Verallgemeinerungen

Ich hasse Verallgemeinerungen, ich hasse sie wie die Pest. Und dennoch benutze ich sie, weil es jede Art von Sprache sonst unglaublich kompliziert macht. Aber immer wieder bemühe ich mich, mir selbst und auch meinen Schülern im Unterricht klar zu machen, dass man Dinge stets hinterfragen muss, dass die Verallgemeinerung nur der Veranschaulichung, der Erleichterung des Ausdrucks, dient.

Auf den Gedanken kam ich vorhin, als ich durch meine Twitter-Zeitleiste ging, in der es von meist unwichtigen Dingen nur so wimmelt. Dazwischen — und dies ist vermutlich der Grund, warum ich immer noch bei Twitter bin — finde ich aber neben den aktuellen Neuigkeiten immer wieder echte Juwelen, die mir sehr gefallen bzw. mich zum Nachdenken bringen.

Heute fand ich eben dieses Bild, das mich doch sehr zum Nachdenken anregte.

Mir geht es dabei nicht um die vieldiskutierte Autocomplete-Funktion von Google (oder anderen Suchmaschinen). Mir geht es um die offensichtliche Verallgemeinerung, die in dem vervollständigten Satz steckt: „Women need to“ – übersetzt „Frauen müssen“. Dann folgen ja nun die üblichen hohlen Macho-Ergänzungen:

  • „be put in their place“ („auf ihren Platz verwiesen werden“)
  • „know their place“ („wissen, wo ihr Platz ist“)
  • „be controlled“ („kontrolliert werden“)
  • „be disciplined“ („diszipliniert werden“).

Was für ein Dreck! Ganz abgesehen von der hier zu Recht an den Pranger gestellten frauenverachtenden Einstellung, die ich in der Form ohnehin nie verstehen kann, werden hier alle Frauen über einen Kamm geschoren. (Und dabei ist es doch schon so schwer, eine einzige Frau zu verstehen!)

Ich möchte jetzt nicht falsch verstanden worden sein. Das Bild ist hervorragend, es legt den Finger genau in die Wunde, ich empöre mich über die darin angeprangerte Einstellung, die leider immer noch zu weit verbreitet ist. Nur um das gleich klarzustellen.

Mir kommt genauso die Galle hoch, wenn über „die Lehrer“, „die Männer“, „die Deutschen“, „die Amerikaner“ oder „die Ausländer“ (in Bayern: „die Asylanten“) etc. hergezogen wird. Als ob es da jeweils in der verallgemeinerten Gruppe irgend eine Art von Konsens gäbe! Als würden sich alle Griechen verabreden, keine Steuern zu zahlen, um ihr Land in eine Schuldenkrise zu stürzen. Über Jahrzehnte hinweg. Sich auf dieses Niveau herabzulassen, entspricht dem geistigen Horizont der Bild-Zeitung. Und da will ich nicht hin.

Als hätten sie es geahnt, dass ich über dieses Thema gerade schrieb, posteten kurz darauf meine beiden Schweizer Blogger-Kollegen vom Private Readers Book Club (hier zu finden) den Link zu einem Video. In dem ca. 18-minütigen Clip hält die mittlerweile weltweit anerkannte afrikanische Autorin Chimamamdna Ngozi Adichie (Homepage-Link) eine äußerst empfehlenswerte Rede über die Gefahr der (in ihrem Fall literarischen) Verallgemeinerung.

Meine Empfehlung: Seht euch das Video an, es ist ein wahrer Augenöffner. Sie spricht ein fast völlig akzentfreies Englisch, das man leicht verstehen kann. Und selbst wenn einem hier und da mal eine Nuance entwischen sollte, ist das kein Beinbruch, sie schafft es sehr gut, ihre Botschaft an den Mann zu bringen.

 

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7 Gedanken zu „Verallgemeinerungen

  1. ausgesucht sagt:

    Deine Meinung zum „Hang zu vorschnellen & überflüssigen Verallgemeinerungen” teile ich; Dir ist aber schon bewußt, daß die im Bild gezeigte „Autocomplete”-Liste eine komponierte Liste ist, die es einerseits auf google (so) nicht gibt und die andererseits die eigentliche Aussage („women need to be seen as equal”) dramatisch hervorheben soll? 😕

  2. PRBC sagt:

    Liträtschä 😍 das sagt sie so süß im Video 😁 ein tolles Bild, allerdings hat man ein Modell dafür genommen. 😳

  3. Runa Phaino sagt:

    Teile Deine Gedanken.

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