Song des Tages (54) – 2016-11-04

Jeden Tag empfehle ich einen Song als den „Song des Tages“. Irgendwann mussten die Altrocker vom Dienst ja hier ein Stelldichein geben. Gute Songs haben sie ja auch in rauen Mengen aufgenommen, daher hatte ich eher die Qual der Wahl.

Entschieden habe ich mich für einen Song, der unglaublich tief in die Klischee-Kiste greift und sicher maßgeblich zum (beabsichtigt) schlechten Ruf (ihr wisst schon: das Image der „Bad Boys“) der Rolling Stones beigetragen hat: Honky Tonk Women

Wenn man genau auf den Text achtet, kann man fast alle gesellschaftlichen Tabus der damaligen Zeit auf einem Haufen finden: Das „lyrische Ich“ lässt sich in der ersten Strophe im volltrunkenen Zustand von einer „von Gin durchtränkten Bar room Queen zu einem Ritt abschleppen“, in der zweiten Strophe bläst eine Geschiedene nach einem heftigen Streit an seiner „Nase“ (möglicherweise soll das nur eine Anspielung auf ein anderes hervorstehendes Körperteil sein…), um ihm damit völlig „die Sinne zu rauben“. Ja, die Jungs hatten es schon immer drauf, bei Konservativen anzuecken.

Schön ist es, dass dieser Song auch in Stephen Kings Roman „Der Anschlag“ ein entscheidendes Nebenröllchen spielt, denn der Protagonist, der aus unserer Zeit, in der sich die Menschen mit den Texten und dem Image der Stones weitgehend arrangiert haben, in die Vergangenheit zurückreist, um das Attentat auf Präsident Kennedy zu verhindern, singt im Beisein seiner Freundin (aus der alten Zeit, die Szene spielt am Anfang der 1960er Jahre) den Song aus voller Kehle mit, während sie im Auto durch die Nacht fahren. Keine gute Idee, denn der Song ist brandneu, noch dazu würde zu dem Zeitpunkt kein Mensch seines Standes (als High School Lehrer) so etwas machen. Dumm gelaufen, seine Tarnung bröckelt, die Beziehung zerbricht…

Alle Songs in meiner freigegebenen Apple Music-Playlist.

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2 Gedanken zu „Song des Tages (54) – 2016-11-04

  1. Zeilenende sagt:

    Musik als scheiternde Tarnung für Zeitreisen. Erinnert entfernt an einen Schulball aus Zurück in die Zukunft. gg
    Honky Tonk Woman war mein erster Song von den Stones, ohne dass ich damals den Text groß verstanden hätte. Aber diese doch sehr spezielle Art des Gesangs, die sehr geradlinige Musik und die Anleihen am klassischen Rock and Roll haben mich fasziniert. Und so darf der Song bis heute von sich behaupten, nach Sympathy for the Devil mein liebster Stones-Hit zu sein.

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