Gesehen: „The Grey – Unter Wölfen“

Bereits vor ein paar Wochen war dieser Film bei iTunes im Angebot gewesen, doch neben der Arbeit blieb zu wenig Zeit, ihn in Ruhe anzusehen. Also wandte ich meine lange erprobte Scheibchentaktik an: Jeden Tag ein kleines Stück des Films angucken, bis man durch ist. Den vollen Genuss zieht man so unter Garantie nicht aus dem Film, da durch die langen Unterbrechungen die Dramaturgie zumindest teilweise zunichte gemacht wird. Doch am Ende hat man den Film einmal ganz durch, was natürlich dann die Möglichkeit eröffnet, ihn – falls lohnend – bald noch einmal am Stück anzusehen. Heute Mittag waren noch etwa 35 Minuten übrig, die habe ich dann ohne weitere Unterbrechung angesehen.

Handlung – und die Erwartungen an einen solchen Film…

Im Prinzip lässt sich die Handlung äußerst knapp – und lustlos – wie folgt zusammenfassen:

Nach dem Absturz ihres Flugzeugs irgendwo in Alaska werden die wenigen Überlebenden von hungrigen Wölfen, in deren Revier sie gelandet sind, gejagt und einer nach dem anderen getötet.

Da kann man sich jetzt einiges an Action vorstellen, doch der Film funktioniert anders, denn er legt den Fokus nicht auf lange und spannende Action-Szenen, in denen z.B. Kämpfe gegen die immer wieder vorstoßenden Wölfe zu sehen wären. Vielmehr wird der psychologische Faktor in den Blick genommen: Der Zuschauer beobachtet in den gut 110 Minuten, wie die aufgesetzten Schichten diverser großspurig agierender „harter“ Männer angesichts einer ausweglosen Situation in Windeseile abgetragen werden – und wie manch stiller und unscheinbarer Charakter auch in Momenten höchster Not und Gefahr für Leib und Leben zu seinem Wort steht und angreifende Wölfe mit nichts anderem als einem Bündel brennender Äste in die Flucht schlägt.

Der Schluss bleibt offen, wobei man sich fast zu einhundert Prozent sicher sein kann, dass am Ende des Tages keiner der Abgestürzten überleben wird, doch der Regisseur verweigert uns die letztendliche Gewissheit. Menno!

Darstellerische Leistungen

Ich war beeindruckt von diesem Film, denn er schildert diese (natürlich frei erfundene) Geschichte in glaubwürdiger Weise. Zumindest halte ich sie für glaubwürdig (glücklicherweise habe ich eine vergleichbare Situation nicht erlebt). Gerade die Großspurigkeit der „harten Jungs“, die dann binnen weniger Momente Aug’ in Aug’ mit einem monströs großen Wolf wieder zu bibbernden und äußerst kleinlauten Jungs werden, ist fantastisch geschrieben und gespielt.

Das bringt mich zu den Leistungen der Schauspieler. Allen voran brilliert Liam Neeson, der gleichzeitig beinhart wie auch im Innersten zutiefst zerrissen dargestellt wird. Der Tod seiner Frau lässt ihm keine Ruhe, gleich zu Beginn des Films steht er kurz vor einem Suizid. Klingt sehr stereotyp, ist aber hier glaubwürdig verpackt und weder besonders rührselig noch zu kurz angebunden in das filmische Geschehen eingewoben.

Die weiteren Darsteller bleiben zum Teil zwar etwas farblos (manche haben auch nur eine sehr kurze Lebenszeit auf der Leinwand), hier und da stechen aber starke Charaktere heraus, die einen erfrischend dynamischen Gegenpol zur ruhigen Art Liam Neesons schaffen. Allein schon in dieser Asymmetrie liegt ein Teil des Reizes, der diesem Film innewohnt.

Farben

Der gesamte Film ist in einem leicht graublauen Farbstich gehalten, der geradezu perfekt die unerbittliche Kälte der arktischen Umgebung transportiert. Wer jetzt nicht genau weiß, was ich meine, der sollte einen Blick auf das Poster werfen, denn das zeigt ziemlich genau, wie die farbliche Gestaltung über weite Strecken des Films ausfällt:

Schon die Farbgebung des Filmposters ist genial, während des Films bleibt gerade dieser Aspekt höchst eindrucksvoll.

Schon die Farbgebung des Filmposters ist genial, während des Films bleibt gerade dieser Aspekt höchst eindrucksvoll.

Bei einigen Szenen wird das Bild auch noch künstlich gekörnt, was beinahe den Eindruck einer Dokumentation erzeugt. Das verstärkt die düster-bedrohliche Grundstimmung des Films noch ein wenig. Heiei, der Regisseur ist ganz schön ausgefuchst.

Horror-Elemente

Einen Punkt muss ich noch erwähnen: Der Film ist zwar eher ein Drama der psychologischen Art, gleichzeitig gibt es ein paar recht heftige Szenen, wenn die Wölfe attackieren. Wem so etwas zu sehr zusetzt, der sollte sich den Film wohl besser nicht ansehen. Es sind zwar nicht viele Stellen, diese sind jedoch äußerst intensiv und verfehlen nicht ihre Schockwirkung (zumindest haben sie mich einige Male ganz schön aufgescheucht).

Musik

Der Soundtrack des deutschen Komponisten Marc Streitenberg, einem langjährigen Assistenten von Hans Zimmer, gefällt mir sehr. Einige Stücke habe ich mir gleich in meine Apple Music Soundtrack-Favoritenliste gezogen. Besonders gelungen ist „Writing The Letter“, das über den langgezogenen und sehr hohen Flageolett-Ton fast im Alleingang einen Eindruck von Kälte vermittelt. Die einzelnen Akkorde der übrigen Streicher, die eigentlich etwas Wärme erzeugen könnten, stehen so vereinzelt, dass es ihnen nicht gelingt, die Kälte zu vertreiben. Wer die Option hat, in den Soundtrack hineinzuhören, sollte dies getrost tun, die Zeit ist gut investiert.

Fazit

Alles in allem ein sehr spannender Film, dessen Setting eigentlich auf einen ziemlichen Action-Knaller hindeutet. Doch die unkonventionelle Behandlung sorgt für ein packendes Filmerlebnis, das mich auch Stunden später noch beschäftigt hat. Diesen Film werde ich definitiv noch ein paar Mal ansehen.

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