Lektorenschwund und die Folgen

In den letzten Jahren wurde es immer deutlicher, momentan bestehen absolut keine Zweifel mehr: Viele Buchverlage verzichten auf Lektoren. Woran merkt man das? Ganz einfach: Beim Lesen der jeweils veröffentlichten Bücher taumelt man von einem Tipp- zum nächsten Satzbau- oder Sinnfehler.

Früher beschäftigten alle Verlage eine ganze Reihe von Lektoren, die sich darauf konzentrierten, Grammatik und Verständlichkeit des Textes zu wahren. Gut, bei dem einen oder anderen furchtbar trockenen Fachbuch ist das mit der Verständlichkeit eher nicht gelungen, dafür fand man derbe Rechtschreib- und Grammatikfehler (damals noch den Unterschied zwischen „daß“ und „das“, heute natürlich „dass“ und „das“) wirklich äußerst selten.

Aber diese Lektoren kosteten natürlich immer ihr Geld, vermutlich auch nicht allzu wenig, denn es mussten ja gut ausgebildete Menschen mit einem Gespür für die Sprache und — je nach Einsatzgebiet — einem breiten Fachwissen in dem geforderten Gebiet sein. Da heute meist der niedrigste Preis gewinnt, verzichten immer mehr Verlage auf Lektoren, andere Autoren veröffentlichen gleich im Eigenverlag — nicht immer zur Freude der Leser.

Gerade seit Einzug der eBooks scheint sich der Druck auf die Verlage deutlich erhöht zu haben, noch sparsamer zu sein, denn in den letzten fünf Jahren ist der Qualitätsstandard hinsichtlich Orthographie und Grammatik bei vielen solcher digital veröffentlichter Bücher auf ein sehr niedriges Niveau gesunken. Für den Leser ist das manchmal geradezu schmerzlich.

Bei iBooks habe ich mir vor ein paar Wochen einen Episoden-Guide für „The Big Bang Theory“ in zwei Bänden gekauft. Die enthaltenen Informationen sind völlig in Ordnung, aber die Orthographie treibt mir nicht selten fast schon Tränen in die Augen. Der Autor unterscheidet nicht immer korrekt zwischen „dass“ und „das“, hin und wieder werden Redewendungen falsch eingesetzt, sodass der eigentliche Sinn völlig verdreht wird. Natürlich stirbt man daran nicht, andererseits ist es schon eine spürbare Minderung des Genusses.

Schlimm waren auch einige Kinderbücher, die ich meinen größeren beiden Kindern in ihren ersten Jahren zum Einschlafen vorgelesen habe. Da gab es schon Stellen, bei denen durch das technisch ungeschickte Einfügen eines Bildes der Textfluss völlig zerrissen wurde. Manchmal wurden Satzteile gelöscht, sodass ein Satz auf halber Strecke endete. Dann wiederum gab es Stellen, bei denen mehrere Satzteile gleich zwei oder drei Mal hintereinander vorkamen. Sicher lag das an der Unkenntnis im Umgang mit der noch recht jungen eBook-Technik. Dennoch ist es für einen Verlag peinlich, dass ganz offensichtlich niemand die Endfassung des Buchs noch einmal durchgesehen hat. Die meisten dieser Fehler konnte man unmöglich übersehen.

Sehr vorbildlich ist die erst vor ein paar Tagen neu herausgekommene Luxus-Edition der „Harry Potter“-Bücher. Mit großem Genuss kann ich hier von einem exzellenten Lektorat Zeugnis ablegen. Mir ist noch nicht ein einziger Rechtschreibfehler aufgefallen, zusätzlich wurden mit viel Geschmack zusätzliche Anmerkungen in den Text eingebaut, aber so unaufdringlich, dass man sie bei Interesse mit einer Fingerberührung abrufen bzw. wieder verschwinden lassen kann. Hier waren Menschen mit Können und Geschmack am Werk, das spürt man als Leser deutlich.

Nun bin ich mir nicht sicher, wen das überhaupt interessiert, aber ich würde für ein Buch gerne einen Euro mehr zahlen, wenn ich wüsste, dass es einem ordentlichen Lektorat unterzogen wurde. Der erste Band der Harry Potter-Reihe hat ja nun schon einige Jährchen auf dem Buckel, dennoch kostet diese von mir gerade so hoch gelobte Edition rund zehn Euro pro Band. Aber die zahle ich gerne, wenn ich dafür diese Qualität an Lektorat und diese spürbare Liebe zum Detail bekomme. Denn so ein Buch öffne ich auch in ein paar Jahren sicher immer wieder gerne.

 

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16 Gedanken zu „Lektorenschwund und die Folgen

  1. Myriam sagt:

    Ich kann dir nur zustimmen! Wenn aus dem Pub ein Pup wird (besonders schön im Plural …) oder haarsträubende Grammatik mich in verzweifelte Zustände der Verwirrung wirft, dann macht das wirklich arg wenig Lust aufs Lesen. Hinzu kommt: Ich bin selbst nicht gerade begabt was zum Beispiel Zeichensetzung angeht – wie soll das je besser werden, wenn das was ich konsumiere es auch nicht besser hinbekommt? Ich schließe mich der Aktion Ein-Euro-für-die Rechtschreibung begeistert an!

  2. Es Marinsche kocht sagt:

    Bei eBooks fällt mir das immer wieder auf….und ich dachte es sei nur bei denen der Fall….vermutlich wegen Calibre, oder womit auch immer die arbeiten….

    Aber Du sprichst da von physischen Büchern!?

    • solera1847 sagt:

      Sowohl als auch. Eine Monografie von Johnny Cash ist entsetzlich fehlerbehaftet (Papier), der erwähnte Episoden-Guide ist ein eBook. Dafür ist der Harry Potter auch ein eBook — ist vermutlich einfach abhängig vom Verlag.

      • Es Marinsche kocht sagt:

        Sieht so aus, ja….hm….

      • solera1847 sagt:

        Eigentlich schade, denn wenn dann schon einmal Kinder lesen, sollte das wenigstens so fehlerfrei wie möglich sein. Färbt ja ab. Zumindest war das bei mir so. Ich habe als Kind so viel gelesen, dass Rechtschreibung etc. von ganz allein kamen. Ganz ohne Stress.

      • Es Marinsche kocht sagt:

        Da gehe ich mit Dir d’accord….wobei das in Zeiten von Rechtschreibprogrammen, bis hin zum smarten Phone, wohl eher überbewertet wird….wobei die auch so ihre Tücken haben….was so mancher ( um nicht zu sagen häufiger ) Fail beweist….zu zu lustig was manche Leut da so verschicken, wenn sie nicht korrekturlesen….womit wir wieder beim Lektor wären….vielleicht gibt es mal eine Rechtschreibprogramm Lektoren App….

      • solera1847 sagt:

        Sensationelle Idee!

      • Es Marinsche kocht sagt:

        Wir haben eine Marktlücke entdeckt 😀

      • solera1847 sagt:

        Jetzt müssen wir die noch ausschlachten… 🤑

      • Es Marinsche kocht sagt:

        Yeeeeahhhh….äh….wie geht doch gleich wieder programmieren???

      • Es Marinsche kocht sagt:

        ….und schon hamma de salod…..Marktlücke muss jemand anderes schließen….Projekt im Keime erstickt….damminomol….🤔

  3. Zeilenende sagt:

    Ich hätte diese App bitte gern, meine Tippfehler sind ja manchmal regelrecht unheilig. g
    Das mit dem Lektorat ist mir auch aufgefallen. Was Harry Potter angeht, ist der meines Wissens nach zwischendurch noch einmal überarbeitet worden, das hat etwaigen Fehlern gut getan. Häufig ist es so, dass gerade „Trend-Bücher“ schlecht lektoriert sind, die schnell auf den Markt müssen. Insgesamt ist es im gedruckten Markt noch erträglich, aber ich habe auch das Gefühl, dass da gespart wird – obwohl Lektor mWn noch nicht einmal zu den bestbezahlten Berufen gehört.

    • Es Marinsche kocht sagt:

      Juhuiiiiiiie Solera….guck ma….die erste Bestellung…haHAAAAAA!!! Wenn ich nur wüsste wie dieses programmieren geht ( ma überleg und dabei den Zeigefinger auf die Oberlippe leg )

    • solera1847 sagt:

      Ja, die Eile beim Raushauen der neuesten Hypes sorgt für so einigen Käse. Wenn es eine solche App gäbe, wären sicher phänomenal. Ich könnte die auch brauchen, denn manchmal ändert mir die Autokorrektur im letzten Moment ein Wort, ohne dass ich es bemerke, da wäre sie recht segensreich.

      Als der Harry Potter-Hype voll auf Touren war, habe ich mich dem verweigert. Jetzt, wo sich die Sache gut gesetzt hat und auf jeden Fall schon in sich abgeschlossen ist, kann ich das ganz ruhig angehen. Und diese Luxus-Edition ist wirklich fein.

      Ich habe mir übrigens – deiner Empfehlung folgend – vor ein paar Tagen »Er ist wieder da« geladen. Bin schon gespannt. Aber im Moment sind schon wieder so viele tolle Sachen zum Lesen offen. Zum Beispiel der zweite Band von »Biom Alpha«, den ich als Dank für die Rezension schon vom Verlag bekommen habe… Hach! Lesen ist toll!

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