Musikalischer Nonsens

Heute habe ich wieder geübt, insgesamt kam ich mit der Trompete auf 56 Minuten reine Spielzeit. Kein Vergleich zum Studium, aber besser als nichts — und effektiv war es auch. Insofern gibt es keinen Grund zum Klagen.

Beim Üben habe ich jedoch etwas entdeckt, das mir in der Vergangenheit auch schon häufiger aufgefallen, irgendwie aber jedes Mal neu in Vergessenheit geraten war: ein geradezu unglaublicher musikalischer Nonsens. Was ich damit meine? Ganz einfach.

Kurze Vorwarnung

In den folgenden Absätzen lasse ich auf übelste Weise den Lehrer raushängen. Selbst mir ist das Ausmaß an Erbsenzählerei peinlich. Wem das also zu haarspalterisch wird, der darf gerne andere Artikel lesen. Ich verspreche auch, bald einen ganz anderen nachzuschieben. Für alle, die gerne ein wenig Haarspalterei betreiben: „Treten Sie näher!“

Spaulding und die Notation

In seinem durchaus bahnbrechenden Werk „Double High C in 37 Weeks“, einer zu Beginn der 1960er Jahre im Eigenverlag des Autors erschienenen Trompetenschule, hat Roger W. Spaulding das folgende notiert:

Notation 1

So steht's in Spaulding's Schule...

Jetzt wird's spannend: Wer hat den semantischen Fehler in diesem einzelnen Takt erkannt? Im Prinzip ist es ganz einfach, denn grundsätzlich steht da nichts per se falsches, es ergibt nur keinen in sich geschlossenen Sinn. Schuld ist die enharmonische Verwechselung der beiden mittleren (oder eben der beiden äußeren) Töne.

Die erklingende Akkordbrechung ergibt eindeutig einen H-Dur-Akkord (H-Fis-Dis-H), notiert ist er aber als Nonsens, denn das Gebilde H-Ges-Es-H ist kein H-Dur-Akkord.

Notation 2

Das wäre der korrekte H-Dur-Akkord.

Alternativ könnte man auch einen Ces-Dur-Akkord (Ces-Ges-Es-Ces) erwarten, dann wären die beiden mittleren Töne korrekt, die beiden äußeren nicht.

Notation 3

Das wäre der korrekte Ces-Dur-Akkord.

Wie man es auch dreht und wendet, die vorgegebene Lösung von Herrn Spaulding ist aus musiktheoretischer Sicht „Bockmist“, was an der Spielbarkeit glücklicherweise nichts ändert. Es sofort eher für ein kurzes Kräuseln im Hirn, wenn der geschulte Blick auf etwas derart Eigentümliches stößt.

P.S.: Nachtrag für die ganz Haarspalterischen

Ich verstehe durchaus, wie es zu dieser seltsamen Notation kam: Alle Akkordbrechungen in Aufwärtsbewegung werden mit Kreuzen notiert, alle in Abwärtsbewegung mit B. Das ist ein in sich geschlossenes System, das aber leider dem musikalischen Sachverstand zuwider läuft.

 

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14 Gedanken zu „Musikalischer Nonsens

  1. Arabella sagt:

    Ich verstehe überhaupt nichts davon. Weil Ich Trompete gern höre, sterne ich einfach mal drauflos.

  2. Zeilenende sagt:

    Ich habe meine Freude an sowas und eine weitere Deutung für dich: Wir waren im Posaunenchor ja alle faule musikalische Laien und allein der Anblick von Kreuzchen for den Noten hat uns den Angstschweiß auf die Stirn getrieben, war ein Stück gar in einer Kreuzchentonart notiert, kam helle Panik auf. Warum auch immer, qber subjektiv fühlten sie sich schwieriger zu spielen an. Vielleicht wusste der Herr um unsere Laienängste und wollte nett sein. 😉

    • solera1847 sagt:

      Dem würde ja die Kreuznotation bei den ansteigenden Akkordbrechungen widersprechen… Aber ich kenne das. Gerade bei einer erhöhten Anzahl von Kreuzen (wie es bei H-Dur eindeutig der Fall wäre) steigt die (eingebildete oder reale) Phobie sprunghaft an. 😉

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