Gelesen: „Drei“ von Stephen King

Stephen King: Drei

Spannung auf höchstem Niveau: Drei von Stephen King

Vor ein paar Wochen hat der gute Zeilenende mal wieder eine Aktion zwar nicht selbst ausgerufen, wohl aber so verbreitet, dass sie mir zu Ohren kam – und derer ich mich nicht erwehren konnte: Sechs Bücher für 2016. Eigentlich handelt es sich um nichts anderes als einen metaphorischen Tritt in den eigenen Hintern, den SuB (=Stapel ungelesener Bücher) systematisch zu verkleinern.

Zum Glück konnte ich das erste der von mir ausgewählten sechs Bücher bereits nach etwa zwei Wochen als erledigt abhaken und mich – unvernünftigerweise – gleich seinem Nachfolger (der aber leider nicht in meiner Liste der sechs Bücher für 2016 stand) widmen… Hach! Es ist halt so spannend gewesen. Und damit bin ich auch schon beim gelesenen Buch: „Drei“, dem zweiten Band des insgesamt achtbändigen „Dunklen-Turm-Zyklus“ von Stephen King.

Vorgänger-Band („Schwarz“)

Der erste Band des Zyklus („Schwarz“) musste als Einführung einfach sein, ohne ihn bekäme man keine ausreichende Einführung. Er weist hier und da ein paar kleine Längen auf, die aber fast schon zwingend notwendig sind, um den Leser in die ganz eigene Welt des Revolvermannes Roland Deschain und seiner Suche nach dem ominösen „dunklen Turm“ einzuführen. Beim Lesen tat ich mir damals zuerst etwas schwer, was aber auch daran lag, dass ich da parallel in vier oder fünf Büchern sowie zwei zusätzlichen Hörbüchern steckte. Als ich den Roman ausgelesen hatte, besorgte ich mir das Hörbuch, das ich inzwischen dreimal durchgehört habe. Nach dieser mehrfachen Wiederholung gefällt mir die Geschichte deutlich besser. Vor allem konnten sich durch den wiederholten Genuss einige Detail-Lücken schließen. Sehr schön.

Inhalt („Drei“)

Der zweite Band schließt nahtlos (nur wenige Stunden nach dem Ende des ersten) an und setzt die Geschichte höchst spannend fort. Roland, der am Ende des ersten Bandes erschöpft am Rande des Westlichen Meeres eingeschlafen war, erwacht am Strand, als die durch die Gezeiten verschobene Flut-Linie dafür sorgt, dass er ein unfreiwilliges Bad im Salzwasser nimmt. Ein einem Hummer ähnliches Wesen entsteigt dem Meer und verletzt Roland mit seinen scharfen Scheren: Er verliert die zwei ersten Finger der rechten Hand sowie seinen großen Zeh an das Ungetüm, bevor er es schließlich tötet. In den folgenden Tagen breitet sich eine Infektion in seinem Körper aus. Im Delirium und weitgehend entkräftet torkelt Roland den Strand entlang, bis er an eine eigenartige Tür stößt, die ohne Rahmen und erkennbare Haltevorrichtung am Strand steht. Er öffnet sie und blickt von hinten durch die Augen von Eddie Dean.

Eddie ist ein selbst vom Heroin abhängiger Drogenkurier, der gerade per Flugzeug aus Mittel-/Südamerika zurückkehrt, um seine unter den Achseln per Klebeband fixierte Lieferung Kokain in seine Heimatstadt New York einzuschmuggeln. Roland sieht sich in Eddies Geist um, versteht allmählich die Lage und beginnt in zunehmendem Maß, Einfluss auf Eddies Handlungen auszuüben. Per Experiment findet er heraus, dass er Gegenstände in Eddies Welt mit Eddies Händen ergreifen und in seine eigene Welt transportieren kann, wenn er sich (mit den Gegenständen in der Hand) in Eddie umdreht und aus der Tür heraustritt.

Dieser Trick versetzt ihn in die Lage, Eddie durch die Zollkontrolle am JFK-Flughafen zu bekommen, ohne dass Drogen bei ihm am Körper gefunden werden (die liegen zu dem Zeitpunkt am Strand des Westlichen Meeres neben der Tür). Der Drogenboss Balazar hat allerdings in der Zwischenzeit Eddies Bruder als Geisel genommen, um Eddie so zur Kooperation zu zwingen. In einer gewaltigen Schießerei erledigen Roland und Eddie mit vereinten Kräften alle anwesenden Bösewichte, nehmen Medikamente für Roland, der ja immer noch an der Infektion leidet, mit und fliehen in Rolands Welt. Die Tür schlägt für immer hinter ihnen zu und fällt – nun nutzlos – auf dem Strand um.

Nach ein paar Tagen Erholungsphase für Roland (die Infektion wird jedoch zurückkehren) und Entgiftung für Eddie, der nun einen kalten Entzug durchlebt, machen sie sich wieder auf. Ein paar Kilometer weiter den Strand hinauf finden sie die nächste Tür, die Roland wieder durchschreitet. Dieses Mal landet er im Geist der schizophrenen Odetta Holmes, deren zweite Persönlichkeit auf den Namen Detta Walker hört. Der Grund für die gespaltene Persönlichkeit ist ein vor Jahren auf ihren Kopf geworfener Ziegelstein.

Odetta ist eine distinguierte, wohlerzogene und wohlhabende, Detta dagegen eine fiese, hinterhältige und äußerst brutal vorgehende Afroamerikanerin. Konträrer könnten die beiden Charaktere kaum sein. Immer wenn eine der beiden Frauen das Kommando übernimmt, tritt die andere in den Hintergrund, erwacht sie wieder, erfindet sie unbewusst eine Geschichte, die die in der Zwischenzeit erlebten Veränderungen plausibel macht. Was noch nicht genannt wurde: Jahre nach dem auf den Kopf gefallenen Ziegelstein wurden Odetta/Detta in einer U-Bahn-Station vor den einfahrenden A-Train gestoßen, der ihr knapp über den Knien beide Beine abtrennte.

Als Roland in ihrem Geist landet, befindet sich gerade Detta am Steuer – und sie stiehlt gerade billigen Modeschmuck bei Macy's. Durch sein Eindringen in ihr Bewusstsein verharrt sie mitten in der Bewegung, wodurch ihr seltsames Verhalten auffällt, der Diebstahl wird offensichtlich. Roland übernimmt die Kontrolle, eilt als Detta mit dem Rollstuhl in eine Umkleidekabine und springt mit ihr vor der Ergreifung durch die Tür, wodurch sie in seine Welt transportiert wird. Er schlägt die Tür zu, eine Rückkehr ist ausgeschlossen.

Odetta erwacht gleich nach dem Übergang und erkundigt sich auf ihre höfliche Art, wie sie an diesen seltsamen Ort gekommen sei – und wer sie selbst sei. Binnen kurzer Zeit übernimmt jedoch Detta wieder das Ruder und macht beiden Männern das Leben zur Hölle.

Mittlerweile macht sich die Infektion bei Roland wieder stark bemerkbar. Er drängt Eddie, mit ihrem „Gast“ nach der nächsten Tür zu suchen. Das gelingt auch, jedoch lässt Eddie die höfliche Odetta mit einer Waffe (zum Selbstschutz) in der Nähe der Tür zurück, holt Roland – und dieser begibt sich durch die Tür. Odetta wurde in der Zwischenzeit von Detta verdrängt, die nun – bewaffnet – auf der Lauer liegt, um sie beide nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen. Eddie hält mit der letzten verbliebenen Waffe Wache über Rolands bewusstlosen Körper, der am Strand vor der Tür zurückgeblieben ist.

Roland ist derweil im Geist von Jack Mort gelandet. Dieser ist ein Psychopath, der es sich zur Angewohnheit gemacht hat, aus einem Versteck heraus Ziegelsteine auf Passanten zu werfen oder andere Menschen vor die U-Bahn zu stoßen. Genau auf dieser Ebene besteht die Verbindung zu Odetta/Detta, denn Jack Mort hatte in der Vergangenheit sowohl den Ziegelstein geworfen als auch Odetta vor den A-Train geschubst. Auch Jake, der Junge, der Roland im ersten Buch eine Weile begleitet, wurde von Jack vor ein Auto geschubst, wodurch er in Rolands Welt gelangte.

Roland übernimmt gnadenlos die Kontrolle über Jack Morts Körper, besorgt sich Waffen und Medikamente und sorgt dafür, dass im Moment seiner Rückkehr in die eigene Welt eben der fiese Psychopath vor den A-Train fällt und zu Tode kommt. Vor der anderen Seite der Tür sieht Detta Walker das Geschehen, sie wird sich erstmals ihrer zweiten Persönlichkeit bewusst, die beiden verschmelzen zu Susannah. Eddie, Roland und Susannah begeben sich nach Rolands Genesung gemeinsam auf die Suche nach dem „Dunklen Turm“.

Fazit

Auch wenn sich meine Zusammenfassung nicht halb so gut (und selbst damit erweise ich mir noch zu viel der Ehre) liest wie das Buch, so muss ich sagen: Das Buch ist der Hammer! Es ist höchst spannend, bringt haufenweise innovative Ideen ins Spiel (der Wechsel zwischen den Welten ist derart ausgeklügelt erdacht: Hut ab!), führt die neuen Charaktere sehr gut ein und macht einfach Lust auf die weiteren Bände. Ich kann es kaum erwarten, alle übrigen Bände zu lesen.

Kennt noch jemand hier diesen Zyklus? Falls ja: Wird es noch besser?

 

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2 Gedanken zu „Gelesen: „Drei“ von Stephen King

  1. Zeilenende sagt:

    Ich habe mir erlaubt, die einzelnen Absätze der Inhaltsangabe zum zweiten Band jeweils nur anzulesen, das ist bei den Reihen ja immer eine Schwierigkeit (und bereitet mir bei der Rezension einer Serienstaffel immer ein paar graue Haare, weil ich mich in ominösen Andeutungen ergehen muss). Die Andeutungen haben aber gereicht, um die Reihe mal ernsthaft in Erwägung zu ziehen.
    Es scheint jedenfalls eine gefährliche Reihe zu sein, der Geist des Buches hat von dir Besitz ergriffen und zwingt dich dazu, die Geschichten gleich mehrfach zu konsumieren. Da sag noch mal jemand, es gäbe so etwas wie Magie gar nicht mehr. gg

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