlichen Umstellung schon durchlaufen, ich halte das Gewicht seit mindestens fünfeinhalb Jahren (mit Schwankungen zwischen 62 und 67 Kilo). Wieso also höre ich mir ein recht ausführliches Hörbuch zum Thema „Abnehmen“ an?

Gerade in dieser Angelegenheit möchte ich nicht falsch verstanden werden: Bei 1,78 m Körpergröße wiege ich aktuell zwischen 64 und 66 Kilogramm, befinde mich also bei einem BMI ganz grob um die 21, was im absolut grünen Bereich liegt. Ich habe nicht vor, weniger als 63 Kilogramm zu wiegen, denn alles darunter taugt mir nicht – noch dazu mag ich die Süßigkeiten und den ganzen leckeren Knabberkram nun einmal viel zu sehr, als dass es mit meinem Gewicht so schnell so weit abwärts gehen könnte… (Die vielen Knabbereien und Süßigkeiten gleiche ich selbstverständlich durch mein rigoroses Sportprogramm aus, wer mir schon länger folgt, kennt sicher den einen oder anderen Blogeintrag. )

Mir geht es also bei der Lektüre bzw. dem Anhören eines solchen (Hör-)Buchs nicht darum, mich „runterzuhungern“ (darum geht es auch der Autorin nicht). Vielmehr bin ich immer auf der Suche nach Möglichkeiten, meine Ernährungsgewohnheiten kritisch zu durchleuchten, um so frühzeitig gegenzusteuern, wenn nach der Weihnachtszeit mit ihren viel zu vielen gut gefüllten Plätzchentellern (und da kann ich schlicht und einfach nie „Nein“ sagen) die Waage plötzlich 67 oder mehr Kilogramm anzeigt.

Außerdem finde ich das Thema auch aus familiärer Hinsicht interessant, denn wer garantiert mir denn, dass nicht irgendwann eines unserer Kinder (oder gar mehrere) in der einen oder anderen Form mit Gewichtsproblemen zu kämpfen haben wird? Da kann eine solide Wissensgrundlage nicht schaden.

Fazit

Vielmehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht zu diesem Ratgeber in Hörbuchform loswerden. Ich fand auch aus meiner Perspektive das Buch sehr interessant, der Tonfall ist sachlich und angenehm vorgelesen, die Inhalte sind intelligent aufbereitet und wissenschaftlich fundiert (eben nicht postfaktisch). Daher kann ich mir durchaus vorstellen, dass dieses Buch eines der wenigen sein wird, die tatsächlich auf lange Sicht einigen Nutzen für viele Abnehmwillige bieten können.

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4 Gedanken zu „Gehört: „Fettlogik überwinden“ von Dr. Nadja Hermann

  1. Jetzt bist du mir zuvor gekommen. Ich hatte auch schon vor eine Rezension schreiben.
    Also mein BMI liegt ja auch nur bei 21,3, also knapp über dem Wert, der als der gesündeste angesehen wird (man höre auch hierzu das Buch). Aber mein Körperfettwert ist mit deutlich über 27 % schon reichlich. Da ich mir wohl kaum 3kg Muskeln antrainieren kann – der Zeitfaktor spielt hier definitiv nicht mit – sollte ich wohl lieber einfach Fett verlieren. Und das geht eben nicht über noch mehr Sport (Zeit…) sondern über weniger füttern. Tja, hart aber wahr.
    Es ist auch nicht so, dass mir das nicht klar gewesen wäre, sicher hab ich das auch schon irgendwo im Blog geschrieben. Aber das Hörbuch hat mich gleich wieder etwas mehr motiviert, mal was wegzulassen oder durch was Niedrigerkalorisches zu ersetzen.
    Ich überlege, wie ich das Hungergefühl austricksen kann, denn seit den Schwangerschaften und Stillzeiten ist das nicht so leicht zu besiegen. Ich hab einfach mehr Hunger seither, was sich dann auch in Speck niedergeschlagen hat.

  2. Zeilenende sagt:

    Wenn ich in meinem Leben noch häufiger das Wort BMI hören muss, spring ich aus dem Fenster … ^^ Der gehört für mich ja noch viel eher auf den Müll als das Wort Diät, umso betrüblicher, dass ich meinen sofort parat habe, weil die Waage ihn ausgibt: So zwischen 27 und 28. Jede Form von Versuch, empirische Forschung als wahr darzustellen, gehört übrigens auch auf den Müll, aber das ist ein anderes Thema.
    Genug der Nörgelei, danke für die Rezension. Ich weiß zwar nicht, was mir mein Reader sagen will, weil Firyar (http://www.firyar.de/2017/02/buch-fettlogik-ueberwinden/) auch darüber geschrieben hat (ihr standet nur einen Beitrag voneinander getrennt), aber ich habe manches Mal genickt. Negative Kalorienbilanz ist wohl der bewährteste Schlüssel zum Gewichtsverlust, der einzige Fehler von Low Carb und Co. ist allein die Dogmatisierung als einzig selig machender Weg. Das Problem der gesamten Debatte ist, dass Diätwillige gern einfache Wege haben und deshalb die Leerstellen einer Theorie übersehen (Low Carb ist meiner Beobachtung nach recht effektiv, wenn man es mit Muskelaufbau verbindet und kein Problem mit ein wenig Chemie hat) und dass es für ein erfolgreiches Gewichthalten generell ein Umdenken im Lebenswandel braucht.
    Grundsätzlich funktioniert aber übrigens auch der umgekehrte Weg: Nicht Kalorieneinfuhr reduzieren, sondern Ausfuhr erhöhen. Grundsätzlich, halte ich es persönlich mit folgenden zwei Dingen:
    1) ausprobieren
    2) Gesundheit und Langlebigkeit nicht verabsolutieren, gibt Wichtigeres im Leben. 😉

  3. […] auf 63 kg gesetzt. Und dann begann ich nach dem Anhören von „Fettlogik überwinden“ (hier) wieder mit dem Kalorienzählen (mit CaloryGuard Pro). Das ist in meinem Fall immer sehr effektiv, […]

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