Der Monk in mir

Mittlerweile dürfte die TV-Serie „Monk“ mit Tony Shalhoub in der Hauptrolle den meisten Menschen der westlichen Welt vertraut sein, immerhin wird sie — zumindest in Deutschland — nach wie vor regelmäßig im TV ausgestrahlt und hat über die Jahre einen gewissen Kult-Status erlangt.

Für alle noch Monk-Unkundigen (ja, es soll sie noch vereinzelt geben): Monk ist ein ehemaliger Polizist aus San Francisco, dessen Frau bei der Explosion einer (eventuell für ihn gedachten) Autobombe ums Leben kam. Mit ihrem Tod geriet seine Welt absolut aus den Fugen, er lebt seit diesem Zeitpunkt ein höchst eigenbrötlerisches Leben, das von völlig verkorksten Sozialkontakten und seinen ständig präsenten Zwängen geprägt ist. Fachsprachlich hat man es mit einer OCD (=Obsessive Compulsive Disorder) zu tun. Im Deutschen nennt man so etwas zwanghaftes Verhalten. In Monks Fall führt diese Störung dazu, dass er niemals mehrere gleiche oder ähnliche Gegenstände (z.B. Schuhe, Kleiderbügel, Bilderrahmen) in ungleichem Abstand zur Wand, zueinander oder anderen Gegenständen belassen kann. Er muss sie sofort perfekt ausrichten, seine Störung zwingt ihn dazu.

Ich leide zum Glück selbst an keiner solchen Störung, kenne aber mehrere Personen, die selbst solchen Störungen unterliegen, wenngleich in wesentlich geringerem Ausmaß als der fürs Fernsehen grotesk überzeichnete Monk. Einer davon hat sich damals (das liegt schon mehr als 20 Jahre zurück) beispielsweise so oft die Hände gewaschen, dass er binnen kurzer Zeit handfeste Probleme mit der Haut an Fingern und Handflächen bekam, der andere musste seine Wohnungstür selbst dann noch auf ihr sicheres Verschlossensein hin überprüfen, wenn er sie gerade einmal fünf Sekunden vorher bei vollem Bewusstsein vor unser beider Augen mit dem Schlüssel versperrt hatte.

Zurück zu Monk: Die Serie hätte ja niemals einen wirklichen Unterhaltungswert erzeugen können, wäre sie darauf reduziert gewesen, die Ticks und Marotten der Hauptrolle breitzutreten. Nein, ihre Faszination entfaltete die Serie aus der unglaublichen Detailverliebtheit des Protagonisten. Gerade seine Zwanghaftigkeit lässt ihn in den meisten Fällen genau die versteckten — oder zumindest für die „Normalen“ nicht ersichtlichen — Hinweise erkennen und auf diese Weise etliche Kriminalfälle lösen. So löst Monk einen Kriminalfall, weil er feststellt, dass die Einrichtung eines Zimmers nachgebildet und dabei um wenige Zentimeter ungenau gefertigt wurde. Unsereins wäre so etwas nie aufgefallen, ihm schon. Die Serie lebt davon, dass Monk trotz all seiner Zwänge dann doch im entscheidenden Moment erscheint und die Zusammenhänge erkennt, die es ihm erlauben, den Übeltäter zu überführen.

Und nun komme ich zum Titel dieses Blog-Eintrags: Der Monk in mir. wie schon gesagt, leide ich eher nicht unter solchen Zwängen, allerdings ist mir in letzter Zeit eine Sache an meinem Verhalten aufgefallen, das perfekt zu Adrian Monk passen würde. Um die Spannung zu erhöhen, gibt es erst einmal ein Beweisfoto. Vielleicht erkennt ja jemand schon vor dem Weiterlesen, was hier Monk-esk ist.

Was daran ist Monk-esk?
Was an diesem Foto ist Monk-esk?

Die Auflösung dürfte sicherlich niemandem allzu schwer gefallen sein. Lustigerweise ist mir dieses Verhalten an mir selbst erst nach geraumer Zeit aufgefallen. Bei genauem Überlegen musste ich feststellen, dass ich das schon seit Jahren mache.

Na, habe ich euch, meine lieben Leser, nun lange genug auf die Folter gespannt?

Die Auflösung: Ohne es willentlich oder wissentlich zu machen, wähle ich beim Aufhängen von Wäschestücken, die paarweise zusammengehören, vor allem also bei Socken, ausnahmslos Wäscheklammern gleichen Typs und gleicher Farbe. Das Foto habe ich gestern geschossen, nach Abschluss des Wäscheaufhängens (vorher bzw. dabei ist es mir ja nicht aufgefallen).

Habt ihr auch solche kleinen Zwänge, die eher lustig als nervend sind? Falls ja, outet euch über die Kommentarfunktion.

 

11 Gedanken zu “Der Monk in mir

  1. PRBC 1. April 2015 / 19:08

    Hammer! Ich liebe solche Marotten. Ich hab mal gelesen, dass das mit der Erziehung zu tun hat. Ünerpenible Mütter, COP Kinder!
    Ich habe es gern ordentlich und fühle mich unwohl bei Unordnung. Mit fortschreitendem Alter wurde es besser. Zudem mag ich Struktur und Abstandgleichheit. Bücher auf gleiche Höhe rücken etc. 😍 ich liebe es haha. Deinen Waschklammertick finde ich also nachvollziehbar 👍🙊

    • solera1847 1. April 2015 / 19:09

      Uh, jetzt, da du es erwähnst… Früher habe ich meine Bücher auch immer nach Farbe im Regal sortiert.

      • PRBC 1. April 2015 / 19:10

        DAS ist ne geile Idee!!!!!! 😃

  2. Arabella 1. April 2015 / 19:09

    Ich habe mir alle Zwänge angewöhnt.
    Früher bin ich nur über die Straße, wenn der Rechte Fuß zuerst die Fahrbahn berührte.
    Bevor das entartet…;-)

    • solera1847 1. April 2015 / 19:11

      Aha! Das kenne ich von mir nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden… 😜

      • Arabella 1. April 2015 / 19:13

        Fang bloß nicht damit an, sich dies abzugewöhnen ist schlimm.😂

  3. simplifyme72 1. April 2015 / 19:13

    Meine Bücher waren früher nach Größe sortiert. Socken dürfen nur paarweise in die Waschmaschine – kommt eine alleine im Keller an MUSS ich sie im ganzen Haus suchen, bis ich sie habe. Ich esse immer ne ungrade zahl von Sachen. Drei Pfannkuchen gut, vier schlecht, fünf gut usw. *grins*

    • solera1847 1. April 2015 / 19:14

      Hmmmmm, Pfannkuchen. Lieber gleich sieben, neun, elf… 😂

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