Unterricht Beethoven-Style

Der alte Griesgram
Ludwig van Beethoven, mein Vorbild in der Not...

Vor zwei Wochen war ich erkältet, dabei geht mir erfahrungsgemäß ziemlich häufig die Stimme „verloren“, nach zwei oder drei Tagen Erholung (und Ruhe) kommt sie üblicherweise wieder. Also war ich am Mittwoch und Donnerstag der betroffenen Woche daheim, um mich entsprechend auszukurieren. Am Freitag unterrichtete ich wieder (es war nur eine Klasse und die Big Band-Probe).

Letzten Dienstag verflüchtigte sich meine Stimme allmählich wieder im Verlauf des Vormittags, also sagte ich meine Privatschüler am Nachmittag ab, um am nächsten Tag (mein 40.) wieder fit zu sein. Das klappte sogar.

Am Samstag bemerkte ich ein leichtes Kratzen im Hals, schonte mich, alles gut. Sonntag nichts. Montag Nachmittag beim Singen mit meinem Oberstufen-Kurs merkte ich, dass ich die Tonhöhe nicht gut kontrollieren konnte. Kein gutes Vorzeichen, aber erst einmal abwarten. Abends schonte ich mich und schlief ziemlich bald ein. Heute früh war die Stimme auch ok, aber ich merkte schon, dass ich sie nicht sonderlich belasten durfte. Eigentlich bemühte ich mich auch, lutschte nebenher eine gefühlte Unmenge an Hustenbonbons (den Geschmack kann ich schon nicht mehr ausstehen), denn immerhin halten sie einen am permanenten Schlucken, wodurch die Stimmlippen immer wieder neu angefeuchtet werden.

Dennoch: In der letzten Doppelstunde war es soweit: Feierabend für meine Stimme. Und zwar endgültig. Da kam nur noch Krächzen, zum Teil gar nichts mehr.

Zum Glück konnte ich mich an einen großen Musiker der Vergangenheit erinnern: Ludwig van Beethoven. Er führte nach seiner sehr frühen Ertaubung sog. Konversationsbücher. Ich kehrte sein erfolgreich getestetes Prinzip um, denn wo er sich von seinen Gesprächspartnern ins Buch schreiben ließ, was diese sagen wollten, nahm ich mein iPad, schloß es an den Beamer an und tippte meine Erläuterungen und Arbeitsanweisungen für meine Schüler. Zum Glück kann ich recht zügig tippen, daher ging das gut. Ein Schüler besaß sogar die Vermessenheit, sich das noch öfter zu wünschen.

Aus der Not habe ich hier wohl für den Moment eine Tugend gemacht, aber oft möchte ich mich einer solchen Situation trotzdem nicht aussetzen. Als Lehrer fühlt man sich schon sehr hilflos, wenn man vor 29 oder 30 Schülern in der Pubertät steht und keine Stimme zur Verfügung hat. Nun bleibt mir nur auf ein Wunder zu hoffen, damit ich morgen wieder bei Stimme bin. Euch allen einen schönen Dienstag!

 

22 Gedanken zu “Unterricht Beethoven-Style

  1. Arabella 27. Oktober 2015 / 14:01

    . ..Wunder gibt es immer wieder…gute Besserung💐

  2. Melanie 27. Oktober 2015 / 14:13

    Die besten Genesungswünsche auch von mir! 🙂

    • solera1847 27. Oktober 2015 / 14:16

      Danke, ist ja zum Glück nur eine Erkältung, die geht vorüber… 👍🏻

  3. Zeilenende 27. Oktober 2015 / 18:20

    Damit ist das nächste Projekt klar, gell? Du und deine Schüler lernt Zeichensprache. Heftiges Rumfuchteln gibt ein größeres Gefühl von Sicherheit. 😉 Aber sehr souverän mit dem GAU umgegangen. Darauf ein Ricola mit Heißer Zitrone, so von Leidensgenosse zu Leidensgenosse. Pass auf, dass es sich nicht zum Männerschnupfen auswächst. 🙂

    • solera1847 27. Oktober 2015 / 19:35

      Ich werde jetzt gleich noch etwas Warmes zu mir nehmen, den Mund halten und auf Besserung hoffen. Aber danke für deine guten Wünsche! 👍🏻

  4. Es Marinsche kocht 27. Oktober 2015 / 20:12

    Gute Besserung! 🙂

    • solera1847 27. Oktober 2015 / 20:13

      Ich bemühe mich nach Leibeskräften, einfach mal still zu sein…

      • Es Marinsche kocht 27. Oktober 2015 / 20:16

        Jo 🙂 ’n heisser Ingwertee mit Honig und Zitrone!?

      • solera1847 27. Oktober 2015 / 20:18

        Schlaf und Wick Medinait, das hilft bei mir meistens ziemlich gut.

      • Es Marinsche kocht 27. Oktober 2015 / 20:19

        Dann wünsche ich Dir eine erholsame Nacht 🙂

      • solera1847 27. Oktober 2015 / 20:20

        Danke, brauche ich dringend. 😴😴😴😴😴

      • Es Marinsche kocht 27. Oktober 2015 / 20:21

        Dann husch husch ins Körbchen 😉

      • solera1847 27. Oktober 2015 / 20:22

        Ja, Mami! 😂

      • Es Marinsche kocht 27. Oktober 2015 / 20:30

        Braver Solera! BRAVER SOLERA! :-p

      • Es Marinsche kocht 27. Oktober 2015 / 20:31

        😀

  5. measententia 3. November 2015 / 09:53

    Dann war der 21. Oktober 1975 ein ganz spezieller Tag ?

      • measententia 3. November 2015 / 11:37

        Ich und Mathe ! Eieiei… bloss nicht zu laut krähen…

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