Ständer am Ständer

Und wieder einmal stachelt eine bewusst in die Irre führende Überschrift die Fantasie meiner Leser an. Dabei geht es um einen völlig profanen, wenngleich irrsinnig nützlichen Gegenstand: Einen Dämpferständer. Klar, so etwas gehört in jeden Haushalt, daher weiß sicher auch jeder sofort, wovon ich hier schreibe. Für den einen oder anderen Menschen, der nicht gleich weiß, was er sich unter einem Dämpferständer vorstellen muss, ist das folgende Foto gedacht:

Ein Ständer für die Dämpfer, der am Notenständer befestigt wird – sicherlich ein Nischenprodukt, doch ein äußerst nützliches.

Ein Ständer für die Dämpfer, der am Notenständer befestigt wird – sicherlich ein Nischenprodukt, doch ein äußerst nützliches.

Beim Spielen in einer Big Band muss gelegentlich ein sehr schneller Dämpferwechsel erfolgen. Ein Beispiel: Zu Beginn des Stücks spielt man 12 Takte mit einem Spitzdämpfer, dann folgen ein oder zwei Takte Pause, nach denen man sofort mit einem Cup-Dämpfer weiterspielen muss. Liest sich nicht allzu aufregend, ist aber für die Musiker mit einigem Stress verbunden, denn der eine Dämpfer muss raus, abgelegt werden, der neue Dämpfer muss gegriffen und ins Schallstück eingedreht und so angedrückt werden, dass er nicht gleich wieder herausfällt. Und dann soll man ja noch pünktlich weiterspielen. Diese ein oder zwei Pausentakte sind daher oft stressiger als die 30 oder 40 Takte drumherum.

Nun kann man sich das Leben künstlich schwer machen, indem die Dämpfer am Boden stehen. Dann muss sich der Musiker ganz hinunterbeugen, um den ersten Dämpfer abzustellen, den zweiten aufzuheben und einzusetzen, dann wieder hoch – das kostet alles Zeit, und genau daran mangelt es in der Situation ja. Daher haben ein paar findige Bastler diesen wundervollen Dämpferhalter erfunden, den man bequem auf Zugreifhöhe am Notenpult befestigt:

Fünf Dämpfer in greifbarer Nähe zum Spieler – viel mehr Komfort geht nicht.

Fünf Dämpfer in greifbarer Nähe zum Spieler – viel mehr Komfort geht nicht.

Nur selten benötige ich bei einem Stück mehr als zwei unterschiedliche Dämpfer. Da dieser Dämpferhalter aber Platz für bis zu fünf Dämpfer bietet, kann ich alle Dämpfer für den gesamten Konzertabend (oder die Probe) bereit legen. Das Grundkonzept ist dabei einfach und genial: Durch die ausgehöhlten Platten lassen sich die Dämpfer auch mit wenig Präzision treffsicher in kurzer Zeit ablegen. Die Konstruktion hält es locker aus, wenn der Dämpfer die letzten paar Zentimeter „plumpst“.

Simpel und genial – so muss das sein!

Simpel und genial – so muss das sein!

Mein voriges Modell hatte statt durchlöcherten Platten einzelne Metalldornen, die nach oben gerichtet waren. Auf diese mussten die Dämpfer (alle sind hohl, sonst gäbe es einen für den Spieler sehr nachteiligen Rückstau) ganz exakt gesetzt werden. Das war fast schlimmer als das Absetzen auf dem Boden. Nachdem ich einige Monate neidisch auf meine Kollegen, die alle dieses Luxus-Modell haben, geblickt habe, bestellte ich ihn vor zwei Wochen. Heute früh kam er an – ab jetzt steht dem komfortablen Dämpferwechsel nichts mehr im Weg. Yay!

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6 Gedanken zu „Ständer am Ständer

  1. Es Marinsche kocht sagt:

    Dämpferständer! Klaro! Empfehle ich jedem seit….Jahrzehnten…….pffffff……

  2. Zeilenende sagt:

    Er nen Ständer … Hihihi … kichert infantil

    Und immer noch frägt das Zeilenende sich: Warum spielt man ein Instrument, wenn man dessen Krachmachpotential dann mutwillig einschränkt? Ist ja wie Schlagzeug, bei dem man aus Rücksicht auf die Nachbarn das Fell aufschlitzt. Dann kann man auch gleich Blockflöte (Achwas … Ich habe keine Vorurteile gegen Blockflöten) oder Harfe spielen. 😉

    Aber ja. Definitiv eine sinnvolle Erfindung. Und ich staune einmal mehr, was es alles an Zubehör gibt.

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