Filmmusik aus eigener Feder

So beginnt der Film

So beginnt der Film

Mein Schwager war im Herbst für ein paar Wochen teils beruflich, teils privat in den USA unterwegs. Dabei hat er mit seinem iPhone viele schöne Fotos und auch etliche kurze Filme (z.T. in Zeitraffer) aufgenommen, die er dann am Ende in einem ca. acht Minuten langen Film zusammengefasst hat. Ich habe ihm angeboten, eine eigene Filmmusik dazu zu basteln, damit er bei einer Veröffentlichung im Internet für Familie, Freunde, Bekannte und Mitreisende keine Copyright- oder sonstigen Urheberrechts-Probleme bekommen möge. Das Angebot nahm er dankend an.

Zeit – woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Irgendwann im Dezember erhielt ich den fertig geschnittenen Film und machte mich in den Weihnachtsferien auch gleich an die Arbeit. Doch ich merkte schnell: Wenn die Musik etwas taugen sollte, brauchte ich wesentlich mehr Zeit, als ich zuerst eingeplant hatte. Und heute, am 22. März 2015, ca. drei Monate später, bin ich endlich fertig geworden.

Mit dem „endlich“ will ich nicht zum Ausdruck bringen, dass ich gegen Ende keine Lust darauf gehabt hätte – wäre dem so gewesen, hätte ich das Angebot von Anfang an sicher nicht unterbreitet. Und tatsächlich hat mir die Arbeit an dieser musikalischen Untermalung unglaublich viel Spaß gemacht. Es fühlt sich gut an, sich selbst beim Schreiben und Aufnehmen neuer Musik herauszufordern.

Doch ich liebe es, Projekte zügig abzuschließen und nicht lange vor mir herzuschieben. Und genau das war hier schwierig, denn für jede fertige Minute Filmmusik benötigte ich mindestens eine Stunde Produktionszeit (am besten ununterbrochen und ungestört, denn jede Unterbrechung stört den Arbeitsfluss). Und der Film dauert nun einmal etwas mehr als acht Minuten.

Komplettansicht im laufenden Betrieb

Komplettansicht im laufenden Betrieb

Unter der Woche habe ich nie so viel freie Zeit am Stück, selbst am Wochenende ist es selten, und in den letzten Wochen, eigentlich durchgehend seit Ende der Weihnachtsferien, standen außerordentlich viele Sondertermine auf dem Plan, die jeweils einen oder zwei Tage des Wochenendes weitgehend oder komplett belegten. Dann muss ja auch noch der Unterricht für Montag vorbereitet sein… Kurzum: Es dauerte ewig, bis ich mal ein Stündchen hier und da erübrigen konnte.

Nicht mehr unterstützte Hardware

Ein weiteres Hindernis beim Arbeiten war tatsächlich mal die Aktualisierung des Mac OS auf die aktuelle Version 10.10, denn sie beendete die Unterstützung für meinen altgedienten JamLab USB E-Gitarren-Adapter (möglicherweise lag es auch an einer Aktualisierung der Audio-Software Logic Pro X) – genau kann ich es leider nicht sagen.

Das merkte ich natürlich erst nach 60 bis 90 Minuten Gefummel und Ausprobieren, denn das Gerät wird nicht etwa beim Anschließen einfach als „nicht unterstützt“ abgewiesen. Nein, es wird in der Geräteliste aufgeführt, man kann es auswählen, erhält aber lediglich Rückkopplungen und verzerrte Echos, die auf dem ersten laut angespielten Ton hängen bleiben. Somit konnte ich keine E-Gitarre einsetzen. Dumm das, denn eigentlich hätte so mein Plan ausgesehen…

Die Konsequenz war, dass ich alles, jede einzelne Note, via MIDI-Keyboard einspielen musste. So etwas geht zwar, führt aber immer zu einigen Kompromissen, die nicht zwingend hätten sein müssen, wenn ein funktionierender Gitarren-Adapter zur Hand gewesen wäre. So klingt ein Gitarrensolo, das an einer Klaviatur eingespielt wurde, nie wirklich authentisch. Um den eigentümlichen Klang etwas zu kaschieren, habe ich dann gleich einiges an Effekten (Distortion und Wah-Wah) draufgemischt.

Der Wah-Wah-Effekt im Einsatz

Der Wah-Wah-Effekt im Einsatz

Der Logic Pro X-Drummer

Ein großer Lichtblick war die superbe Drummer-Funktion von Logic Pro X, denn ohne sie wäre ich nie im Leben so schnell und so wohlklingend durchgekommen. Dabei kann man zwischen verschiedenen Drummer-Typen wählen, die dann jeweils einen eigenen Stil haben. Jede erzeugte Drummer-Region (standardmäßig werden acht Takte erstellt) lässt sich in der Länge anpassen, danach legt man die Parameter des Schlagzeug-Patterns fest. Der Rest wird von der Software erledigt. Wer sich am Ende das Ergebnis anhört, wird merken, wie ausgezeichnet das funktioniert.

Auswahlmöglichkeiten nach Festlegung des Drummers

Auswahlmöglichkeiten nach Festlegung des Drummers

Ein bisschen Einarbeitungszeit war schon nötig, um die Feinheiten herauszukitzeln, denn bislang habe ich die Funktion nur selten eingesetzt. Aber es hat so gut geklappt, dass ich gegen Ende des Stücks selbst für meinen anspruchsvollen Geschmack schöne Ergebnisse erzielt habe (der geneigte Hörer möge auf die letzten zwei bis drei Minuten achten).

Ein Break vor einem neuen Abschnitt

Ein Break vor einem neuen Abschnitt

Ein bisschen „echter“ Klang muss dann doch sein

Als das Stück schon fast ganz fertig war, bemerkte ich, dass trotz aller akzeptablen musikalischen Ideen der synthetische Klang ein wenig zu viel des Guten sei. Etwas „Echtes“ musste her. Und da ich ein (noch immer unterstütztes) USB-Mikrophon habe, schloss ich es kurzerhand an, zückte meine Trompete und ein paar Dämpfer und spielte heute Nachmittag ein paar Minuten an Solo-Parts ein, die ungefähr die letzten zwei Minuten des Soundtracks ausmachen.

Nun will ich mich nicht über den Klee loben, doch gerade der „echte“ Klang am Ende wirkt meiner Meinung nach recht versöhnlich, nachdem der Hörer die gesamte Zeit vorher nur künstliche Klänge zu hören bekam.

Lust bekommen?

So, wer nun Lust bekommen hat, das Stück einmal anzuhören, der sei auf meine SoundCloud-Seite verwiesen, denn dort habe ich den Track hinterlegt. Viel Spaß beim Anhören! Ich freue mich über Kommentare.

 

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