Gelesen: „Robot Legende“ von William Voltz

Mitte oder Ende der 1980er-Jahre gab es im Edeka-Laden in meinem damaligen Heimatort Estenfeld einen kleinen Wühltisch, auf dem für 1,50 DM diverse Science Fiction-Romane verramscht wurden. Einen kleinen Stapel davon habe ich mir von meinem spärlichen Taschengeld gekauft, meist nur aus dem Grund, dass die Covergestaltung meine Fantasie anregte, außerdem waren es keine Kinderbücher – und für einen Zehnjährigen ist nichts schlimmer, als wie ein Kind behandelt zu werden, das gilt für Eltern gleichermaßen wie für Autoren. (An meinem eigenen Sohn, der im Dezember elf Jahre alt wird, konnte ich das in einer sich über gut zehn Monate erstreckenden Feldstudie kürzlich nachweisen.)

Faszination Buch-Cover

Zurück zu den Büchern, die ich mir kaufte: Weder die Autoren noch die Geschichten an sich waren mir auch nur ansatzweise vertraut. Es waren wirklich die Einbände mit Bildern von Raumschiffen, Robotern und anderen typischen Dingen, die im Science Fiction-Universum eine Rolle spielen, die mich fast schon magisch anzogen.

Zu meinem kleinen Stapel gekaufter Bücher gehörten neben der heute zum Thema erhobenen auch zwei Geschichten von W. D. Rohr (es handelt sich um „Die Jupitergilde“ oder „Regulatoren der Zeit“), die allerdings noch nicht digital veröffentlicht wurden. Sollte einer meiner Leser durch Zufall mal erfahren, dass diese zwei Schätze der (relativ naiven) Science Fiction irgendwann einmal neu digital herauskommen, bitte ich darum, informiert zu werden. Denn dann sind sie fällig

Robot-Legende

Das heute ins Zentrum gerückte Buch ist „Robot Legende“ von William Voltz. Es kostete mich damals mindestens drei Anläufe, in die Geschichte hineinzukommen, denn für mich als etwa Zehnjährigen war die Anlaufphase der Geschichte einfach etwas zu lang. Als ich mich dann aber doch einmal durchgebissen hatte, verzauberte mich die Geschichte völlig. Ich las das Buch insgesamt mindestens drei oder vier Mal.

Vorgestern habe ich es zum fünften Mal gelesen, allerdings in digitaler Form, denn seit kurzer Zeit ist es auch in iBooks erhältlich. Die Inflation scheint seit den 1980er Jahren beträchtlich gewesen zu sein, denn aus 1,50 DM waren 4,99 € geworden, doch diese Geschichte war es mir wert.

William Voltz: „Robot-Legende“ – eine kurze, aber äußerst fesselnde Science Fiction-Geschichte!
William Voltz: „Robot-Legende“ – eine kurze, aber äußerst fesselnde Science Fiction-Geschichte! Das Buch-Cover hat leider höchstens entfernt mit dem Inhalt zu tun…

Handlung

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Barrett, einem Reinigungsroboter, der „zufällig“ beim Säubern eines Heizkörpers in der Roboterstadt, in der sich sein gesamtes Dasein bisher abspielte, ein Manuskript entdeckt, es liest und dadurch zum ersten Mal etwas über eine ihm unbekannte Rasse namens „Menschen“ erfährt. Er hält die Geschichte für Erfindung, den Autor für geisteskrank. Doch statt das Manuskript zu vernichten, liest er es erneut, wobei ihn der Technik-Roboter Bradley überrascht – nun liest auch dieser den Text…

Im Manuskript wird von einer evolutionären Weiterentwicklung einiger Menschen zu telepathischen Mutanten berichtet, die unbeabsichtigt eine feindselige außerirdische Macht auf die Menschheit aufmerksam machen. Es entbrennt ein Wettlauf mit der Zeit, um so viele Menschen wie möglich von der Erde zu schaffen, damit sie der telepathischen Schockwelle, die auf den Planeten zurast, entkommen können. Dabei helfen ihnen Roboter der Marke Barlowe…

(Mehr verrate ich nicht…)

Fazit

Geschrieben wurden diese Geschichten vor etlichen Jahrzehnten, denn William Voltz ist bereits seit 32 Jahren tot (er lebte von 1938-1984). Dementsprechend sind manche damals sicher futuristisch wirkende Beschreibungen heute maßlos veraltet (ich denke da an die Äußerungen von Douglas Adams, der sich in „Per Anhalter durch die Galaxis“ darüber auslässt, wie rückständig die Menschheit doch sei, dass sie Digitaluhren noch immer für modern halte). Doch das stört nicht, wenn man sich der zeitlichen Distanz bewusst ist. Und da ich das Buch eben vor einer solchen Zeitspanne erstmals gelesen habe, bin ich mir dieser Spanne mehr als nur ein bisschen bewusst.

William Voltz war auch für das sog. „Voltzen“ bekannt. Dabei wird ein Charakter über den Verlauf einer Geschichte derart aufgebaut, dass der Leser mit ihm stark sympathisiert. Das erzeugt dann eine sehr intensive emotionale Reaktion, wenn der (meist stille und altruistische) Held am Ende der Geschichte sterben muss. In „Robot Legende“ wird auch gevoltzt, allerdings mit einem entscheidenden Kniff, der sehr charmant ist. Was genau passiert, darf ich nicht erzählen, sonst ist ja jegliche Spannung weg.

Alles in allem war das Lesen dieses Buchs ein herrlich nostalgischer Trip in meine eigene Vergangenheit. Trotz der zeitlichen Distanz liest sich die Geschichte schön flüssig, die Charaktere sind interessant, wenngleich hier und da etwas eindimensional, doch das liegt eher an der Kürze des Buchs, da blieb einfach kein Raum für weitere Ausführungen (und ganz ehrlich: das ist im Vergleich mit mancher Charakterstudie von Stephen King, die dann schon einmal ein paar hundert Seiten mehr füllt, eine willkommene Abwechslung).

Wer auf Science Fiction steht, kann hier fast bedenkenlos zugreifen, denn die Geschichte lohnt sich allemal.

7 Gedanken zu “Gelesen: „Robot Legende“ von William Voltz

    • solera1847 15. Oktober 2016 / 13:38

      Sehr kurzweilig, mit nur knapp über 200 Seiten auch schnell gelesen.

  1. Zeilenende 15. Oktober 2016 / 16:24

    Ach … seufzt nostalgisch Da hast du aber auch einen der ganz großen Helden hervorgeholt. 🙂

    • solera1847 15. Oktober 2016 / 16:26

      Kennst du die Geschichte? Oder meinst du Voltz?

      • Zeilenende 15. Oktober 2016 / 16:44

        Ich bin mir relativ sicher, die Geschichte nicht zu kennen, ich ziehe im Zweifelsfall auch immer Clark Darlton vor, aber natürlich kenne ich die Großmeister der Perry-Rhodan-Zunft. Auch über ihre Beteiligung am Groschenheft hinaus. 🙂

      • solera1847 15. Oktober 2016 / 16:51

        Vorbildlich!

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