San Francisco: Coit Tower

Viel zu lange habe ich nichts mehr über meine Geburtsstadt San Francisco geschrieben. Einige Absätze des heutigen Artikels liegen schon seit Monaten in meinem Entwürfe-Ordner herum, doch es kostet Zeit, sich dieses Themas mit dem gebotenen Ernst und der notwendigen Muse zu widmen. Daher wollte ich keinen Schnellschuss aus der Hüfte loslassen, nur um den Artikel fertig zu bekommen.

Der Coit Tower aus der Luft (Quelle: Apple Maps)

Der Coit Tower aus der Luft (Quelle: Apple Maps)

Mit dem Coit Tower treffen wir heute ein weiteres Highlight San Franciscos, das mir diese Stadt so sehr ans Herz hat wachsen lassen. Im Coit Tower vereinigen sich gleich mehrere kulturell interessante Aspekte, die natürlich auch touristisch ausgeschlachtet werden, doch in diesem Fall ist es gut so, denn sonst hätte am Ende kaum jemand Zugang zu dieser Attraktion.

An manchen Tagen kann es da ziemlich bedrängt zugehen, wir hatten damals (2003) riesiges Glück, denn trotz sonnigen Wetters und milder sommerlicher Temperaturen waren höchsten eine Handvoll Leute zeitgleich mit uns anwesend, was einige ungestörte Fotos ermöglichte.

Geschichte:

Erbaut wurde der Coit Tower im Jahr 1933, verantwortlich für den Bau waren Arthur Brown Jr. und Henry Howard. Der Name des Turms geht auf eine ganz interessante Geschichte zurück:

Lillie Hitchcock Coit, ein Kind aus sehr wohlhabenden Verhältnissen, half den Feuerwehrmännern bei einem Brand in der Nähe des Telegraph Hill, woraufhin sie zu einem Maskottchen der Freiwilligen Feuerwehr San Franciscos wurde. 1929 starb sie und hinterließ der Stadt 100.000 (andere Quellen sprechen von 125.000) Dollar für die Verschönerung der Stadt. Die Summe klingt vermutlich nach heutigen Verhältnissen nicht besonders opulent, zumindest wenn man bedenkt, was allein die Großbaustelle des BER täglich an Geld verschlingt, für damalige Verhältnisse war es aber ein „riesiger Batzen“.

Auf jeden Fall wurde der 64 Meter hohe Aussichtsturm errichtet, der bis heute fantastische Ausblicke auf einen Großteil der Stadt und der Bucht ermöglicht. Davon konnten wir uns persönlich überzeugen. Und davon gibt’s natürlich gleich einiges zu sehen…

Wer nun ein wenig auf den Geschmack gekommen ist, findet weitere Informationen zum Coit Tower hier und hier.

Architektur:

Der Coit Tower soll zwar offiziell nicht so aussehen wie eine aus dem Boden ragende Feuerwehrspritze, zumindest beabsichtigten die Architekten dies nicht. Wenn man ihn sich allerdings ansieht, fällt eine gewisse Ähnlichkeit dennoch ins Auge.

Der Coit Tower – ein bisschen kann man hier schon die stilisierte Spritze eines Feuerwehrschlauchs erkennen...

Der Coit Tower – ein bisschen kann man hier (zumindest meiner Meinung nach) schon die stilisierte Spitze einer Feuerwehrspritze erkennen.

Zumindest geht es mir so. Aber wer es anders sieht, darf mir gerne einen Kommentar schreiben. Gerade visuelle Analogien sind ja ein Gebiet, in dem sich schier unendliche Diskussionen führen lassen.

Aussicht:

Die Aussicht von der Spitze des Coit Tower ist schlicht sensationell. Aus den fast schon unzähligen Bildern habe ich nur eine sehr kleine Auswahl zusammengestellt, die als kleiner Appetizer angesehen werden können, doch einmal einen Trip nach San Francisco zu unternehmen.

Hier ein Ausblick auf die Lombard Street, außerdem sieht man am hinteren rechten Eck noch die Auffahrt auf die Golden Gate Bridge.

Ausblick auf die Lombard Street, außerdem sieht man am hinteren rechten Eck noch die Auffahrt auf die Golden Gate Bridge.

Hier der wundervolle Ausblick direkt auf die Golden Gate Bridge.

Die vermutlich bekannteste Attraktion der City by the Bay: Die Golden Gate Bridge.

Hier der Blick in Richtung der Innenstadt, zentral ist die Needle zu sehen.

Blick in Richtung der Innenstadt, im Zentrum ist die sog. Needle zu sehen.

Und zuletzt noch ein Blick in den himmlischen Sommerhimmel im August 2003...

Zuletzt noch ein Blick in den himmlischen Sommerhimmel im August 2003.

Kunst im Innern:

Beim ersten Besuch wird man fast überwältigt von den atemberaubend schön bemalten Innenwänden im Erdgeschoss. Die Wandmaler ließen sich von Diego Riveras sozialkritischer Malerei inspirieren und bauten zahlreiche „linke“ Elemente in die Wandgemälde ein.

Die Wandgemälde zeigen überwiegend die hart arbeitende Bevölkerung der USA (und diese in einem nicht geringen Ausmaß mit deutlich erkennbarem Migrationshintergrund).

Die Wandgemälde zeigen überwiegend die hart arbeitende Bevölkerung der USA (und diese in einem nicht geringen Ausmaß mit deutlich erkennbarem Migrationshintergrund).

Mensch und Maschine in einem nicht enden wollenden Arbeitsprozess

Mensch und Maschine in einem nicht enden wollenden Arbeitsprozess…

Fleiß und körperlicher Einsatz als durchgehende Motive

Fleiß und harter körperlicher Einsatz sind die durchgehenden Motive.

Sogar die echten Fenster wurden perfekt in die Wandgemälde integriert.

Sogar die echten Fenster wurden perfekt in die Wandgemälde integriert.

Und manchmal schlüpft eine wunderhübsche Frau ins Bild, die durch ihre Schönheit den Coit Tower ganz unerwartet zum Leuchten bringt.

Und manchmal schlüpft eine wunderhübsche Frau ins Bild, die durch ihre Schönheit den Coit Tower noch mehr zum Leuchten bringt…

Fazit:

Der Coit Tower gehört zu den von außen eher unscheinbaren, in seiner Gesamtwirkung aber immens bedeutsamen Attraktionen San Franciscos. Wenn ich mal wieder in der Stadt sein sollte, muss ich die drei Dollar für den Aufzug auf jeden Fall investieren – der Ausblick ist es wert!

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20 Gedanken zu „San Francisco: Coit Tower

  1. Es Marinsche kocht sagt:

    Kaum zu glauben, wenn man ihn von außen sieht, das sich da so eine wundervolle Malerei befindet…..ganz großes Kino!

  2. Hey, Frechdachs!
    Und – oh Gott, da war ich ja noch soooooo jung!

  3. Aaach ja … in Nostalgie schwelg – lang ists her …

    • solera1847 sagt:

      Ja. Leider. Bei mir sind’s ja auch fast schon wieder 13 Jahre. Könnt sofort in den Flieger steigen und hinfliegen.

      • ’95 und ’98, also fast 18 Jahre …

      • solera1847 sagt:

        Hui. So lange schon. Aber diese Stadt bleibt einfach im Gedächtnis hängen. Ich weiß noch genau, wie wir damals zu Fuß über die Golden Gate Bridge gelaufen und dann noch auf den Hügel am drüberen Ende geklettert sind, um schöne Fotos zu machen. Dann wieder zurück und noch ein paar Kilometer weiter am Strand und Ufer entlang. Am Ende des Tages maulten die Füße ganz schön, aber es war schlicht und einfach ein unschlagbares Gefühl.

      • Den Fotomarsch hab ich auch hinter mir. 😀
        Leider war beim zweiten Mal das Wetter nicht ganz so schön wie beim sonnigen ersten Besuch. Auf der Fahrt nach Alcatraz hats gezogen wie Hechtsuppe, und ich hatte nur T-Shirt und dünne Jeansjacke an – war zu optimistisch gewesen, im Nachhinein. Schön wars trotzdem. Auch die Cable Cars und überhaupt alles.

      • solera1847 sagt:

        O ja. Und gerade weil es so zog, hab ich mir bei der Bucht-Rundfahrt auf dem Boot natürlich weder das Gesicht noch den Nacken eingecremt, wodurch ich auf der Mehrzahl der Fotos von dieser Hochzeitsreise einen leicht roten Anstrich habe… 😦

        Alcatraz wird ohnehin massiv überschätzt. Hätte man nicht schon so viele Filme gesehen, in denen das vorkommt und gut in Szene gesetzt wird, wäre es noch viel langweiliger dort.

        Aber die Fahrten mit den Cable Cars waren natürlich himmlisch, auch das Stöbern in den Buchläden (davon konnte ich natürlich nicht genug bekommen) sowie der Besuch im MOMA und und und… Hach, ich komme aus dem Schwärmen einfach nicht heraus.

      • Ach, ich fand den Zellenblock schon irgendwie interessant und beeindruckend. War vorher noch nie im Knast. 😀

      • solera1847 sagt:

        Ich auch nicht, und das Bedürfnis nach einem Aufenthalt dort ist insgesamt sehr gering. Nur ganz selten, wenn die Kinder mal wieder der Meinung sind, permanent brüllend um mich herumhüpfen zu müssen, wünsche ich mir einen ruhigen Ort. Aber das Verzichten auf die ganzen Annehmlichkeiten der Freiheiten lassen mich eher das Kindergeschrei ertragen als den Knast vorziehen.

  4. Zeilenende sagt:

    Interessant, vom Stil her ist das ja fast schon sozialistischer Realismus und das mitten im land of the free kicher Das gefällt mir. Ich würde mir wahrscheinlich die Bilder angucken, auf den grandiosen Ausblick auf die Stadt aber verzichten. Offener Aussichtsturm. schauder

    • solera1847 sagt:

      Sieht nur offen aus. Vor allen Ausguck-Fenstern sind dicke Scheiben (vermutlich aus einem bruchsicheren Kunststoff). Nur ganz nach oben ist alles offen. Bei Regenwetter kann man dort sicher schön duschen.

      Doch auf diese Aussicht solltest du unter keinen Umständen verzichten. Die Bilder können nur einen ganz müden Abklatsch davon zeigen, wie genial die Aussicht ist.

      • Zeilenende sagt:

        Mit Scheiben davor könnte man darüber reden … Jetzt müssten die USA für mich nur noch ein interessantes Reiseziel werden. … Obwohl ich letztlich so neugierig bin, dass sich das irgendwann tatsächlich mal ergeben wird.

      • solera1847 sagt:

        Es gibt so viele Orte in den USA, die mich nicht eine Sekunde interessieren, San Francisco dagegen könnte ich mir immer wieder ansehen. Hach!

      • Zeilenende sagt:

        Das ist halt die besondere Bindung … Obwohl das auch sonst so geht. Ich kenne viele Städte in Norddeutschland, aber nachhaltig beeindruckt haben mich nur Lübeck und Hamburg, in die es mich immer mal wieder zieht.

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