Der LSD-Lauf

Nein, nicht was ihr wieder denkt. Ich beziehe mich mit dem Titel auf den Leitspruch des Chi Running-Konzepts, das bereits vor etlichen Jahren von Danny Dreyer entwickelt wurde. Das Akronym LSD steht dabei für „Long Slow Distance“ – und genau so bin ich heute an meinen Lauf herangegangen: Ein langer Lauf (mehr als zweieinhalb Stunden) mit geringem Tempo (über 6 Minuten/Kilometer) über eine lange Distanz (25,22 Kilometer, danach noch etwa 1,7 Kilometer gehend nach Hause, mehr dazu später).

Start in den Tag

Ganz ohne Wecker bin ich gegen 5:00 h aufgewacht, als der Wecker sich dann um 5:15 h gemeldet hat, kroch ich schnell aus dem Bett und machte mich an den Rest einer Korrektur, die einfach fertig werden musste.

Um 7:00 h war die Arbeit erledigt, meine Frau hatte in der Zwischenzeit ihren Lauf abgehakt und wandte sich dem weiteren Frühsport zu. Draußen regnete es für zehn oder fünfzehn Minuten. Eigentlich wollte ich da noch in den Keller auf mein treues Laufband gehen… Doch dann las ich ein Stück des ersten Kapitels von Haruki Murakamis „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ – und spontan überkam mich die Lust, in die frühsommerliche Schwüle aufzubrechen.

Haruki Murakami: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede
Inspirierende Kost – Haruki Murakami: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede

Binnen weniger Minuten hatte ich mich fertig gemacht und brach ganz LSD-mäßig auf. Durch den kurz zuvor gefallenen Regen war es in der Tat zeitweise etwas schwül, aber bereits der erste Landschaftsblick (ca. 250 Meter nach dem Ortsrand) entschädigte für das eine oder andere zusätzlich vergossene Schweißtröpfchen:

Nur wenige hundert Meter von meiner Haustür entfernt liegt dieser prachtvolle Anblick
Nur wenige hundert Meter von meiner Haustür entfernt liegt dieser prachtvolle Anblick

Hierhin, dorthin – wohin?

Meine genaue Route hatte ich vor dem Loslaufen nicht festgelegt, wodurch dann im späteren Verlauf auch hin und wieder recht spontane Entscheidungen fällig wurden, immer in Abhängigkeit von der Existenz oder Auffindbarkeit von Wegweisern. Zuerst wollte ich nur meine reguläre Halbmarathon-Strecke laufen, was schon schön gewesen wäre, doch dann beschloss ich, eine alternative Route auszuprobieren – und die war toll! Also folgte ich dem Weg, und folgte ihm, und folgte ihm… Irgendwann stand ich dann fast oberhalb der Autobahn (A7), und da fasste ich den Entschluss, einfach noch das vermeintlich kleine Stück bis zur Kapfenburg noch anzuhängen.

Doch der Weg bis zur Burg zog sich gefühlt dann noch ganz schön hin. Im Verlauf musste ich die Autobahn überqueren:

Schnell rüber auf die andere Seite!
Schnell rüber auf die andere Seite!

Doch dann, nach fast 16 Kilometern, durfte ich den ersten Blick auf die Kapfenburg werfen, diese Aussicht entschädigte für einige der vorher gefressenen Höhenmeter:

Ein zauberhafter Blick auf die Kapfenburg
Ein zauberhafter Blick auf die Kapfenburg!

Da konnte ich aber noch nicht stehen bleiben, wenn ich schon so nah dran war, dann wollte ich auch bis zur Burg hin. Doch ganz offensichtlich ist da heute eine größere Veranstaltung, denn ich kam schon schier nicht mehr durch:

Die Kapfenburg im Vorbereitungstaumel...
Da stehe ich nun inmitten des Vorbereitungstaumels…

Knie zickt – aber nur abwärts!

Auf dem Rückweg wählte ich natürlich eine andere Route, um der sonst sicher aufkeimenden Langeweile entgegenzuwirken. Ab hier machte mir das rechte Knie bei jedem absteigenden Meter zu schaffen. Ganz am Ende sollte das meinen Lauf um mindestens anderthalb Kilometer verkürzen.

Dafür gab es auch lustige Momente: In Arlesberg, einer kleinen Anzahl von Kuhstallungen und Bauernhöfen, steht – fast schon in bester schwäbischer Tradition – zwar kein ausgewachsener Blitzer, dafür aber eine digitale Geschwindigkeitsanzeige, die den Autofahrern in diesem verkehrsberuhigten Gebiet verdeutlichen soll, wie viel zu schnell sie vermutlich gerade fahren.

Ich erntete hier ein lachendes grünes Gesicht...
Ich will ja nicht prahlen, aber mir schenkte die Anzeige ein lachendes grünes Gesicht (vielleicht lachte es ja auch ÜBER mich)…

Auch wenn meine Kamera nicht schnell genug gezückt war, so kann ich voller Stolz berichten, mit angeblichen 16 km/h (das war mit absoluter Sicherheit nicht mein Tempo in dem Moment, das lag wohl eher bei 10 km/h) garantiert keine Gefährdung der Straßenverkehrssicherheit dargestellt zu haben.

Ein paar Minuten später verursachte ich – völlig unabsichtlich – eine kleine Stampede auf einer Kuhweide: Während ich äußerst langsam und vorsichtig (es ging gerade bergab) meines Weges kam, beobachteten mich drei Kühe am Rande einer Weide mit zunehmend panischem Gesichtsausdruck. Auf dem iPhone lief gerade ein Stück von DIO, daran kann es also nicht gelegen haben, aber plötzlich rannten alle drei Kühe wie besessen vor mir davon. Das griff um sich, bis am Ende mindestens fünf oder sechs Kühe ans gegenüber liegende Ende der Weide flüchteten.

Vorher standen die Kühe noch direkt am Zaun...
Vorher standen die Kühe noch direkt am Zaun

Ich war zu perplex, um sofort mit der Kamera draufzuhalten, aber immerhin sieht man auf dem Bild, dass die Herde deutlichen Abstand zum unheimlichen Solera hält…

Schockmoment kurz vor Schluss

Zum Glück für mich ging es am Ende meines Laufs mindestens einen Kilometer am Stück nur bergauf. Normalerweise bin ich ja kein Fan von langen Anstiegen, aber meinem Knie tat das richtig gut. Kaum war ich ganz oben, beendete ich den Lauf und begab mich gehend nach Hause (ca. 1,5-1,7 Kilometer nur bergab).

Und da passierte es: Auf dem Weg lag eine Blindschleiche. Ein völlig harmloses, eigentlich sogar hübsches Tier. Doch wer mich etwas besser kennt, weiß von meiner Schlangen-Phobie. Im Zoo kann ich Schlangen hinter Glas stundenlang fasziniert betrachten, in freier Wildbahn überspringt mein Puls locker die 200er-Marke, wenn ich ein solches Tier (selbst in totem Zustand) irgendwo erblicke.

Schockmoment pur – eine Blindschleiche auf dem Weg!
Schockmoment pur – eine Blindschleiche auf dem Weg!

Immerhin war das Tier von mir wohl auch völlig verunsichert worden, denn es verfiel in eine Art Schockstarre und bewegte sich selbst dann nicht, als ich nach einem entsetzten Sprung mein iPhone zückte, um das Foto zu knipsen. Näher hätte ich mich aber nicht herangetraut.

Lobeshymne

Nach Beendigung des Laufs überschüttete mich die RunKeeper-App mit Lob, das ich hier in prahlerischer Weise zur Schau stellen muss.

Lob aus der RunKeeper-App
Lob aus der RunKeeper-App

Immerhin fängt übermorgen die Schule wieder an, dann kommen die vermutlich anstrengendsten neuneinhalb Wochen des Schuljahres… In der Zeit wird es sicher nur eingeschränkte Möglichkeiten geben, einen solchen Lauf durchzuziehen.

4 Gedanken zu “Der LSD-Lauf

  1. Zeilenende 28. Mai 2016 / 14:12

    Und wenn jetzt der Milchpreis steigt, weil die verfügbare Ware abnimmt, bist du auch noch der Held der Milchbauern. Außer des einem, dem die Milch im Euter seiner Kühe sauer wurde. 😉 Trotzdem Respekt … Und in der Tat ganz hübsch. Wenn man sich durch das Wetter nicht bewegen muss, sieht es schön aus. 🙂

    • solera1847 28. Mai 2016 / 14:13

      Hammerwettersachichdir! 👍🏻💪🏻🖖🏻

      Und jetzt: 🍮🍩🍰🍪🍹🍸🍧

      • Zeilenende 28. Mai 2016 / 14:15

        Mir ist zu warm. Mir hat Staubsaugen schon gereicht. So viel schwitze ich normalerweise in einer Woche nicht, wie in den 30 Minuten.

  2. Christian Weis 28. Mai 2016 / 16:47

    Also, bei dem Titel hab ich jetzt kurz gedacht … Aber nein, Solera war brav. 😀

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