52 Wochen – Teil 14 („Kinners, lest mehr Bücher!“)

Seit nunmehr 14 Wochen veranstaltet der gute Zeilenende seine spektakuläre Selfie-/Porträt-Aktion „52 Wochen“ (hier alle seine Beiträge dazu, hier meine). Nun ist es wieder Sonntag, noch dazu der letzte Ferientag hier in Baden-Württemberg (ich möchte ja gerade auf keiner Autobahn unterwegs sein), da zwingen mich die äußeren Umstände, noch einige Korrekturarbeiten zu verrichten.

Und beim Korrigieren kommt mir spätestens bei jeder zweiten Arbeit ein Gedanke in den Sinn, der da lautet: „Kinners, lest mehr Bücher!“ Zumindest suggeriert die zum Teil äußerst mangelhafte Rechtschreibung und die ebenfalls nicht gerade optimale Ausdrucksfähigkeit vieler Jung-Gymnasiasten, dass sicher nicht zu viele Bücher von unserem wichtigsten nachwachsenden Rohstoff gelesen werden.

Kommen wir zum Selfie des heutigen Tages: Mein Gesicht, wenn ich mal wieder über eine einer Glanzstunde der deutschen Sprache diametral gegenüberliegende Passage in einer Klassenarbeit stolpere.

Kinners, lest mehr Bücher!

Da wünsche ich mir doch immer wieder: Kinners, lest mehr Bücher!

Ein paar Beispiele der letzten Tage liefere ich gleich mit, damit niemand den Vorwurf erheben kann, ich würde das einfach so daher erfinden…

Eigentlich ging es ja um Mozart, der 1756 in Salzburg geboren wurde...

Einnerlich ging es ja um Mozart, der 1756 in Salzburg geboren wurde…

Als Trompeter gehöre ich ja auch zu den Blechbläsern...

Als Trompeter gehöre ich ja auch zu den Blechbläsern…

Die ein-ziege möglichkeint...

…die ein-ziege möglichkeint…

Ohne Worte...

Ohne Worte. Leider kein untypisches Bild.

Und es gäbe ja wirklich noch etliche solcher Stilblüten. In jeder einzelnen Klassenarbeit finde ich solche Stellen.

Daher: „Kinners, lest mehr Bücher!“ Ganz abgesehen vom hohen Unterhaltungswert vieler Bücher (was man liest, ist ja nun jedem selbst überlassen) lernt man ganz ohne Zusatzaufwand eine halbwegs korrekte Rechtschreibung und Satzstruktur. Eine Win-Win-Situation, wenn ich an die positiven Langzeitwirkungen denke, kann ich sogar von einer Win-Win-Win-Situation sprechen.

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29 Gedanken zu „52 Wochen – Teil 14 („Kinners, lest mehr Bücher!“)

  1. jnbender sagt:

    Sehr amüsant 😂

    • solera1847 sagt:

      Leider ja nur zum Teil, denn wenn diese Generation groß wird und sich nichts an Rechtschreibung und Semantik ändert, sehe ich ganz schlimmen Zeiten für die Sprache entgegen.

      Klar, es gibt immer noch einige, die von früher Kindheit an lesen und sich dann auch entsprechend ausdrücken können – hier und da gibt es aber auch ein paar dramatische Totalausfälle… Wenn LOL und ROFL schon der Gipfel der Kommunikationsfähigkeit sind, darf ein Deutschlehrer in der Oberstufe keine differenzierte Darstellung von Beziehungsebenen in einem längeren literarischen Werk mehr erwarten.

      Ich möchte da auch nicht missverstanden werden, denn Menschen, die so gut wie nichts lesen, gab es ja schon immer, aber halt fast nie am Gymnasium. Und mittlerweile machen auch diese Schüler nach ein paar Jahren ein Abitur – können sich schriftlich aber nur rudimentär ausdrücken. Und diese Verschiebung in den Fähigkeiten finde ich beängstigend, denn die Generation wird uns später einmal pflegen/betreuen etc. Schauder

      • jnbender sagt:

        Stimmt schon.
        Ich bin in der 10. (Gymnasium), und wir „wundern“ uns auch schon hin und wieder über die Fünft-/Sechstklässler (v.a.). Bei uns gab’s in der Mittelstufe eine ziemlich große Veränderung was die Sprache (oder vielleicht auch die Interesse an Sprache und sogar Literatur usw.) angeht…

      • Flowermaid sagt:

        … mit dem Gesichtsausdruck pflegt dich keiner von denen… 😉

      • solera1847 sagt:

        Verdammt! Meine Zukunft geht dahin!

        Nein, ich werde einfach kein Pflegefall. Ich lebe völlig beschwerdefrei bis ins hohe Alter, dann falle ich von einer Sekunde auf die andere tot um. Das wäre doch mal was.

      • Flowermaid sagt:

        … mein Wahlvater hat das gemacht letzte Weihnachten… was mich betrifft hast du heute keinen guten lauf… 😉

      • solera1847 sagt:

        Aaaaaaahhhhh! So war es ja nun nicht gemeint. Asche auf mein Haupt!

      • Flowermaid sagt:

        … konntest du doch nicht wissen, aber es war hart…

      • solera1847 sagt:

        Na ja, nun kommt der Trampel vom Dienst Solera daher und muss die alten Wunden wieder aufreißen. Bäh-bäh!

      • Flowermaid sagt:

        … isch fands ja auch lustig… gibt halt immer zwei Seiten der Medallie 😉

  2. Zeilenende sagt:

    ABER! Beispiel Nr. 3 ist auf einem guten Weg und hat erkannt, dass es nur mit guter Rechtschreibung berüHmt werden kann. Vorbildlich. Aber das Deprimierende ist ja: In mancher Oberstufenarbeit sieht es nicht besser aus. Ich habe im Laufe der Jahre einige Facharbeiten zwecks Gedankenaustausch zu lesen bekommen, da konnte ich verstehen, dass die Rechtschreibkorrektur in den Ausstand getreten ist. 😉
    Enttäuschend finde ich aber, dass du allen Damen und Herren, die es noch nicht wissen, die letzten Illusionen raubst, noch zu haben zu sein. 😉

  3. Es Marinsche kocht sagt:

    Das geht nicht nur jungen Leuten so…..so manches Mal bin ich versucht ein Buch zu schreiben über missratene Kommunikation auf Facebook….unglaublich was einem da an Ausdruck- und Rechtschreibfehlern begegnet….oder neuerlich auch voran getrieben durch die Rechtschreibprogramme der Smartphones….das wiederum ist dann auch noch lustig….wenn es nicht so ernst wäre….lesen die Leut denn nicht Korrektur , bevor sie auf’s Knöpsche drücken……hm….

    Gelungenes, aussagekräftiges Selfie, Solera! 🙂

  4. Flowermaid sagt:

    … meine Schulzeit lang waren Bücher mein Gemüse und trotzdem hat meine Rechtschreibung meinen Deutschlehrer in der Abiturarbeit in die Knie gezwungen… Legasthenie kennt kein erbarmen 😉

    • solera1847 sagt:

      Echte Legasthenie nicht, aber dieses ‚‚Nie mit einem Buch in Berührung kommen, es sei denn, man wird dazu gezwungen“ ist eher die Problematik. Die Eltern leben es zum Teil halt schon einmal gar nicht vor, wie schön Lesen sein kann. Wer permanent nur den Fernseher anmacht, vermittelt das nicht an die Nachwachsenden.

      • Flowermaid sagt:

        … das Problem ist mir bekannt, aber meine Tochter trifft es gerade ähnlich blöd, haarscharf an der Legasthenieschublade vorbeigeschrabt und offiziell voll Rechtschreibschuldfähig…

      • solera1847 sagt:

        Autsch! Die Arme! Kann man da nicht trotzdem Unterstützung angedeihen lassen? Meistens sind die Beratungslehrer an den Schulen im Besitz der passenden Informationen.

      • Flowermaid sagt:

        … die kannst du komplett vergessen, wenn du nicht in einer offiziellen Schublade landest… hinter uns liegen zwei Jahre privatfinanziertes Dudeninstitut… wenn sie unter Stress steht nützt ihr die Erkenntnis in die deutsche Sprache immer noch nichts… 🤓

      • solera1847 sagt:

        So ein Mist! Ich fühle mit euch!

  5. ananda75 sagt:

    Oh Gott

    noch viel schlimmer – im RADIO!!! hört man manchmal Sachen… ich schreib ja für Spaß wie ich will, auch gerne meinen Ruhrpott-Slang 🙂 aber ich weiß, wie es geht und das ist nicht nur eine Sache von Regeln und Grammatik – das FÜHLT man doch – ööööh… dachte ich immer…. sollte man fühlen – und wenn schon im Radio falsches Deutsch gesprochen wird – von dem, was man (nicht privat) im Internet liest ganz zu schweigen…

    Lasst uns doch direkt alle Englisch sprechen – das ist doch ne gute Altenative, Englisch ist eine sehr einfache Sprache, vielleicht kriegen „wir“ das besser hin 😆

    Nee, nicht wirklich lustig, aber wann kam das Buch raus mit dem Dativ und dem Genetiv sein Tod?
    Ich fürchte, der Zug ist abgefahren und wenn die Schüler zu schlechte Noten kriegen, dann liegt das an den Lehrern, hab ich mir von einer Lehrerin sagen lassen…
    Da wird man dann wohl die Regeln vereinfachen müssen…

    Mitfühlende Grüße – Ich erkenne alle Lehrer der heutigen Zeit als Helden an – Ich könnt den Job nicht machen – nicht nur der Rechtschreibung wegen …

    • solera1847 sagt:

      Zum Glück bin ich ja nur ein Musiklehrer, aber als Deutschlehrer würde ich vermutlich einfach sterben. Jeden Tag ein bisschen mehr.

      • ananda75 sagt:

        Rette dein Leben, nimm’s mit Humor

        Mozart war eine Ziege – Das erheitert meinen Nachmittag 😆

        Ich (Jahrgang 1964) verzweifel auch an der Allgemein-Bildung junger Menschen

        Los Angeles liegt in Russland ist ja kein Einzelfall

        Willy Brandt?????? nö…. hab ich noch nicht gehört den Namen
        Da weiß ich nicht ob lachen oder weinen….

    • solera1847 sagt:

      Ach ja, und das mit dem ständigen Vereinfachen der Regeln greift ja ohnehin um sich. Hier in der Gegend gibt es eine – wohlbemerkt Gemeinschafts- – Schule, in der die Stunden schon auf 30 Minuten verkürzt wurden, weil die Schüler sich so lange gar nicht mehr konzentrieren können.

      [Zynismus pur an]
      Wenn das so weiter geht, verlangen die Eltern irgendwann eine 1 dafür, dass das Kind sich morgens noch selbst auf den Weg in die Schule gemacht hat – und tatsächlich auch noch angekommen ist. Dass es dort dann unter der Bank fünf Zeitstunden mit dem Smartphone gezockt und gefacebookt hat, interessiert die Eltern ja nicht mehr.
      [Zynismus pur wieder aus]

      Ganz so schlimm wird es hoffentlich nicht werden. Ich persönlich warte noch auf einen großen Umschwung, wenn nach und nach mehr Leuten auf der politischen Entscheidungsebene klar wird, dass mit dem ständigen Absenken der Anforderungen eben keinerlei Qualitätssteigerung herbeigeführt wird. Nur das Ausmaß der Augenwischerei wird erhöht. Und genau dieses geht nur bis zu einem gewissen Grad. Wenn der Automechaniker das Auto irgendwann nicht mehr zum Laufen bringt, wechselt man halt die Werkstatt…

      • ananda75 sagt:

        Ich glaube – in allen Lebens-Bereichen – an die not-wendige Wandlung des Bewusstseins – bis die kritische Masse erreicht ist und das globale Erwachen einsetzt – oder der liebe Gott die Nase voll hat und uns doch noch einen Kometen auf den Kopf schmeißt 😉

        na ja… Selbst-Zerstörungs-Methoden haben wir ja genug zur Auswahl

        Bis dahin oder dorthin bleibe ich Optimist 🙂

  6. O M G! Ich sag ja, im Deutschen sieht’s auch nicht viel besser aus… „Pfirsten“ für „Fürsten“: Da muss man dann auch erstmal drauf kommen! 😀

    Sehr erheiternd übrigens Mozarts Herkunft! 😆

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