Die musikalische Wiederentdeckung des vergangenen Jahres

Durch Apple Music habe ich in den vergangenen Monaten sehr viel Musik aus meinen späten Teenager-Jahren wiederentdeckt. Manchmal bildeten sich richtiggehende Ketten von Künstlern, bei denen ich einen aufgrund eines Stücks, an das ich mich erinnern konnte, auswählte. Apple Music bot mir daraufhin weitere ähnliche Künstler an, sodass eines zum anderen kam. Einige geradezu nostalgische Neuentdeckungen konnten mir daher die zurückliegenden Wochen versüßen.

Bruce Dickinson: „Tattooed Millionaire“

Die wichtigste musikalische Wiederentdeckung der letzten Monate war für mich das Album „Tattooed Millionaire“ von Bruce Dickinson. Als LP hatte ich sie damals schon gern gehört, doch nicht annähernd so viel wie momentan. Es gibt auf dem Album kein einzig wirklich schlechtes Stück, auch wenn mir persönlich die folgenden Stücke am wenigsten zusagen:

  • Dive! Dive! Dive!
  • Lickin' The Gun

Alle anderen könnte ich von morgens bis abends immer wieder durchhören. Meine absoluten Favoriten sind dabei:

  • Son of a Gun
  • Tattooed Millionaire
  • Born in '58
  • Hell on Wheels
  • Gypsy Road

Wer selbst über Zugang zu einem Streaming-Dienst (egal welcher Art) verfügt, der sollte sich unbedingt diese fünf empfohlenen Stücke anhören. Wenn dann z.B. die zwei erstgenannten laufen, achtet mal auf den unglaublich intensiven und dabei doch entspannten Klang der Stimme von Bruce Dickinson. Mühelos erreicht er die hohen Lagen, gleichzeitig erlaubt er sich ein gehöriges Maß an Schleifern und Kratzern, die der Stimme mehr Persönlichkeit und Lebenserfahrung einhauchen.

Vergleicht man diesen Klang mit dem Iron Maiden-Sound der vorangegangenen Jahre, so spürt man, dass ihn dieser musikalische Exkurs unglaublich gereizt haben muss. Sonst hätte das Album niemals so fantastisch klingen können. Ich genieße jeden neuen Durchgang.

Greg Howe: „Greg Howe“ und „Howe II“

In den 1980er und 1990er Jahren waren beim Label „Shrapnel Records“ unzählige Gitarristen unter Vertrag, die ein ums andere Album veröffentlichten, bei denen es immer nur um eines ging: Noch mehr Töne in noch kürzerer Zeit durch die Gehörgänge zu pressen. Vieles davon verdient es nicht mehr, angehört zu werden. Hier und da findet sich aber auch ein echtes „Juwel“ darunter. Ein solcher Schatz ist der afroamerikanische Gitarrist Greg Howe.

Zuerst veröffentlichte er ein oder zwei Solo-Alben bei Shrapnel-Records. Das erste, schlicht „Greg Howe“ betitelt, beginnt mit einer unglaublich starken Nummer: „Kick It All Over“. Und tatsächlich spürt man unter all den (gefühlt) Millionen von Tönen eine starke melodische und strukturelle Qualität der Musik, die eine mitreißende Kraft entwickelt. Natürlich kann nicht jedes Stück in diesem Erstlingswerk gleichermaßen begeistern, aber doch einige. Mir gefallen vor allem die ersten beiden Stücke des Albums:

  • Kick It All Over
  • The Pepper Shake

Nach diesen ersten Solo-Alben gründete Greg Howe mit seinem Bruder Albert die Band Howe II. Gemeinsam entstanden mindestens zwei Alben, die mir beide bekannt sind. Vor allem das zweite, „Now Hear This“, besticht durch einen ganz eigenen Gitarren-Sound, die kratzige Stimme von Albert Howe und die deutlich von Blues, Soul und Funk beeinflussten Riffs. Kein einziges der zehn Stücke ist qualitativ minderwertig, eigentlich ist das gesamte Album von bemerkenswert hoher Qualität.

Doch auch das Erstlingswerk der Band, „High Gear“, setzte damals Maßstäbe für das, was von den Shrapnel-Gitarristen in Zukunft zu erwarten war. Greg Howe gehört zu den Wegbereitern dieser neuen Generation von Gitarristen, die zwar irrsinnig schnell spielen konnten, dies aber nicht permanent zum Selbstzweck unter Beweis stellen mussten. Stattdessen reicherten sie ohnehin groovige Stücke um diese virtuose Komponente an – und diese Mischung hat schon den Menschen im 19. Jahrhundert gefallen, als Musiker wie Paganini und Liszt sich als Virtuosen verdingten.

 

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12 Gedanken zu „Die musikalische Wiederentdeckung des vergangenen Jahres

  1. Flowermaid sagt:

    Wenn du das ganze noch “ verlinken“ würdest wären Alle dabei 😉

  2. Flowermaid sagt:

    Habe mir jetzt alles durchgehört und gesehen, worauf Heute nur noch die Chippendales als Bühnenoutfit zurückgreifen würden… Also Gitarre virtuos spielen konnten sie… aber diese Art Gitarrensaiten zerfetzende Rockmusik aus den 90gern ist einfach nicht mein`s, haben aber definitiv Erinnerungswürdigkeit… die Texte von Bruce Dickinson finde ich stark… bin halt ein Blumenmädchen dem mehr Raggae liegt… LG ;-D

    • solera1847 sagt:

      Das ist bei mir auch eher eine Phase. Wie immer. Ich entdecke eine Band/einen Künstler, dann höre ich den eine Weile rauf und runter, bis ich alles kenne, danach springe ich zum nächsten weiter. Einige Zeit lang war das Miles Davis, dann Wynton Marsalis, dann … Es ändert sich ständig. Zum Glück gibt’s so viel gute Musik auf der Welt, da geht einem der Nachschub nie aus. 🤓

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