52 Wochen – Teil 8 („Todesblick“)

Es ist Sonntag, wie immer warte ich bereits seit Stunden nur darauf, dass der gute Zeilenende endlich seinen heutigen Beitrag zu seiner eigens ins Leben gerufenen Foto-Aktion „52 Wochen“ veröffentlicht, um mir die Möglichkeit zu geben, mich anzuhängen. Immerhin macht das deutlich mehr Spaß als die parallel hier ablaufende Abitur-Korrektur.

Schüler galore

Meine Schüler sind ja nun sehr zahlreich, da ich nur Musik unterrichte, was in den Jahrgangsstufen 7, 8, 9, 10 und 11 (G9) ein einstündiges Fach ist. Um also ein volles Deputat mit 25 Stunden aufzufüllen, kommen bei mir je nach Konstellation üblicherweise 14-17 Klassen im Schuljahr zusammen. Zum Glück behalte ich auch immer einige Klassen länger als ein Jahr, sodass die Menge der neu zu lernenden Namen und Gesichter sich in Grenzen hält, doch mit dem Wechsel der Schule zum September 2012 waren es 17 neue Klassen auf einmal – da brauchte ich mehrere Monate, um mir auch nur einen ungefähren Überblick zu verschaffen (und so manches stille Mäuschen blieb mir noch viel länger nur peripher bekannt).

Rituale

Doch es geht nicht um die Menge an Schülern, vielmehr sind es die Rituale, die ich im Unterricht pflege. Ohne Rituale und feste Abläufe wäre der Schulalltag kaum zu bewältigen, daher vertraue ich mit wachsendem Alter immer mehr darauf, feste Strukturen zu schaffen, innerhalb deren ich und die Schüler gut miteinander umgehen können.

Der Todesblick

Ein Ritual, das meine Fünftklässler sehr schätzen (zumindest interpretiere ich das so), ist mein Todesblick. Angewandt wird dieser, wenn ein oder mehrere Schüler (gleich welchen Geschlechts) aktiv die Meinung vertreten, meine sonstigen Verhaltens-Regeln im Unterricht wiederholt übertreten zu müssen. Nun möchte ich nicht jedes einzelne Mal den Unterrichtsfluss völlig aufgeben, also schicke ich – meist in einem Nebensatz angekündigt – einen Todesblick in Richtung der Störenfriede. Dieser hat (zumindest behaupte ich das) die Eigenschaft, bei genügender Intensität absolut tödlich zu sein. Allerdings schicke ich immer nur die Stufen 1 bis 5 durch mein Klassenzimmer. Mehr war noch nie nötig. Die tödliche Wirkung setzt frühestens bei 135 ein. Oder so. Dennoch werde ich immer wieder – von besonders lebensmüden Schülern – gefragt, wie denn die Stufe (hier bitte einen astronomisch hohen Wert einsetzen) aussehe. Dann bekommen sie das heutige Gesicht zu sehen.

Todesblick

Achtung – nichts für schwache Nerven: Mein Todesblick!

Und, schon jemand gestorben? („Vor Lachen“ gilt übrigens nicht…). Nun, falls das obige Gesicht noch nicht gereicht hat, gibt's gleich noch eins hinterher:

Nun ist's aber wirklich genug! Wer will so viel Schönheit schon ertragen müssen?

 

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15 Gedanken zu „52 Wochen – Teil 8 („Todesblick“)

  1. Zeilenende sagt:

    Hier sind gerade spontan ein halbes Dutzend Kunden, die sich in meinem Rücken befinden, tot umgefallen. Die haben offenbar heimlich gelinst. Der Blick wirkt. Nur ich allein war unerschrocken genug, ihm stand zu halten. Ist der allmorgendliche Blick in den Spiegel – wenn ich den richtigen Schlafzimmerblick drauf habe – sehr viel grauenvoller.
    Das Ritual finde ich jedenfalls super. Ich kann verstehen, warum deine SuS das schätzen. 🙂

    • solera1847 sagt:

      SuS – das allzeit von mir gehasste Kürzel. Im Referendariat hatte ich – wohlgemerkt in Anlehnung an manche Lehrbücher – immer ‚‚S“ für einen und ‚‚SS“ für mehrere Schüler geschrieben (Genus egal), doch in der zweiten Lehrprobe – nachdem ich schon ein ganzes Jahr so verfahren war, wollte die Seminarlehrerin mir plötzlich ein Problem daraus machen. Verstehe einer diese Dame!

      Heute schreibe ich es einfach aus und fertig.

      • Zeilenende sagt:

        Huch, mir ist es tatsächlich rausgerutscht. Ich habe in meinen Seminararbeiten immer nachträglich „Schülerinnen und Schüler“ draus gemacht, weil das mehr Platz einnimmt als SuS und deshalb am Ende bestimmt ne halbe bis ganze Seite mehr gebracht hat … Das letzte Mal, dass ich aber über diese Spezies schreiben musste, ist auch schon drei Jahre her, hartnäckige Prägung. SS finde ich super, weil verdoppelter Endbuchstabe bei einer Abkürzung nun einmal den Plural anzeigt. SuS ist aber auch die Ausnahme, folgt man meinen üblichen Schreibregeln, müsste daraus Schüler*innen werden.

  2. ausgesucht sagt:

    Der Schrecken der Medusa?! 😉

  3. Arabella sagt:

    Ich bekomme Angst😂😂😂

  4. Es Marinsche kocht sagt:

    ( sich mühsam wieder von unterm Schreibtisch hochrappel )….mein lieber Scholli…..huch…..( mit dünner Stimme von schon wieder unterm Schreibtisch )….cooler Blick cooler……

  5. Also da muss ich noch üben. Aber ich kann eine formidable Spockaugenbraue, die schon für hochrote Köpfe auf der einen und schallendes Gelächter auf der anderen Seite gesorgt hat.

  6. Flowermaid sagt:

    … deine Schüler sind wirklich weichgespült, muss an der Musik liegen… 😉

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