Gelesen: „2061 – Odyssee III“ von Arthur C. Clarke

Heute früh habe ich beim Laufen den Schluss von Arthur C. Clarkes Science-Fiction-Romans „2061 – Odyssee III“ gelesen. Und ich muss gleich vorweg ein Fazit ziehen: Es handelt sich dabei um ein wundervolles Buch.

Arthur C. Clarke: 2061 – Odyssee III

Arthur C. Clarke: 2061 – Odyssee III

Die Gründe liegen für mich ohne langes Grübeln mit absoluter Klarheit auf der Hand:

  • Arthur C. Clarke hat einen flüssigen und angenehm zu lesenden Schreibstil. So flog ich heute früh über etwas mehr als 300 Seiten (in iPhone-Größe), ohne mit der Wimper zu zucken oder auch nur ein einziges Mal einen leichten Anflug von Langatmigkeit zu entdecken.
  • Neben einer stark wissenschaftlich-technologischen Prägung (ja, spricht wohl eher die männliche Fraktion bzw. die Trekkies an) ist der Stil an etlichen Stellen von einem feinen Humor geprägt (s.u.). Das ist deshalb wichtig, weil es in dem Buch ansonsten um einigermaßen ernste Dinge geht, die hin und wieder geradezu philosophisch-moralische Fragen (bezüglich der im Buch geschilderten fiktiven Zukunft der Menschheit) aufwerfen. Ein bisschen Humor nimmt dem ganzen die Anstrengung bzw. Schwere.
  • Die Geschichte, die in dem Buch erzählt wird, ist eine würdige und stimmige Fortsetzung der ersten beiden Bücher. Gerade bei Trilogien oder anderen Fortsetzungsreihen (in diesem Fall ist es sogar eine Quadrologie, denn den vierten Band – „3001 – Die letzte Odyssee“ – habe ich noch nicht geladen, geschweige denn gelesen) kann ein einziger unstimmiger Band den ganzen Genuss verderben. Hier ist dies sicher nicht der Fall, ich finde sogar, dass der dritte Band einige der vorher lose hängenden Fäden geschickt aufgreift und nicht nur für den Leser genussvoll fortspinnt.

Zur Handlung

Die Handlung von „2061“ ist eine konsequente Fortführung der beiden Romane „2001 – Odyssee im Weltraum“ und „2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“:

  1. Im ersten Buch lernte der Leser den Monolithen, einen zutiefst schwarzen Gegenstand unbekannten Materials mit den Außenmaßen 1x4x9 (also den Quadraten von 1, 2 und 3) kennen und verfolgte dessen Einfluss auf die Entwicklung einer Spezies, der frühen Menschen, auf unserem Planeten Erde bis zu jenem schicksalshaften Tag, an dem die Menschen einen im Mond vergrabenen Monolithen entdeckten, der ein Signal zum Saturn (in der Verfilmung ist es Jupiter) schickte. Die aufgebrochene Mission, die untersuchen soll, was am Zielort des Signals auf die Menschen wartet, endet im völligen Desaster, weil HAL-9000, der Bordcomputer, durch widersprüchliche Befehle der Regierung vs. Geheimdienste (streng wissenschaftliche Verarbeitung aller Fakten vs. Geheimhaltung einiger Informationen vor der Crew) in einen quasi-schizophrenen Zustand gedrängt wurde. In diesem Zustand tötet er nach und nach erst die im Kälteschlaf befindlichen Wissenschaftler und einen der beiden Astronauten. Am Ende lebt nur noch ein einziger Astronaut, Dave Bowman, der mit einer Raumkapsel das Raumschiff „Discovery“ hinter sich lässt, um auf dem im Saturn-Orbit schwebenden Monolithen zu landen. Dieser entpuppt sich jedoch als eine Art Raum-Portal, in dem der Astronaut mitsamt seiner Raumkapsel verschwindet. Seine menschliche Existenz endet, aber sein Bewusstsein erreicht eine neue Ebene der Existenz. Bevor sich seine menschliche Existenz auflöst, funkt er noch einen letzten, etwas kryptischen Satz in Richtung Erde: „O mein Gott, er ist voller Sterne!“
  2. Im zweiten Buch, das ungefähr acht bis neun Jahre nach dem Ende des ersten ansetzt, macht sich eine Mission, die sich aus Russen und Amerikanern zusammensetzt (zum Zeitpunkt des Schreibens, also noch im kalten Krieg, eine kühne Vision!) zum verlassenen Raumschiff „Discovery“ auf, denn dessen Umlaufbahn um den Jupiter (den Planeten hatte der Autor in der Zwischenzeit an die Kubrick-Verfilmung angepasst) droht sich derart abzuflachen, dass ein Eintauchen in die Atmosphäre (und somit der Verlust aller dort gespeicherten Informationen) droht. Es gelingt den Astronauten auch wirklich, die Discovery wieder zu beleben und die Flugbahn zu stabilisieren, doch plötzlich erscheint der verschollene Astronaut Bowman wie eine Vision an Bord und mahnt sie, sich schnell auf den Weg zurück zur Erde zu begeben, da „etwas Wundervolles“ geschehen würde. Obwohl alle etwas skeptisch sind, bereiten sie hastig die Abreise vor. Dabei bemerken sie plötzlich Unmengen von kleinen Monolithen, die sich auf Jupiter ansammeln. Gerade als sie in Richtung Erde abfliegen, schrumpft Jupiter, implodiert schließlich und wird zu einer neuen, zweiten Sonne. In diesem Zuge wird die Discovery (mittlerweile wieder unbemannt) zerstört. Das Bewusstsein des Bordcomputers HAL schließt sich der Bowmans auf der neuen, höheren Ebene an. Die Übermacht der Lebensform, die in der Lage ist, eine neue Sonne gezielt zu erschaffen, sorgt dafür, dass sich die Erde binnen weniger Jahre komplett befriedet, da alle Menschen begreifen, dass ihr kleinliches politisches und kriegerisches Getue vor dem Hintergrund der veränderten Verhältnisse völlig unbedeutend wird. Das Buch schließt mit der Mitteilung der Lebensform, dass die Menschen alle durch die neue Sonne urbar gemachten Planeten nutzen dürfe – alle außer dem ehemaligen Jupiter-Mond Europa.
  3. Genau der Schluss des zweiten Bandes setzt den Rahmen der Geschichte im dritten Band: Mittlerweile sind ca. 50 Jahre vergangen, Ganymed hat durch die neue Sonne „Luzifer“ ein fast komplett neues Gesicht erhalten und wird auf die baldige Besiedelung vorbereitet. Ein Forschungsschiff, das eigentlich nur an Europa vorbeifliegen soll, wird durch einen terroristischen Akt an Bord zur Landung auf Europa, dem „verbotenen“ Mond gezwungen. Über den Verlauf des Buches wird nun geschickt mit Rückblenden zu den jeweils passenden Passagen aus den vorangegangenen Büchern gearbeitet, um die ansonsten schon recht spannende Geschichte der Rettungsmission innerhalb des historischen Rahmens zu erzählen. Und all das spielt sich vor der spannenden Frage ab, was wohl bis zum Eintreffen der Rettungsmannschaft passieren könnte, da doch das Betreten Europas den Menschen damals strikt untersagt worden war…

Das versprochene Zitat

Durch den Hinweis „(s.u.)“ versprach ich oben eine Kostprobe des Humors zu liefern. Dem möchte ich nun nachkommen:

Im zweiten Buch der Trilogie sowie im gleichnamigen Film wird unter Einfluss des Monolithen der Planet Jupiter in eine zweite Sonne unseres Sonnensystems namens „Luzifer“ verwandelt. Im Verlauf von „2061“ entdecken ein paar Wissenschaftler einen Berg ungefähr in der Größe des Mount Everest auf der Oberfläche des Jupitermondes Europa. Während man sich noch fragt, woraus er bestehen könnte, haben zwei Forscher die Tatsache erkannt, dass es sich dabei um einen massiven Diamanten handelt. Um untereinander gefahrlos und geheim kommunizieren zu können, geben sie dem Diamanten den Decknamen „Lucy“. Damit ist der Rahmen für das Zitat gesteckt:

„Ach – übrigens“, sagte Floyd. „Wer war Lucy – jemand Bestimmtes?“

„Soviel ich weiß nicht. Wir stießen bei einer Computersuche auf sie und entschieden, dass der Name ein gutes Codewort abgeben würde – jeder würde annehmen, dass es etwas mit Luzifer zu tun hat, und das ist gerade genug Halbwahrheit, um herrlich irreführend zu sein… Ich hatte nie davon gehört, aber vor hundert Jahren gab es eine Gruppe beliebter Musiker mit einem sehr seltsamen Namen: die Beatles – B-e-a-t-l-e-s geschrieben –, fragen Sie mich nicht, warum. Und sie haben ein Lied mit einem ebenso seltsamen Titel gemacht: ‚Lucy in the Sky with Diamonds‘. Komisch, nicht wahr? Fast, als ob sie gewusst hätten…“

Herrlich, oder?

P.S.: Ich konnte gerade nicht widerstehen und habe mir den vierten Band bei iBooks gekauft und geladen. Aber erst muss ich noch „Drei“ aus dem „Dunkler Turm“-Zyklus von Stephen King fertig lesen, den habe ich nämlich gleich nach dem Ende von „2061“ angefangen…

 

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2 Gedanken zu „Gelesen: „2061 – Odyssee III“ von Arthur C. Clarke

  1. Zeilenende sagt:

    Ich muss mich doch mal dranbegeben. Solera, ich habe doch keine Zeit für Bücher – und kaufen will ich erstrecht keine!

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