Hörtipp: In 27 Pieces – The Hilary Hahn Encores

Cover des Albums

Hilary Hahn: »In 27 Pieces«

Vor ein paar Tagen gönnte ich mir relativ spontan ein Album bei iTunes: „In 27 Pieces – The Hilary Hahn Encores“, eine Sammlung von der Geigerin neu bei 27 verschiedenen (aber noch lebenden, sorry, der Wortwitz musste sein…) Komponisten in Auftrag gegebener „kleiner“ Stücke als Zugaben (eben „Encores“).

Ich bin kein Streicher, obwohl ich in der zweiten Hälfte meines Schulmusikstudiums satte vier Semester Unterricht an der Violine genoss. Doch war ich da schon Mitte Zwanzig, und da ist es einfach etwas zu spät für derlei feingliedrige Geschichten. Normalerweise höre ich nicht viel Streichermusik, es sei denn, es handelt sich um symphonische Musik, und da sind ja meist Bläser dabei.

Dennoch fiel mir Hilary Hahn schon einmal außerordentlich positiv auf, als sie vor einigen Jahren (da war sie gerade einmal 24 Jahre alt) den Solo-Violin-Part in der Filmmusik von „The Village“ übernahm. Man kann den Film mögen oder hassen, die Musik von James Newton-Howard ist meiner persönlichen Einschätzung nach auf jeden Fall eine der großartigsten Neukreationen der letzten Jahre: Eine sehr ausgewogene Mischung post-romantischer und minimalistischer Elemente, starker Melodien und wundervoller Klangfarbenkombinantionen, die aus der jugendlichen Spielweise der Solistin einen ganz eigenen Charme schöpfen — und auf diese Weise dem Film (mit einer Hauptdarstellerin im gleichen Alter) eine angenehme Tiefe verleihen.

Zurück zu den 27 Encores: Hilary Hahn sprach eine große Anzahl zeitgenössischer Komponisten an, ob sie bereit wären, kurze Stücke für Violine und Klavier zu schreiben. Ganz offensichtlich genießt sie auch in Komponistenkreisen einen hervorragenden Ruf, denn die Stücke kamen.

Und aufgrund dieser Entstehungsgeschichte darf es nicht verwundern, dass das Album eine sehr bunte Mischung unterschiedlichster Stile ist. Jeder Komponist wählte eine eigene Tonsprache, manche eher traditionell, andere geradezu avantgardistisch, häufig eine technische Brillanz höchsten Ausmaßes einfordernd, gelegentlich aber auch von einer geradezu überraschend einfach anmutenden lyrischen Spielweise geprägt.

Auf YouTube findet sich ein von der Deutschen Grammophon produzierter Trailer zum Album, in dem die Entstehungsgeschichte in größerem Detailreichtum als hier dargestellt wird. Sehr zu empfehlen, vor allem weil das Ansehen des Trailers noch mehr Lust auf das Genießen des Albums macht.

Ist man dann ohnehin schon im YouTube-Kanal von Hilary Hahn gelandet, entdeckt man gleich auch noch die Video-Chats, die die Geigerin mit den Komponisten führte, um sich über die Stücke auszutauschen. Viel näher an den Entstehungsprozess einer solchermaßen beeindruckenden Platte kommt man selten.

Während ich diese Zeilen schreibe, habe ich schon ein paar persönliche Favoriten auf dem Album entdeckt:

  • Hilary’s Hoedown (Track 17): Von der nordamerikanischen Folklore und einigen Bluegrass-Elementen inspiriert gehört dieses Stück auf jeden Fall zu den beschwingten Stimmungsstücken, das am Ende eines Konzerts als „Rausschmeißer“ geeignet wäre.
  • Aalap and Tarana (Track 19): Von starken asiatischen Einflüssen geprägt könnte dies aus eine geeignete Alternative zur exzellenten Filmmusik von „Tiger and Dragon“ darstellen. Eindringlich gespielt, schöne Effekte im Klavier (manuelles Anzupfen der Saiten am Anfang), sehr gelungen!
  • Coming To (Track 15): Der Titel suggeriert schon, was musikalisch zu erwarten ist: Das zu Bewusstsein kommen, entweder nach einem Traum oder einer anderen Art von Bewusstlosigkeit. Nach einer leicht desorientierten Einstiegssequenz kann man gut nachvollziehen, wie sich Traum und Realität noch um die Vorherrschaft streiten. Eindrucksvoll!

Das ist nur eine erste Auswahl nach einem Hördurchgang, doch viele andere Stücke sind mindestens ebenso gut, nur eben auf einer anderen Ebene. Wer hier also auf den Geschmack gekommen ist, sollte sich dieses musikalische Kleinod gönnen.

 

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2 Gedanken zu „Hörtipp: In 27 Pieces – The Hilary Hahn Encores

  1. PRBC sagt:

    Hör ich mal rein 😊

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