Eine Frage des Autohauses

Im Oktober 2010 kauften meine Frau und ich für unsere fünfköpfige Familie ein neues Auto, einen FIAT Dobló. Unseren eigentlich sehr guten Skoda Octavia gaben wir damals in Zahlung, denn die drei Kindersitze passten bei diesem Modell nicht nebeneinander auf die Rückbank. Insgesamt erschien uns der preisliche Deal, den wir bei der Inzahlungnahme abgesprochen hatten, nicht ungünstig.

Verhandlungen

Weder ich noch meine Frau sind besonders gut im Verhandeln (da fehlen uns wohl die Schwaben-Gene). Statt also verzweifelt (und ungeschickt) zu versuchen, den Preis zu drücken, kam es uns darauf ein, einen kompletten Satz Winterräder kostenfrei zum Auto zu erhalten, denn sonst hätten wir beim Kauf im Oktober ziemlich bald nach dem Erwerb des Autos gleich noch einmal ein paar Hunderter hinblättern müssen, um neue Winterräder zu erstehen. Das wollten wir vermeiden. Wir schafften es auch, diese Vereinbarung festzuklopfen. Doch dann kam alles anders. Und wie…

Lieferengpässe en masse

Zwei Punkte auf der bestellten Liste ließen dann aber geraume Zeit auf sich warten:

  • Das Gepäckraumtrennnetz, das laut Katalog hätte erhältlich sein müssen, war von uns beim Kauf mit allem anderen bezahlt worden, konnte dann aber etwa ein Jahr lang nicht geliefert werden. Wir haben es auch heute noch nicht. Nur wollten wir irgendwann einfach eine Möglichkeit haben, den Gepäckraum effektiv vom Fahrgastraum abzutrennen, denn bei Unfällen mit einem voll beladenen Auto kann das unter Umständen sehr hilfreich sein. Also bauten sie uns statt des immer noch nicht erhältlichen Gepäckraumtrennnetzes das Hundegitter ein. Besser als nichts, aber irgendwie kam uns die Sache schon recht seltsam vor. Und auf jeden Fall ist es ein Armutszeugnis für eine so traditionsreiche Automarke wie FIAT.
  • Auch die Felgen für die Winterräder waren alles andere als schnell zu haben. FIAT hatte vom Vorgängermodell zu unserem Dobló die Befestigung der Räder am Auto von einer Version mit vier Schrauben auf eine mit fünf Schrauben umgestellt. Und die Felgen dafür waren ganz offensichtlich Mangelware. Nach etlichen Telefonaten und Email-Anfragen beim Händler zogen diese uns Anfang Dezember 2010 einfach die Winterreifen auf die Sommerfelgen auf – bereits dies wäre eigentlich schon gar nicht zulässig gewesen, wie wir drei Jahre später erfuhren, aber immerhin…
  • Die „angeblich korrekten“ Felgen erhielten wir dann pünktlich zum folgenden Winter (November 2011), also ebenfalls mit etwas mehr als einem Jahr Verspätung.

Händler, Händler, Händler

Insgesamt war es mit diesem Händler in Schorndorf ohnehin ein sehr zähes Verhandeln um lauter Selbstverständlichkeiten. Die stets versprochenen Rückrufe erfolgten zu 99 Prozent nicht, ganz oft würde man von einem Angestellten zum nächsten weitervertröstet. Kurzum: Mangelhaft im Service.

Als wir noch in Schwäbisch Gmünd wohnten, testeten wir daher noch einen weiteren Händler für die alltäglichen Service-Arbeiten. Doch die waren derart unfreundlich und wenig entgegenkommend bei der Terminvergabe, dass einem auch die Lust verging, sich dorthin zu begeben.

Nach unserem Umzug vor etwa drei Jahren fanden wir ein neues Autohaus in der Nähe der Aalener Innenstadt: Das FIAT-Autohaus Haussmann. Nach unseren Vorerfahrungen waren wir überaus skeptisch, doch – endlich – wurden wir einmal eines Besseren belehrt, denn dort ist der Service nicht nur gut, er ist exzellent. Allein im vergangenen Kalenderjahr mussten wir an zwei oder drei Tagen ganz spontan in die Werkstatt, weil die Software eine Fehlermeldung ausgespuckt hatte oder sonst kleinere Wehwehchen am Auto aufgetreten waren. Auch ohne Terminvereinbarung wurden wir stets schnell und überaus zuvorkommend bedient.

Rückrufe und Kostenvoranschläge, die ganz unkompliziert per Email geschickt werden, sind eine Selbstverständlichkeit, ein paar nette Worte zur Begrüßung, automatisches Mitdenken und freundliche Erinnerungen an (fast) verpasste Termine (TÜV…) gehören zum Standard.

Auch Service daheim klappt sehr gut: Einmal wollten wir zu einer Verabredung mit Freunden losfahren, als wir einen Platten am Vorderreifen bemerkten. Ein Telefonat genügte: Innerhalb von 20 Minuten kam (kurz vor Feierabend!) ein Mitarbeiter aus der Werkstatt mit dem passenden Ersatzrad vorbei und wechselte schnell das gesamte Rad aus. Die ganze Aktion wurde dann über den Schutzbrief abgewickelt – für uns völlig unkompliziert.

Hach, ich komme glatt ins Schwärmen!

Risiko pur

Was es mit den oben erwähnten angeblich korrekten Felgen für unsere Winterreifen auf sich hatte, erfuhren wir gerade vor ein paar Tagen. Und es waren absolut keine schönen Nachrichten: Meine Frau war beim nächtlichen Fahren an einem Bordstein hängen geblieben. Um auf Nummer Sicher zu gehen, brachte ich am Donnerstag das Auto in die Werkstatt. Nach vier Wintern stand ohnehin ein Tausch der Reifen an. Also gab ich den Auftrag, die Reifen zu kontrollieren und bis zu einem gewissen Grenzbetrag einfach zwei oder vier auszutauschen. Dann zischte ich zu Fuß rüber in die Schule (das ist nur ungefähr ein halber Kilometer).

Als ich später aus der Schule kam, um das Auto abzuholen, war es nicht zu sehen. Ich ging zur Rezeption und fragte, ob das Auto gerade auf Kontrollfahrt sei. Die Antwort überraschte mich dann doch, denn mir wurde verweigert, mit dem Auto wieder zu fahren, da weder die Felgen noch die Reifen für dieses Auto überhaupt zugelassen seien. Hmmmm. Nun hatten wir ja schon vier Winter mit diesen Rädern hinter uns. Aber faktisch heißt es: Der Händler aus Schorndorf hatte uns einfach unpassende Felgen verkauft, um uns mit den ständigen Nachfragen, wann denn nun endlich passende Felgen geliefert würden los zu sein. Faktisch hat er unsere Sicherheit im Straßenverkehr vorsätzlich gefährdet. Ein starkes Stück.

Wäre es ein Privatmann gewesen, von dem ich die Felgen kaufte, hätte ich nichts gesagt, denn dann wäre es auch meine Schuld gewesen, nicht genau hingeguckt zu haben. Anders verhält es sich bei einem Händler, noch dazu demjenigen, von dem ich den Neuwagen, zu dem diese Räder gehören, gekauft habe. Der hat alle benötigten Informationen und muss darüber hinaus Tag für Tag mit diesen Dingen umgehen. Welch eine unglaubliche Schlamperei! Es ärgert mich, dass ich keinerlei Quittung über den Erhalt der Winterräder mehr habe, denn damit hätte ich diesem Händler aus Schorndorf jetzt wirklich die Hölle heiß gemacht.

Händler des Vertrauens

Zurück zum Donnerstag: Nachdem geklärt war, dass ich mit dem Auto so nicht mehr fahren könnte, legte man mir gleich eine vorbereitete Auflistung vor, was denn die passenden Ersatzfelgen mit Reifen und Einspuren etc. kosten würden. Ich bestellte nach kurzer Überlegung und bekam innerhalb von zwei Minuten auch noch einen Mietwagen (der dann nicht einmal etwas kostete) gestellt, denn mein Sohn musste innerhalb der nächsten halben Stunde schon zum Zahnarzt.

Eigentlich hieß es, dass vor Dienstag keine Aussicht auf Lieferung bestünde, da durch den Wintereinbruch gerade viele Leute auf den Gedanken kämen, „umzurüsten“. Puh! Aber gestern, also nur einen Tag nach der Bestellung, kam gegen 14:00 h der Anruf, dass das Auto fertig sei und abgeholt werden könne.

Ich könnte an dieser Stelle aus dem Loben unseres hiesigen Händlers gar nicht mehr herauskommen. Der einzige Nachteil an der Geschichte ist für uns, dass natürlich die Felgen, Reifen, Radkappen und das Einspuren zusammen doch über 900 € gekostet haben, das kann ich aber schwerlich unserem Händler anlasten. Dennoch: einen Großteil dieser Kosten hätten wir uns locker sparen können, wenn das erste Autohaus nicht so unglaublich geschlampt hätte. Saftladen!

 

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2 Gedanken zu „Eine Frage des Autohauses

  1. Zeilenende sagt:

    Manche Autohändler geben sich nach wie vor redlich Mühe, dem Klischee zu entsprechen. Beinahe unglaublich.

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