Archiv für den Monat Oktober 2015

San Francisco: Crookedest Street in the World

Lombard Street

Lombard Street — The Crookedest Street in the World

Es ist wieder einmal Zeit, sich meiner Geburtsstadt San Francisco zuzuwenden. Nicht nur meiner Meinung nach die schönste Stadt der Welt (neben Aalen, hüstel). Auch heute begegnen wir einem der weithin bekannten Wahrzeichen der „City by the bay“: Lombard Street, die den Angaben der Anwohner zufolge „krummste Straße der Welt“. Und in der Tat, vermutlich bietet nur ein Kreisverkehr mehr Krümmung, und die dafür nur in einer Richtung.

Viel los in den Kurven

Viel los in den Kurven

Der nicht ganz bescheidene Titel der Straße sowie der prachtvolle Anblick sorgen natürlich dafür, dass sich Unmengen an Touristen rund ums Jahr bei jedem Wetter dort einfinden. Als wir im Sommer 2003 dort waren, herrschte wundervollster Sonnenschein, die Temperaturen waren warm, aber nicht heiß — kein Wunder, dass sich die Touristen quasi gegenseitig auf den Füßen standen. Dennoch gelang es mir, hier und da ein paar schöne Schnappschüsse zu ergattern. Mehr möchte ich zu dieser fabulösen Ecke San Franciscos gar nicht schreiben. Lasst eure Augen über ihre sanften Rundungen streichen, sicher zaubern sie ein Lächeln auf euer Gesicht!

 

Advertisements
Getaggt mit , , , , , ,

Der „Alte-Damen-Erschrecker“

Gestern Abend lief ich ca. fünf oder sechs Minuten hinter einer mir nicht bekannten älteren Dame mit schlohweißem Haar her, die rein zufällig genau in die gleiche Richtung ging wie ich. Es war dunkel, neblig und kalt, ich war schwarz angezogen, trug meine schwarze Winterjacke und mein ebenfalls schwarzes Trompeten-Gigbag (das zugegebenermaßen wie ein mittelschweres Kanonenrohr aussieht).

Mir selbst fiel sofort die makabre Situation auf, denn die Frau musste sich von mir quasi auf Schritt und Tritt verfolgt fühlen. Ich bemühte mich, so unaufdringlich wie möglich zu laufen, doch im Verlauf der paar Minuten drehte sie sich auffällig oft und mit eindeutig steigender Frequenz mit leicht nervösem Blick in meine Richtung um. Ich war — wie schon im letzten Blog-Eintrag verkündet — nicht in der Lage, ihr auf stimmlichem Weg mitzuteilen, dass ich nur zufällig in die gleiche Richtung wolle. Also beschränkte ich mich darauf, möglichst die gegenüberliegende Straßenseite zu benutzen, gelegentlich klar vernehmbare Geräusche zu machen und ein bisschen langsamer als sie zu gehen.

Trotzdem muss die arme Dame eine wahre Welle der Erleichterung verspürt haben, als ich nach Erreichen der anvisierten Straßenkreuzung in eine andere Richtung abbog. Puh!

 

Getaggt mit , , , , , ,

Unterricht Beethoven-Style

Der alte Griesgram

Ludwig van Beethoven, mein Vorbild in der Not...

Vor zwei Wochen war ich erkältet, dabei geht mir erfahrungsgemäß ziemlich häufig die Stimme „verloren“, nach zwei oder drei Tagen Erholung (und Ruhe) kommt sie üblicherweise wieder. Also war ich am Mittwoch und Donnerstag der betroffenen Woche daheim, um mich entsprechend auszukurieren. Am Freitag unterrichtete ich wieder (es war nur eine Klasse und die Big Band-Probe).

Letzten Dienstag verflüchtigte sich meine Stimme allmählich wieder im Verlauf des Vormittags, also sagte ich meine Privatschüler am Nachmittag ab, um am nächsten Tag (mein 40.) wieder fit zu sein. Das klappte sogar.

Am Samstag bemerkte ich ein leichtes Kratzen im Hals, schonte mich, alles gut. Sonntag nichts. Montag Nachmittag beim Singen mit meinem Oberstufen-Kurs merkte ich, dass ich die Tonhöhe nicht gut kontrollieren konnte. Kein gutes Vorzeichen, aber erst einmal abwarten. Abends schonte ich mich und schlief ziemlich bald ein. Heute früh war die Stimme auch ok, aber ich merkte schon, dass ich sie nicht sonderlich belasten durfte. Eigentlich bemühte ich mich auch, lutschte nebenher eine gefühlte Unmenge an Hustenbonbons (den Geschmack kann ich schon nicht mehr ausstehen), denn immerhin halten sie einen am permanenten Schlucken, wodurch die Stimmlippen immer wieder neu angefeuchtet werden.

Dennoch: In der letzten Doppelstunde war es soweit: Feierabend für meine Stimme. Und zwar endgültig. Da kam nur noch Krächzen, zum Teil gar nichts mehr.

Zum Glück konnte ich mich an einen großen Musiker der Vergangenheit erinnern: Ludwig van Beethoven. Er führte nach seiner sehr frühen Ertaubung sog. Konversationsbücher. Ich kehrte sein erfolgreich getestetes Prinzip um, denn wo er sich von seinen Gesprächspartnern ins Buch schreiben ließ, was diese sagen wollten, nahm ich mein iPad, schloß es an den Beamer an und tippte meine Erläuterungen und Arbeitsanweisungen für meine Schüler. Zum Glück kann ich recht zügig tippen, daher ging das gut. Ein Schüler besaß sogar die Vermessenheit, sich das noch öfter zu wünschen.

Aus der Not habe ich hier wohl für den Moment eine Tugend gemacht, aber oft möchte ich mich einer solchen Situation trotzdem nicht aussetzen. Als Lehrer fühlt man sich schon sehr hilflos, wenn man vor 29 oder 30 Schülern in der Pubertät steht und keine Stimme zur Verfügung hat. Nun bleibt mir nur auf ein Wunder zu hoffen, damit ich morgen wieder bei Stimme bin. Euch allen einen schönen Dienstag!

 

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , ,

Zehn Fragen zu Büchern

In Mellis Bücherblog würde ich beim Durchstöbern meiner WordPress-Leseliste ganz überraschend fündig: Die „Zehn Fragen zu Büchern“ gefallen mir, daher mache ich ganz spontan mit.

Das erste Buch, das du bewusst gelesen hast?

„Der Findefuchs“ von Irina Korschunow und Reinhard Michl, die erste Klassenlektüre in der ersten Klasse. Als Literatur angesichts der eher geringen Textmenge nicht allzu spannend, aber die Bilder waren sehr stimmungsvoll, was mir als Kind das Buch spontan sympathisch machte.

Das Buch, das deine Jugend begleitete?

Ein Doppelband: „Der schwarze Korsar“ und „Die Karibenkönigin“ von Emilio Salgari, mehrere hundert Seiten packender Spannung. Selbst heute möchte ich hin und wieder in den großartigen Schlachtenszenen schmökern.

Das Buch, das dich zum Leser machte?

Das gerade erwähnte. Ich las und las, vergaß alles um mich herum. Einmal habe ich das Buch an einem einzigen Tag gelesen. Mittagessen vergessen, Kirche (Karfreitag) vergessen, nur die Geschichte zählte.

Das Buch, das du am häufigsten gelesen hast?

Wenn es nicht „Der schwarze Korsar“ war, müssten zwei andere Bücher genannt werden: „Ronin“, der erste Band der „The Shadow Warrior“-Reihe von Eric van Lustbader und — Hörbücher mitgezählt — „Die Augen des Drachen“ von Stephen King (allein in diesem Jahr vier bis fünf Mal).

Das Buch, das dir am wichtigsten ist?

Das ist mit Abstand die schwierigste Frage, die mir im Zusammenhang mit Büchern je gestellt wurde, denn es ist schier unmöglich, ein einziges Werk zu nennen.

Zu meinen Favoriten gehören auf jeden Fall:

  • „The Stand — Das letzte Gefecht“ von Stephen King
  • „Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss
  • „2001 — Odyssee im Weltraum“ von Arthur C. Clarke
  • „Puppenmord“ von Tom Sharpe
  • „Früchte des Zorns“ von John Steinbeck
  • „Das Geisterhaus“ von Isabel Allende
  • „The Hitchhiker’s Guide to The Galaxy“ von Douglas Adams
  • „Die Einsamkeit des Langstreckenläufers“ von Alan Sillitoe
  • „Die Augen des Drachen“ von Stephen King
  • „Strangers“ von Dean Koontz
  • „The English Patient“ von Michael Ondaatje
  • „Sie“ von Stephen King
  • „Zorro“ von Isabel Allende
  • „Relic“ von Douglas Preston und Lincoln Child
  • „Ronin — The Shadow Warrior“ von Eric van Lustbader
  • „The Horse and His Boy“ (dritter Band der „Chroniken von Narnia“) von C. S. Lewis

Das Buch, vor dem du einen riesigen Respekt bzw. Bammel hast?

So ziemlich alles, was aus der Sparte „Philosophie“ stammt. Ich mag ja detailreiche Romane, aber ich kenne keinen Autor jenseits dieser speziellen Sparte (Philosophie), der es schafft, so trocken und unleserlich zu schreiben.

Das Buch, das deiner Meinung nach am meisten überschätzt wird?

Alle diese pseudopornographischen Romane wie „Feuchtgebiete“ und all ihre Abkömmlinge, die medial gehypt werden und dann natürlich sofort verfilmt werden müssen.

Das Buch, das du unbedingt noch lesen willst — wenn da einmal Zeit wäre?

Schwer, denn da gibt es so viele…

  • Alle weiteren „Lincoln Rhyme“-Bücher von Jeffery Deaver, denn der erste Roman hat so richtig Lust auf mehr gemacht.
  • Den weltweit heiß ersehnten dritten Teil der „Königsmörder-Trilogie“ von Patrick Rothfuss, denn die ersten zweieinhalb Teile haben mich völlig vereinnahmt.
  • Alle Teile von „Harry Potter“, denn die sind ja angeblich den Filmen um Längen überlegen.

Das Buch, das dir am meisten Angst macht?

„The Shining“ von Stephen King hat mir einige schreckliche (und schrecklich schöne) Momente beschert. Das Hörbuch musste ich immer wieder unterbrechen, weil es so eindringlich ist.

Ein Buch, das du selbst gern geschrieben hättest?

Jedes Buch, das mir gefallen hat, in jedem einzelnen fand ich Unmengen an Inspirationen und Ideen — nur hatte sie schon ein anderer aufgeschrieben…

 

Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Läuft gerade: „1984“ von George Orwell

Und da ist er auch schon, der versprochene weitere Beitrag, denn es wird dringend Zeit, hier wieder etwas Aktivität in mein Blogger-Dasein zu hauchen…

Ein kurzer Eintrag, der das Thema nur anreißt, aber ich sitze gerade neben einem Kind, das alleine nicht einschlafen will, sobald die junge Dame weggedämmert ist, möchte ich fertig sein…

Klassiker der Dystopien

Vor ein paar Monaten habe ich mir „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley angehört. Einige Passagen vor allem nach der Etablierung der Hauptfiguren waren zwar leicht langatmig, aber insgesamt hat das Werk seinen Platz in der Geschichte der Literatur absolut verdient, da kommen bei mir keine noch so geringen Zweifel auf.

Bei „1984“ ist es so, dass ich das Buch bereits vor über zwanzig Jahren gelesen habe und entsprechend begeistert war. Orwells Stil ist glasklar und gnadenlos brillant. Das dystopische Thema ist perfekt durchgezogen und sucht in der Geschlossenheit des Gedankengebäudes seinesgleichen. Während des Studiums habe ich sogar eine Arbeit darüber geschrieben, allerdings nur in einem kleinen Nebenfach, mit dem ich nichts mehr zu tun habe.

Verfilmung und Teenagerdasein

Die weithin bekannte Verfilmung gefällt mir, geht mir aber zu keinem Punkt so tief unter die Haut wie das Buch. Als Teenager hatte ich den Film gesehen und war ganz offen gesagt von der vielfach gezeigten Nacktheit der weiblichen Hauptdarstellerin wesentlich mehr vereinnahmt worden als von den inhaltlichen Dimensionen, die Orwell so perfekt vorausgesehen hat.

Das Hörbuch

Nun höre ich seit ein paar Tagen das (ungekürzte) Hörbuch, nachdem ich mit „Killer aus dem Jenseits“ (Episode 37) den letzten aktuell als Hörbuch verfügbaren „Cotton Reloaded“ durchgehört hatte. Dabei war ich wie sonst auch beim Sporteln, denn aktuell taste ich mich Stück für Stück wieder an meine Form von vor ein paar Wochen heran, bevor meine Zwangspause einsetzte.

Das Hörbuch „1984“

Sehr empfehlenswerte Lektüre bzw. sehr empfehlenswertes Hörfutter!

Die Zeit verflog nur so, weil mir so viele Passagen in „1984“ so absurd real für unsere heutige Zeit vorkamen. Vieles, was Orwell sicher im Bewusstsein, es damit (absichtlich) völlig zu überziehen, geschrieben hat, gilt heute als ganz normal. Dazu gehören meiner bescheidenen Einschätzung nach die Kontrolle der großen Masse durch die Medien, die gezielte Lenkung einer (oder aller) Nationen durch eine künstlich geschürte (und dabei eigentlich fast völlig irrelevante) Kriegsangst und die völlig offensichtliche Bespitzelung weiter Teile der Bevölkerung zur Einschüchterung und Gefügigmachung. Bei Orwell ist das in so klarer Sprache („das Buch“) niedergeschrieben, beim Hören läuft mir nicht selten ein alles andere als wohliger Schauer über den Rücken.

So, die junge Dame schläft. Das Thema ist spannend, ich greife es gleich wieder auf, wenn ich durch das Hörbuch durch bin, das dürfte nur noch ein oder zwei Tage dauern.

 

Getaggt mit , , , , , , , , , , , ,

Bruce Dickinson: „Hell on Wheels“

Bruce Dickinson: »Hell on Wheels«

Bruce Dickinson: „Hell on Wheels“ (aka AC/DC: „Back in Black“)

Nachdem ich in den letzten Wochen nur wenig gepostet habe, wird es Zeit, etwas daran zu ändern. Hier nun ein musikalischer Beitrag:

Die 1990er

In den 1990er Jahren war ich neben meiner trompeterischen Tätigkeiten auch eifrig als E-Gitarrist in einigen Bands aktiv, entsprechend prägte das meinen Musikgeschmack — ich hatte sogar lange Haare (eindeutig ein heute nicht mehr herzustellender Zustand, denn dafür sind es mittlerweile viel zu wenige). Die ganz harten Heavy Metal-Sachen mochte ich damals nicht, daran hat sich bis heute nicht viel, eigentlich gar nichts, geändert. Iron Maiden und Megadeth waren mit großem Abstand die härtesten Bands, die ich hörte.

Im Jahr 1990 veröffentlichte Bruce Dickinson, der damalige wie heutige Sänger von Iron Maiden, sein erstes Solo-Album, weil — so seine eigene Angabe — er „die Möglichkeit dazu hatte“. Da er zusätzlich immer weniger zufrieden damit war, von allen nur als „der Sänger von Iron Maiden“ angesehen zu werden, schuf er sich mit seiner Solo-Karriere ein kreatives Ventil. Zu diesem Zeitpunkt war ein Ausstieg bei seiner Stammband nicht geplant. Dummerweise stieg er, beflügelt vom Erfolg seiner Solo-Karriere, dann doch nach drei Jahren bei Iron Maiden aus — so war das sicher nicht im Sinn des Erfinders. Glücklicherweise kehrte er auch wieder zurück, denn ohne ihn war die Band nicht halb so gut.

Tatooed Millionaire

Zurück zum eigentlichen Thema: Das Album mit dem Titel „Tatooed Millionaire“ erhielt nach seinem Erscheinen in der Fachpresse durchweg fantastische Kritiken, also legte ich mir damals noch die Vinyl-Version zu (ja, so lange ist das her — außerdem kostete sie weniger als die CD, als Teenager hatte ich einfach kein Geld…). Und tatsächlich: es handelte sich um eine Sammlung hervorragender Songs: bodenständig und doch verspielt, lyrisch und doch energetisch, frech und doch ernst – viele solcher Gegensatzpaare könnte man anführen. Wichtig ist nur, dass es mir gefiel.

Seit Jahren besitze ich keinen Plattenspieler mehr. Dank Apple Music habe ich aber in den letzten Wochen das Album auf mein iPad geladen und immer wieder etwas darin herumgehört. Gleich der Opener „Son of a Gun“ ist ein mitreißendes und energiegeladenes Stück, den Vogel schießt meiner Meinung nach aber „Hell on Wheels“ ab.

Hell on Wheels

Der Titel deutet es ja schon ein wenig an: hierbei handelt es sich um eine Verneigung vor, wenn nicht gar eine Huldigung an die Band AC/DC. Was andernfalls nur als schamloser Rip-Off gelten dürfte, wird hier mit einem ansteckenden Feuer zelebriert — noch dazu vom Lead-Sänger einer der bekanntesten Metal-Bands aller Zeiten, einem Urgestein der „New Wave of British Heavy Metal“ —, man kann gar nicht anders, als mit den Füßen mitzuwippen, den Kopf im Takt leicht in Schwingung zu versetzen und an der einen oder anderen Stelle gleich einmal mitzusummen.

Experiment und Fazit

Wer sich auf ein lustiges kleines Experiment einlassen möchte, hört sich bitte zuerst „Back in Black“ von AC/DC an und wechselt dann möglichst nahtlos zu „Hell on Wheels“.

Die Ähnlichkeit ist verblüffend! Und gerade in dieser Offenheit als ehrliche Hommage von einem Musiker an eine Band zu deuten. Sehr gelungen! Das Stück ist schon in meiner Favoriten-Playlist gelandet.

 

Getaggt mit , , , , , , ,

Gehört: „Finderlohn“ von Stephen King

Finderlohn

Stephen King: »Finderlohn«

Vor einer ganzen Weile hörte ich „Mr. Mercedes“, mit dem Stephen King sich weitgehend vom Horror-Genre abwendet, um eine ganz und gar fesselnde Kriminalgeschichte über einen Psychopathen, dessen Werdegang und neuesten makabren Plan zu schreiben. Und es war eine überragend gut erzählte Geschichte, wofür Stephen King meines Wissens auch viel Beachtung fand.

Verbindung zu älteren Werken

Noch dazu wurden ein paar sehr überzeugende und sympathische Charaktere geschaffen, die im neuesten King, „Finderlohn“ (engl. „Finders Keepers“), wieder auftreten dürfen. Auch sonst werden viele kleine Referenzen an andere King-Bücher untergebracht (um nur ein Beispiel zu nennen: In einer Szene beobachtet einer der beiden Protagonisten eine Krähe, die auf einem Telefonmast sitzt – die Art der Beschreibung und die ganze Szenerie sind für King-Fans sofort als Anspielung auf „The Stand“ zu erkennen). Gestern habe ich nun „Finderlohn“ zu Ende gehört – und es ist meiner Meinung nach ein überaus würdiger Nachfolger.

Inhalt

Die Geschichte beginnt mit einer (fiktiven) Rückblende ins Jahr 1978, die durch den Mord an einem bekannten Autor der Ausgangspunkt für alle weiteren Handlungen wird. Dann werden im ersten Teil des Romans allmählich die verschiedenen (neuen) Hauptfiguren etabliert, um im zweiten Teil durch die altbekannten Figuren aus „Mr. Mercedes“ ergänzt zu werden. Die häufigen Perspektivenwechsel lassen die beiden Protagonisten sehr anschaulich werden und heizen dadurch die Spannung enorm an. Im Hörbuch sind die letzten zweieinhalb Stunden derart fesselnd, dass ich nur mit viel Mühe die letzte Stunde verschieben konnte (doch da stand noch ein Arbeitstag an).

Interessant war für mich, dass sich die gesamte Geschichte eigentlich um die Liebe zur Literatur dreht, wenngleich beide Protagonisten es ein klein wenig „zu gut“ damit meinen, wodurch dann eben die Probleme erwachsen, die die Handlung am Laufen halten:

  • Der ältere Protagonist ist der Mörder des gealterten Autors, den er einst verehrte, ihm aber die Entwicklung seines beliebten Roman-Charakters nicht vergeben konnte. Nach Jahrzehnten kommt er auf Bewährung wieder aus dem Gefängnis frei (wo er wegen eines anderen Verbrechens einsaß, niemand hat ihn in Verbindung mit dem Mord gebracht), nun möchte er unbedingt die damals gestohlenen und vergrabenen Moleskine-Kladden des gealterten Autors wieder in seinen Besitz bringen, um endlich die Fortsetzungen der Romane lesen zu können.
  • Der jüngere Protagonist ist ebenfalls ein glühender Fan des zu dem Zeitpunkt schon lange toten Autors, offenbar sprechen die zwei frühen Romane vor allem das jugendliche Rebellentum der Teenager an. Nur durch Zufall gerät er an die Diebesbeute des mörderischen älteren Protagonisten: einen vergrabenen Koffer voller Geld und handschriftlich gefüllter Moleskine-Kladden. Als er seiner Schwester den Zugang zum College finanzieren möchte, die Familie das Geld aber nicht aufbringt (da ist die Geschichte ganz eng mit „Mr. Mercedes“ verknüpft), entschließt er sich, ein paar der Moleskine-Notizbücher des toten Autors für möglichst viel Geld über einen schmierigen Antiquar an zahlungskräftige Sammler verkaufen, doch genau das bringt den Mörder auf seine Spur…

Cover-Gestaltung

Wenn man diese Informationen besitzt und nun noch einmal einen Blick auf das oben sichtbare Umschlagbild wirft, dann fällt sofort der geschmackvoll hergestellte Zusammenhang auf: Der gealterte Autor hat handschriftlich seine neuen Romane verfasst (schwarze Tinte), doch die weiteren Geschehnisse sind von Gewalt geprägt (rote Tinte). Mir gefällt das.

Fazit

Spannend, gell? Aber mehr verrate ich jetzt nicht, sonst verderbe ich ja allen die Spannung. Und dieses Buch ist lesens-/hörenswert – selten erlebt man einen King-Roman, bei dem zwar die epische Breite in gewohnter Weise erhalten bleibt, es aber so gut wie nie auch nur einen müde wirkenden Abschnitt gibt – hier herrscht die ganze Zeit ein hohes Tempo, das den Hörer absolut in seinen Strudel zieht. Dieser Geschichte kann man sich nicht entziehen. Wer den Vorgänger mochte, kommt hier unter Garantie auch auf seine Kosten.

Sollte einer meiner Leser diesen Roman (oder das Hörbuch) bereits ebenfalls genossen haben, würde ich mich über Rückmeldungen freuen. (Darüber freue ich mich natürlich auch, wenn jemand das Buch noch nicht gelesen/gehört hat…).

One more thing…

Aber eine Kleinigkeit habe ich noch: Mir ist wie schon bei „Mr. Mercedes“ ein eigenartiges Phänomen aufgefallen: Das Hörbuch als komplette (=ungekürzte) Lesung kostet weniger als das iBook (und vermutlich auch als die Druckausgabe). Das ist doch ein Missverhältnis, denn die komplette Lesung beinhaltet ja das Buch und noch dazu die Leistung des Sprechers, doch kostet „Finderlohn“ als iBook 18,99 €, als Hörbuch nur 12,99 €. (Weil ich gerade nachgesehen habe: Mittlerweile hat sich das Verhältnis bei „Mr. Mercedes“ normalisiert: iBook 6,99 €, Hörbuch 10,99 €, damals war es im Verhältnis genau wie „Finderlohn“). Gestört hat mich das nicht, denn beim Sporteln sind mir die Hörbücher lieber, aber erstaunlich fand ich das schon…

 

Getaggt mit , , , , , , , ,

Gelesen: „Needful Things – In einer kleinen Stadt“

Episch, aber gut: »Needful Things«

Episch, aber gut: »Needful Things — In einer kleinen Stadt«

Mein Faible für Stephen King muss ich vermutlich nicht nochmals erwähnen. Gerade gestern habe ich – nach einer unverhältnismäßig langen Lesezeit – die in King-Manier gewohnt epische Chronik der „Verführung und Korruption einer ganzen Stadt durch den Teufel“ zu Ende gelesen. Lange (zumindest deutlich länger als für mich üblich) habe ich gebraucht, weil ich zwischendurch immer wieder andere Bücher gelesen, etliche Hörbücher (vor allem „Cotton Reloaded“) gehört und mit Arbeit und familiären Aktivitäten durchaus gut beladen war. Glücklicherweise konnte dies den Genuss des Buchs nicht spürbar schmälern.

Und wie fast immer, wenn mir ein Buch gut gefallen hat, besorgte ich mir im Anschluss das Hörbuch, um die Geschichte gleich noch einmal kompakt beim Sporteln durchzuhören. Zwar muss ich meine sportlichen Aktivitäten derzeit ziemlich begrenzen, aber in vier Tagen ist das Antibiotikum aufgebraucht, dann kann ich die Leistungskurve allmählich wieder meinem Bedürfnis anpassen. Statt Seilspringen und/oder Joggen gehe ich aktuell nur die 10 Kilometer am Morgen. Das ist recht entspannt, dauert aber ein bisschen (ca. 90 Minuten). Der große Vorteil eines Hörbuchs ist es hierbei, dass ich die Geschichte schon kenne, es macht also nichts, wenn meine Gedanken zwischendurch mal abschweifen. Bei einem mir vorher noch unbekannten Hörbuch muss ich permanent „am Ball bleiben“.

Zum Inhalt des Buches muss ich nicht viel schreiben, denn im Prinzip geht es nur darum, wie der als Mensch getarnte Teufel einen Laden in der fiktiven Stadt „Castle Rock“ aufmacht, nach und nach weite Teile der Bevölkerung durch Intrigen und Gefälligkeiten gegeneinander aufhetzt und schließlich doch von einer ganz kleinen Gruppe rechtschaffener und inkorrumpierbarer Menschen gestoppt wird. Als Plot nicht allzu innovativ, der Reiz liegt wie so oft in der gekonnten Umsetzung. Stephen King stellt sich einmal mehr als der geniale Spinner langer Erzählfäden heraus, der den Leser geschickt einwickelt, in so in die Details der jeweiligen Personen einweiht, dass man sich am Ende wie ein Teil der Stadt fühlt.

Besonders beeindruckend fand ich – wieder einmal, denn King schafft das recht häufig – die Variabilität des Erzähltempos. Um das träge dahinfließende Leben der ländlichen Kleinstadtidylle zu schildern, wählt King ein ausschweifendes, nicht mit (eigentlich unwichtigen) Details sparendes Tempo, das den Leser einlullt (und ganz selten sogar etwas zum Gähnen bringt), nur um dann urplötzlich in den Turbo-Antrieb hochzuschalten (z.B. die Szene, in der sich Nettie und Wilma gegenseitig umbringen). Gegen Ende hin zieht sich über etliche Seiten eine wahnsinnige Verdichtung mit immer kürzer werdenden Einzelabschnitten hin, die sich final in einer wahren Apokalypse entlädt. Auf den letzten ca. 100 Seiten (ist bei eBooks immer etwas schwer zu schätzen, wie viele Druckseiten das tatsächlich wären) konnte ich das Buch nicht mehr weglegen. Ich habe es versucht, es ging nicht, denn gerade einmal zehn Sekunden später las ich schon wieder.

„Needful Things“ ist kein neues Buch, vollendet hat Stephen King es bereits vor 24 Jahren. Nur hatte ich es eben noch nicht gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an Cristoforo von PRBC, der den Roman als eines der besten Werke Kings in einem Nebensatz erwähnt hat. Ohne diesen Hinweis hätte ich es möglicherweise nie gelesen.

Und an dieser Stelle drücke ich der Marina alle vorhandenen Daumen für ihre heute anstehende OP.

 

Getaggt mit , , , , , , , , ,

Die ersten Zipperlein

In den letzten Tagen habe ich nicht viel gelesen, obwohl ich einigen sehr interessanten Blogs folge, deren Beiträge mich prinzipiell sehr interessieren. Geschrieben habe ich in den letzten zwei Wochen keinen einzigen Eintrag. Der Grund ist nicht Faulheit oder Desinteresse, ich kam einfach nicht dazu. Die Gründe folgen sogleich:

In ein paar Tagen werde ich 40 Jahre alt. Für mich ist das kein großer Deal, denn davor bin ich 39 geworden, danach werde ich (zumindest wahrscheinlich) 41 werden. Dennoch: Aktuell spüre ich, dass mein Körper keine 25 oder 30 mehr ist.

An sich dürfte mich das nicht überraschen, denn ich sehe ja auch ziemlich genau so alt aus, wie ich es nun einmal bin. Dem US-amerikanischen Jugendwahn konnte ich noch nie etwas abgewinnen, mein Haar lichtet sich seit den frühen Zwanzigern. Juckt mich alles wenig.

Aber aktuell scheint mein Körper mir etwas mitteilen zu wollen. Und er möchte sicherstellen, dass ich ihm auch wirklich zuhöre. Daher schickte er mir in den letzten Wochen/Tagen einige völlig unzweideutige Botschaften. Ich gehe jetzt nicht ins Detail, aber ich habe die Mitteilungen erhalten und muss nun sehen, dass mein Körper wieder auf seine Spur kommt. Danach wird Stück für Stück an ein paar Baustellen umstrukturiert. Ein paar Veränderungen habe ich bereits angestoßen, der eine oder andere Übergang wird schmerzlich und/oder unbefriedigend für mich oder die anderen Betroffenen sein. Nötig ist es aber.

Sobald ich wieder etwas fitter bin, schreibe ich wieder mehr. Lust und Stoff habe ich, aber aktuell kann ich selbst beim Schreiben dieser Zeilen nur mit Mühe die Augen offen halten. Bis bald!

 

Getaggt mit , , , , , ,