Gesehen: „Unheimliche Begegnung der dritten Art“

Vor vielen Jahren, den genauen Zeitpunkt kann ich wirklich nicht mehr nennen, vermutlich war es kurz vor oder nach dem Abitur, sah ich zum ersten Mal Stephen Spielberg’s Science Fiction-Klassiker „Unheimliche Begegnung der dritten Art“. Damals gefiel mir der Film überhaupt nicht, denn er zog sich gefühlt unglaublich lange hin, die gesamte Spielzeit liegt bei knapp unter 140 Minuten.

Später sah ich den Film noch ein weiteres Mal, da gefiel er mir ein klein wenig besser, viel blieb aber auch beim zweiten Anlauf nicht hängen. Nur die geradezu manische Obsession des Protagonisten, der sich über alle gesellschaftlichen Konventionen hinweg nur noch für seine Vision interessiert und ihr sowohl die berufliche als auch die familiäre Zukunft gnadenlos opfert. Das war das Element, das mir beim ersten Ansehen des Films am meisten gegen den Strich gegangen war, es nervt mich ehrlich gesagt bis heute. Doch heute kann ich dieses Genervtsein sowohl einem geschickten Drehbuch als auch einer guten schauspielerischen Leistung zuschreiben, die eben überzeugend diese Situation darstellt.

Es gibt noch so einige Filme, die ich eine Weile nicht mochte, bis mir einfach klar wurde, dass die Leistung ja eben darin bestand, so überzeugend einen Bösewicht oder Fiesling zu spielen, dass das Publikum (bzw. einfach nur ich) eine tatsächliche Abneigung gegenüber dem porträtierten Charakter entwickelte.

Ein brillanter Science Fiction-Klassiker – trotz seines Alters auch heute noch absolut sehenswert!

Ein brillanter Science Fiction-Klassiker – trotz seines Alters auch heute noch absolut sehenswert!

Vor ein paar Tagen besorgte ich uns den Film in feinster HD-Auflösung im iTunes-Store und überraschte meine Frau damit völlig, denn auch sie hatte den Film seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Voller Freude begannen wir den Film. Er war so angenehm und entspannend anzusehen, dass ich vor lauter Wohlgefühl nach etwas mehr als einer Stunde einschlief… Was aber in diesem Kontext eindeutig als ein Merkmal für hohe Qualität zu deuten war. Bei einem schlechten Film ziehe ich mich ins Bett zurück, hier dagegen ratzte ich sofort auf dem Sofa ein.

Direkt am nächsten Mittag benötigte ich eine Weile zur Zubereitung meines Essens, dabei sah ich weiter. Während des Essens sah ich immer noch weiter – und dann fehlten ohnehin nur noch zehn oder zwölf Minuten, also bekam ich den gesamten Film am nächsten Tag noch zu Ende. Und nun war es wirklich ein durchgehender Genuss. Vielleicht musste ich einfach in diesen Film hineinaltern, um ihn wirklich genießen zu können. Es hat sich gelohnt, denn mit absoluter Sicherheit werde ich mir den Film noch das eine oder andere Mal reinziehen.

Kennt ihr den Film auch? Falls ja: Erging es euch beim ersten Ansehen auch so, dass sich der Film gefühlt „ewig“ hinzog? Oder bin ich hier der einzige Kostverächter?

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9 Gedanken zu „Gesehen: „Unheimliche Begegnung der dritten Art“

  1. Ich hab den Film damals al ca. Elfjähriger im Kino gesehen – ist schon fast 40 Jahre her, mannomann … Ungefähr zeitgleich mit KRIEG DER STERNE. Waren damals beides Erlebnisse, wie ich sie zuvor nicht hatte. Also keine Minute Langeweile – nur die ersten paar Minuten ohne Ton wegen irgendeines Defekts, daran kann ich mich noch gut erinnern. Als das große Raumschiff auf der großen Leinwand auftauchte, war das ein absoluter Gänsehautmoment.

    • solera1847 sagt:

      Ja, mittlerweile schätze ich das auch sehr. Mich hat beim jüngsten Ansehen vor allem die darstellerische Leistung von Richard Dreyfuss beeindruckt. Diese vollkommen selbstlose und ungeplante Hingabe an das Mysterium – fantastisch!

  2. Melanie sagt:

    Huhu,
    ich habe den Film erst kürzlich zum 1. Mal gesehen…und fand ihn langatmig. Vielleicht muss ich ihm mehr Chancen einräumen! 🙂

  3. Wenn man Filme aus den Siebzigern mit heutigen vergleicht, fällt in jedem Fall die gemächlichere Gangart auf, selbst Actionfilme wirken „gemächlicher“. Es gibt längere Szenen, weniger Schnitte und selten rasche Schnittfolgen. Das mag dazu beitragen, dass sie langatmig wirken. Das ist mir auch schon beispielsweise bei DER PATE, FRENCH CONNECTION oder SERPICO aufgefallen, oder bei DIE TIEFE (der mich mit seinem Setting und den Unterwasserszenen damals absolut fasziniert hat), bei dem ich kürzlich aber auch mal eingeschlafen bin.

    • solera1847 sagt:

      Wobei zum Beispiel der Pate vom langsamen Tempo absolut profitiert, denn dadurch hat die Stimmung so richtig Zeit, sich ins Bewusstsein zu senken.

      Das Einschlafen bei Filmen ist für mich meist ein Qualitätskriterium, denn so etwas gelingt mir nur, wenn ich mich beim Ansehen entsprechend entspannen kann. Bei einem schlechten Film schlafe ich aus Protest ein, bei einem guten aus Genuss… 😉

  4. Zeilenende sagt:

    Ich bin mir ziemlich sicher, ihn mal gesehen zu haben … Aber die Erinnerung ist komplett weg. o.O Ist das dieses Altern? Jedenfalls werde ich ihn bei Gelegenheit erneut sehen müssen, allein schon um mitreden zu können.

  5. […] Genusses beim Ansehen von Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (siehe hier) kam mir sofort die Assoziation eines kurz vor der Landung stehenden Alien-Raumschiffs. Aber […]

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