Jurassic Park-Hörbuch und Vergleich mit dem Film

Jurassic Park von Michael Crichton

„Jurassic Park“ von Michael Crichton

Gerade habe ich das Hörbuch „Jurassic Park“ von Michael Crichton zu Ende gehört. Das Buch hatte ich auf Englisch schon 1996 gelesen, ein deutsches Exemplar ist mir vor vier oder fünf Jahren in die Finger gekommen. Ich mag diese Mischung aus gut aufbereiteten wissenschaftlichen Themen und spannender Fiktion, denn das Ergebnis ist ein sehr kurzweiliges Lesevergnügen.

Besonders auffällig ist der Unterschied zum Film, auch wenn dieser gar nicht schlecht ist. Er legt nur den Schwerpunkt ganz anders. Das Hörbuch (und somit auch der eigentliche Roman) stellt neben der ganzen Action (und unendlich vieler zusätzlicher Details) vor allem die bei dieser Thematik aufkommenden Fragen der Ethik in den Mittelpunkt:

  • „Wo ist die Kontrollinstanz für die Wissenschaftler?“
  • „Warum wird so oft (=zu oft) nur gefragt, ob etwas möglich, nicht aber, ob es angemessen ist?“
  • „Hat uns die Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten wirklich vorangebracht?“ und „Falls ja: Zu welchem Preis?“

Im Film werden darauf gefühlt nur ein bis zwei Minuten verwendet, der Rest der Zeit wird von Action und Spezialeffekten dominiert (ist ja auch sehr schön anzusehen, ich will mich da gar nicht beschweren). Im Buch jedoch kommt Michael Crichton immer und immer wieder auf diese zentralen Fragen zurück. Auch die Arroganz des Menschen, der meint, seine Umwelt komplett kontrollieren zu können, wird dabei nicht ausgelassen, denn diese Eigenschaft ist untrennbar mit dem häufig deutlich zu erkennenden Fehlen einer moralischen Instanz verbunden — jeder fragt sich nur: „Kann ich das schaffen?“ Statt: „Darf ich das tun bzw. ist es angemessen, das zu tun?“

Interessant ist daran vor allem, dass der Autor sich selbst gar nicht auf eine Antwort festlegt. Vielmehr legt er einem Charakter (Ian Malcolm) eine wissenschaftsskeptische Haltung zugrunde, wohingegen eine wesentlich größere Gruppe (John Hammond und die meisten der für ihn arbeitenden Wissenschaftler) ganz klar bedenkenlos weiterhin in alter Manier drauflos macht, um dann erst über die Konsequenzen nachzudenken, wenn es einen konkreten Anlass dafür gibt. Und es gibt eine Gruppe von Personen (Alan Grant, Ellie Sattler, die Enkel Hammonds), die nicht genau festgelegt sind, die zwischen den beiden Polen hin und her schwanken. Der Leser darf sich somit selbst einen Standpunkt aussuchen.

Insofern empfinde ich „Jurassic Park“ als eine sehr ansprechende Unterhaltung, denn trotz allen Romancharakters regt vieles an der Geschichte zum tieferen Nachdenken an — ohne dem Leser permanent den moralischen Zeigefinger vor Augen zu halten.

 

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