Frank Schätzing: »Der Schwarm«

Frank Schätzing: Der Schwarm

Frank Schätzing: »Der Schwarm«

Im Moment höre ich gerade den mittlerweile schon etwas in die Jahre gekommenen Sensationsroman „Der Schwarm“ von Frank Schätzing in der Komplettlesung von Stefan Kaminski. Als er 2004 erschien, sorgte er für einige Aufregung und eine erneute Belebung des Genres »Science-Fiction Thriller«. Seitdem sind etliche vergleichbare Werke erschienen, als Beispiele aus meiner eigenen Hörbuch-Mediathek fallen mir spontan die folgenden ein:

  • „Die dritte Ebene“ (2009) und „Mutiert“ (2011) von Ulrich Hefner
  • „Extinction“ (2015) von Kazuaki Takano.

Ich denke, dass auch einige der Mystery-/Science-Romane von Dan Brown (z.B. „Diabolus“ und „Meteor“) in diese Kategorie fallen könnten.

Inhaltszusammenfassung „Der Schwarm“

Eine ganz grobe Kurzfassung des Inhalts: Überall auf der Welt ereignen sich Naturkatastrophen ungeheuren Ausmaßes. Jede für sich betrachtet, kein Problem. In der Summe kann aber schon bald niemand mehr an einen Zufall glauben. Nach und nach tragen Wissenschaftler aus unterschiedlichen Ländern separat voneinander Wissen zusammen, das in der Summe offenbart, dass all diese Katastrophen künstlichen Ursprungs sind und ganz offensichtlich ein Endziel zu haben scheinen: die Ausrottung der Menschheit. Unter der Leitung des US-Militärs werden die Wissenschaftler zusammengebracht und zur Zusammenarbeit aufgefordert sowie mit allen Ressourcen, die dazu benötigt werden, ausgestattet. Die Kontaktaufnahme mit der fremden Intelligenz, einem mit Schwarmintelligenz ausgestattetem Konglomerat unzähliger Einzeller, die ein Wissenschaftler in der Zwischenzeit „Yrr“ genannt hat, gelingt… Mehr verrate ich nicht, sonst hat ja keiner mehr einen Grund, das Buch zu lesen/hören.

Gedanken

Beim bisherigen Hören des „Schwarms“ (ich habe noch ca. sechseinhalb Stunden vor mir, das sollte bis morgen, spätestens übermorgen, geschafft sein) sind mir ein paar Dinge aufgefallen, über die ich einige Zeit nachgedacht habe:

  • Insgesamt hat der Roman einen sehr interessanten Ausgangspunkt, eine ganz und gar fesselnde Grundidee, die auch weitgehend gekonnt umgesetzt wurde.
  • Hier und da schleicht sich eine gewisse Länge ein, aber bei diesem Gesamtumfang wäre es naiv zu glauben, dass den Hörer alle Abschnitte gleichermaßen ansprechen könnten. Vermutlich gefallen die Stellen, die ich als „aufgeblasen“ empfand, anderen Lesern/Hörern am besten — wie so oft eine Frage des persönlichen Geschmacks.
  • Imponiert hat mir, dass die Reaktionen der Bevölkerung sowohl auf die Naturkatastrophen nicht künstlich ausgebreitet und pseudo-dramatisiert wurden. Ein angenehmer Unterschied zum Fernsehangebot von RTL, Pro7, Sat1 und Co, die ihren Fokus vor allem auf diese Elemente legen.
  • Besonders positiv fiel mir die Nüchternheit auf, mit der die in der Handlung agierenden Wissenschaftler vor allem im letzten Drittel der Handlung agieren. Sie bemühen sich um eine unvoreingenommene Vorstellung des Wesens der Yrr, ohne ihnen gleich menschliche Moral-, Ethik- oder Gesellschaftsvorstellungen anzudichten. Gemäß der Heisenbergschen Unschärferelation beeinflusst jedes Subjekt das betrachtete Objekt, so wäre es natürlich auch in diesem Fall: Der Mensch analysiert eine neu entdeckte Lebensform immer zuerst durch Vergleiche mit bereits bekannten — hier mit sich selbst. Sehr gekonnt schildert Schätzing den Konflikt, den selbst viele hoch gebildete Personen aus den Kreisen der Wissenschaftler und Militärs beim Umgang der menschlichen Defizite mit der Übermacht der Yrr haben. Diese Art von gesellschaftlich-kulturellen Scheuklappen kennen wir sicherlich alle, denn allzu oft „kann nicht sein, was nicht sein darf“ (und ist es trotzdem so, wird es totgeschwiegen oder stillschweigend beseitigt).

Fazit

Ich halte Frank Schätzings „Der Schwarm“ für einen durchaus gelungenen, teilweise jedoch (aus meiner Sicht unnötig) in die Länge gezogenen Roman. Mich sprechen vor allem die innovative Grundidee sowie der insgesamt sehr intelligente Tonfall samt (zumindest halbwegs) realistischer Szenarien sowohl seitens der Wissenschaftler als auch der Militärs an. Die komplette Lesung mit einer Gesamtlänge von etwas mehr als 38 Stunden gibt es bei iTunes für 15,99 € (wer das für teuer hält, sollte sich glatt einmal fragen, was ihn da eine Stunde Hörvergnügen kostet…). Wer Lust darauf bekommen hat, liegt mit dem Kauf sicher nicht falsch, denn Stefan Kaminski ist ein toller Vorleser, ich habe seine Stimme auch schon bei den ersten zwei Teilen der Königskiller-Chronik von Patrick Rothfuss genossen.

 

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3 Gedanken zu „Frank Schätzing: »Der Schwarm«

  1. PRBC sagt:

    Das hab ich als Hörspiel gehört, war mega!!! Schätzungs Romane sind allgemein etwas zu ausgedehnt aus unserer Sicht. 😳

    • solera1847 sagt:

      Ich fand »Limit« deutlich spannender, aber die ebenfalls im Eintrag erwähnten Hörbücher »Extinction« und »Mutiert« stecken die Schätzing-Romane ohnehin in die Tasche…

  2. Der Schwarm steht immer noch ungelesen im Bücherregal…sollte es wohl auch mal als Hörbuch probieren.

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