Gehört: „Basar der bösen Träume“ von Stephen King

Stephen King: Basar der bösen Träume

Sehr zu empfehlen: Stephen King's Basar der bösen Träume

Ich bin hinsichtlich Stephen King ziemlich voreingenommen, denn ich habe ein großes Faible für den mittlerweile fast 70 Jahre alten Schriftsteller und kenne einen beträchtlichen Teil seines veröffentlichten Werks. Da ich schon so viel von ihm gelesen und gehört habe, war ich entsprechend gespannt, beinahe schon aufgeregt, als ein neues Hörbuch in iTunes auftauchte. Beim ersten Lesen der Kurzzusammenfassung wollte ich schon enttäuscht vom Kauf ablassen, denn ich schätze den „Meister“ besonders in seiner epischen Länge (wie z.B. bei „The Green Mile“, „The Stand“, „Sie“, „Es“, „In einer kleinen Stadt“, „Die Arena“, „Der Anschlag“ oder „Mr. Mercedes“) – und hier wurde mir eine Sammlung von Kurzgeschichten offeriert. Doch für knapp zehn Euro gab es mehr als 20 Stunden Hörbuch, das war dann einfach zu verlockend, das mittlerweile angeeignete Schwaben-Gen schlug zu und ich lud es herunter.

Die Sammlung

Insgesamt sind in diesem Sammelband 20 Kurzgeschichten (manche davon eher in der Kategorie „für Stephen King kurze Geschichten“ einzuordnen) versammelt, einzelne waren in exakt dieser Fassung auch schon separat veröffentlicht worden (z.B. „Raststätte Mile 81“, „Böser kleiner Junge“ oder „Die Düne“).

Umgerechnet auf die Gesamtspielzeit des Hörbuchs bliebe somit nur knapp eine Stunde pro Geschichte, außerdem wendet sich Stephen King immer zwischen zwei Kurzgeschichten direkt an den Leser, offenbart etwas über die Entstehung der folgenden Episode oder kommentiert noch einmal die gerade abgeschlossene. Diese persönlichen Kommentare haben es mir sehr angetan, denn in der einen oder anderen Anekdote klären sich plötzlich Bezüge auf, die man nur vermuten, niemals aber hätte belegen können. Zurück zur Spielzeit: Manche Geschichten dauern nur einige Minuten, andere dagegen mehrere Stunden – und jede ist es wert, gehört zu werden.

Meine persönlichen Favoriten

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, dennoch stelle ich meine ganz persönlichen Highlights hier kurz vor:

  • „Raststätte Mile 81“ (1): Diese Geschichte hatte ich vorher schon gelesen, doch das liegt anderthalb Jahre und mehrere tausend Seiten anderer Bücher zurück, daher war es für mich wie ein angenehmer Besuch bei einem alten Bekannten. Leider kann man den Inhalt schlecht zusammenfassen, ohne gleich zu verraten, was sich erst am Ende aufklärt. Daher lasse ich es, die Kurzgeschichte stellt aber einen würdigen Einstieg in die Sammlung dar.
  • „Batman und Robin haben einen Disput“ (3): Wiederum eine Geschichte, bei der man sich hüten muss, nicht zu viel zu verraten, aber ich gebe mir Mühe: Dougie Sanderson, der Sohn eines schwer an Alzheimer erkrankten Mannes, pflegt eine wöchentliche Routine, um seinem alten „Pop“ zumindest am Wochenende etwas Abwechslung vom ewig gleichen Trott seines Seniorenheims zu verschaffen. Auf der Rückfahrt an einem schönen Sonntag kommt es zu einem Autounfall mit völlig unabsehbaren Konsequenzen…
  • „Die Düne“ (4): Die vielleicht gruseligste Geschichte in der Sammlung, aber spannend erzählt und mit einer findigen Überraschung am Ende. Im KingWiki steht eine gelungene Zusammenfassung, die nicht zu viel verrät: „Der pensionierte Richter Harvey Beecher ist süchtig nach einer Düne auf einer kleinen Insel vor der Küste Floridas. Denn diese scheint nicht nur unbeweglich zu sein, sie kann auch Tote voraussagen. Der letzte Name ist jedoch etwas ganz Besonderes.“ Auch ich war überrascht, denn das Ende ist genau anders als erwartet…
  • „Moral“ (8): Eine Geschichte über die Verlockung (in diesem Fall handelt es sich um das lukrative Angebot von einem Geistlichen) und die unerwarteten Konsequenzen, die sich aus dem Nachgeben für die Ausführenden ergeben. Wiederum ganz anders als erwartet, sehr spannend zu hören.
  • „Ur“ (10): Auf jeden Fall eine der besten Geschichten in der Sammlung. Man muss zwar (vor allem als iBooks-Fan) während der ersten zwanzig Minuten die Ohren vor der etwas zu offensiv gerührten Werbetrommel für den Kindle von Amazon verschließen, doch die Handlung wartet mit absolut fantastischen und auch noch sehr gut erzählten Ideen auf.
  • „Blockade Billy“ (13): Ich bin eigentlich kein Freund von Sport-Geschichten, denn mein Motto in dieser Hinsicht ist: „Sport macht man eher, als dicke Bücher darüber zu lesen.“ Hier ist es aber anders, denn schon nach den ersten fünf Minuten hatte mich die Geschichte völlig gepackt und derart gefesselt, dass ich den nächsten Morgen (die 90 Minuten Laufen sind meine Hörzeit) kaum abwarten konnte: William Blakeley wird trotz seiner unübersehbaren intellektuellen Beschränktheit zum „Retter“ eines Baseball-Teams, doch nach einer Weile holt ihn seine Vergangenheit ein…
  • „Nachrufe“ (18): Eine wundervoll erzählte Mystery-Geschichte mit minimalem Horror-Touch: Mike Anderson schreibt in einer eigenen Kolumne einer New Yorker Nachrichtenseite bissige Nachrufe auf verstorbene Prominente, als er es jedoch mit dem Nachruf auf einen noch lebenden Menschen versucht, geschehen erschreckende Dinge mit weitreichenden Konsequenzen.
  • „Feuerwerksrausch“ (19): Diese Geschichte ist derart lustig, dass ich mehrfach vor Lachen fast hintenüber vom Laufband getragen worden wäre (und das hätte eigentlich nur äußerst schmerzhaft ausgehen können, da da ein Regal steht). Geschildert wird auf unnachahmlich überzeugende Weise, wie sich zwei Anwohnerparteien an einem See ein völlig überzogenes Wettrüsten beim Feuerwerk liefern. Die Geschichte werde ich mir sicher bald noch einmal anhören müssen!

Soweit zu meinen Highlights – keine der übrigen Geschichten ist von geringer Qualität, doch diese haben es mir einfach am meisten angetan. Bis auf ein paar wenige Stellen ist von Stephen King, dem „Horrorautor“ nichts mehr zu merken, vielmehr hat er seine Erzählkunst derart perfektioniert, dass jegliches Genre unter seinen Fingern gelingt.

Fazit

Trotz anfänglicher Bedenken ob der Tatsache, dass es sich bei „Basar der bösen Träume“ um Kurzgeschichten (und sogar ein Gedicht) handelt, kam ich bei diesem Hörbuch voll auf meine Kosten. Stephen King-Fans sollten sich diesen Leckerbissen nicht entgehen lassen. Und wer Stephen King immer als „zu gruselig“ empfand, kann hier bedenkenlos zugreifen, denn es sind keine Horror-Geschichten.

Laufstatistik 2016:

  • 65 Läufe
  • Kilometer gesamt: 975,02
  • Laufzeit: 95 Stunden 42 Minuten

 

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2 Gedanken zu „Gehört: „Basar der bösen Träume“ von Stephen King

  1. Zeilenende sagt:

    Auch ohne das „zu gruselig“ hast du mich verlockt, weil ich Kurzgeschichten sehr gerne mag, sie aber viel zu selten lese. Ist auf meine Wunschliste gewandert. 🙂

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