Gesehen: Breaking Bad – Erste Staffel

Walter aus »Breaking Bad«

Walter White, der „Protagonist“ aus „Breaking Bad“

Ich habe bei Twitter schon viel über die amerikanische TV-Serie „Breaking Bad“ gelesen, auch sonst gab es ein unüberseh-/hörbares mediales Echo, dennoch ging die Serie bis vor ein paar Tagen komplett an mir vorbei. Beim Familientreffen am Ellertshäuser See Mitte August legte mir eine nette ältere Dame aus Kanada näher, mir die Serie mal anzusehen. Sie selbst war erst kurz zuvor darauf aufmerksam geworden und hatte dann wohl die ganze Serie auf Netflix durchgesehen. Nach so viel Lob ging mir die Sache noch ein paar Tage durch den Kopf, dann sah ich mal nach, was die DVDs denn kosten sollten, was zum Glück nicht viel war.

Also bestellte ich mir die erste Staffel auf DVD und begann mit dem Ansehen… Mehrere Sachen fielen mir dabei auf:

  • Es ist ganz klar eine Serie „von Erwachsenen für Erwachsene“. Natürlich können auch Jugendliche sie ansehen, aber sie werden höchstens einen Teil der Tiefe erfassen können. Gerade Walt's verzweifelte Lage wird in den ersten Folgen sehr eindrücklich geschildert. Sehen und ansatzweise nachvollziehen können das viele, wirklich verstehen werden es vermutlich nur Erwachsene. Eindeutig ein Pluspunkt der Serie.
  • Die Serie zeigt schonungslos, in welche Sackgasse sich die amerikanische Gesellschaft zunehmend bewegt. Damit meine ich nicht die Drogenszene. Die gibt es überall, so etwas wird sich nicht vermeiden lassen. In keinem Land der Welt. Vielmehr bewundere ich den scharfen Blick der Drehbuchautoren auf die feinen sozialen Katastrophen im US-amerikanischen Alltag: Ein Lehrer, der zusätzlich zu seinem Beruf in der Schule noch in der Waschstraße arbeiten muss, um seine Familie ernähren zu können, dabei immer noch keine Möglichkeit hat, genug Geld aufzubringen, um auch nur geringste Rücklagen zu bilden — das ist wirklich schockierend. Und die Serie reitet noch nicht einmal darauf herum, was für mich belegt, dass dieser Zustand im Bewusstsein vieler Amerikaner wohl schon als „völlig normal“ angesehen wird. Ich wurde in Amerika geboren, schon damals (1975) gab es in den USA nur eine ganz schmale Mittelschicht, die Gesellschaft teilte sich vor allem in eine kleine (aber extrem wohlhabende) Oberschicht und eine sehr große (und teilweise wirklich erbärmlich arme) Unterschicht. Damals sah es hier in Deutschland noch komplett anders aus, denn es gab eine sehr breite Mittelschicht und an den beiden Extrempolen nur einen kleinen Rand. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich unsere Gesellschaft langsam aber sicher in Richtung des amerikanischen Modells verändert. Wir sind noch nicht so völlig „entsolidarisiert“ (Volker Pispers), aber Jahr für Jahr berichten die Medien darüber, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Genau das war in den USA vor über 30 Jahren bereits der Fall, mal sehen, wo wir nach Ablauf eines ähnlichen Zeitraums stehen werden…
  • Besonders drastisch finde ich, welch krankhafte Geister in der amerikanischen Politik gegen die sog. „Obamacare“ (also die für alle Bürger eingerichtete Krankenversicherung) wettern. Bis zur Einrichtung von „Obamacare“ war nur krankenversichert, wer das Geld dafür aufbringen konnte. Auch der Umfang der Krankenversicherung hängt dann von den individuellen finanziellen Möglichkeiten ab. Eigentlich muss man Obama dies sehr hoch anrechnen, endlich die medizinische Grundversorgung für ein so großes Land hergestellt zu haben, doch was muss er stattdessen für Kritik einstecken… Krank! Zurück zur Serie: Der Protagonist von „Breaking Bad“ erhält die Diagnose Lungenkrebs — und kann sich eine Behandlung faktisch nicht leisten. Es geht nicht darum, sich eine besondere Behandlung leisten zu können, er kann schlichtweg für gar keine das Geld aufbringen, denn er müsste alles aus eigener Tasche bezahlen. Klar, auch bei uns wird nicht jeder eine exzellente Versorgung von seiner Krankenkasse bezahlt bekommen, aber eine grundlegende und solide medizinische Versorgung ist auf jeden Fall gewährleistet. Zurück zur Serie: Walt kann sich seine Chemotherapie nur leisten, indem er vor jeder Behandlung einen Scheck über die Kosten für Medikament und Behandlung abgibt. Wie demütigend es für ihn ist, die Arzthelferin jedes einzelne Mal zu bitten, den Scheck nicht vor Montag der kommenden Woche einzulösen, wird schauspielerisch sehr überzeugend rübergebracht. Das Geld hat er (trotz zweier Jobs) natürlich nicht, er muss es sich erst verdienen, indem er illegale Drogen herstellt und über seinen „Partner“ verticken lässt. Eigentlich geht das komplett gegen seine innere Überzeugung, doch er möchte seine Frau, seinen Sohn und das noch ungeborene Baby finanziell so gut wie möglich absichern.
  • Die Szenen, die im Drogenmilieu spielen, haben mir einmal mehr verdeutlicht, wie wichtig es ist, die eigenen Kinder zu starken Persönlichkeiten zu erziehen, die sich ihren Problemen mit Intelligenz und Pragmatismus stellen (anstatt in eine benebelte Rauschwelt zu fliehen). Noch dazu bin ich froh, nicht einmal ansatzweise ein persönliches Interesse an Drogen zu haben. Die zu erwartenden und in der Serie dargestellten Verhaltensweisen würden tiefgreifende Änderungen in meinem Selbstbild erfordern, die ich aber nicht einzugehen gewillt bin.

Die erste Staffel bestand nur aus ein paar Folgen, vermutlich war sich das Filmstudio nicht sicher, ob eine thematisch und sozial derart kontroverse Serie ein Erfolg werden würde. Doch ganz offensichtlich fanden sich genügend Anhänger, sodass einige weitere Staffeln folgten. Gestern kamen die DVDs der zweiten Staffel hier an, dann kann die Geschichte weitergehen. Ich bin schon gespannt, ob mein positives Bild der Serie sich auch weiterhin halten kann.

Kennt noch jemand diese Serie? Falls ja, wie findet ihr sie? (Und falls ihr mir einen Kommentar schreibt: Bitte verratet mir noch nichts über den weiteren Verlauf, sonst könnte mir das den Spaß verderben…)

 

Advertisements
Getaggt mit , , , , , , , , , , , , , , , ,

5 Gedanken zu „Gesehen: Breaking Bad – Erste Staffel

  1. Gelesen hab ich schon viel darüber, habe mich aber aus verschiedenen Gründen bisher nicht herangetraut. Zum einen wegen des Themas, zum anderen fehlt mir die Zeit, allzu viele Serien anzufangen – das muss ich dosieren, sonst kommt ich nicht mehr hinterher. Mein Bücher-SUB schimpft auch immer wieder …

  2. Closer Than Yesterday sagt:

    Viel Spaß beim Schauen dieser Serie. Ich habe sie vor einiger Zeit komplett angesehen und sie macht echt süchtig (passt ja ^^). Es passt alles zusammen und die Entwicklung aller Rollen ist enorm. Skyler fand ich die ganze Zeit ziemlich nervig, was aber ganz gut zu ihrer Rolle passt. Dafür ist Jesse auf seine Art und Weise irgendwie sympatisch ^^ Mit Spoilern halt ich mich dann mal zurück. Aber schonmal ein Tipp: wenns an die letzte Staffel geht, sollte man sich ein paar Stunden Zeit nehmen, denn da kann man schlecht zwischendurch ausschalten 😉

    Der Nachteil an dieser Serie ist, dass man sie eigentlich nur einmal schauen kann. Das wird einen nicht nochmal so fesseln.

  3. Melanie sagt:

    Die Serie wurde mir auch von mehreren Menschen empfohlen und kann mich nur denen nur anschließen: „Breaking Bad“ ist wirklich eine einzigartig gute Serie.!
    Ich fand, dass die Staffeln auch alle ein gleichbleibend gutes Niveau hatten. Viele Serien schwächeln ja im Laufe der Zeit immer mal gerne, dass war bei „BB“ nicht der Fall.
    Viel Spaß beim Schauen! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: