Duck Duck Go statt Google

Seit einer Weile gibt es bei iOS die Möglichkeit, DuckDuckGo als Standard-Suchmaschine für Safari einzustellen. Ich habe diese Funktion damals sofort auf allen Geräten aktiviert. Mir gefällt an DuckDuckGo die Tatsache, dass es zur Philosophie des Unternehmens gehört, eben nicht den Kunden als Ware zu betrachten, dessen über die unterschiedlichen Suchen offenbarten Daten gesammelt und verkauft werden sollen.

Ich gehöre sicher nicht zu den hysterischen und nach Aufmerksamkeit heischenden Verschwörungstheoretikern, dazu bin ich viel zu pragmatisch (und faul). Aber ich grenze die von mir preisgegebenen Daten gerne ein, daher ja auch mein Blog-Motto „Nur ein paar Schnipsel von mir“ – und jeder, der mich kennt, wird bestätigen können, dass der Blog eben nur immer ein wenig von mir verrät. Ich bin zwar bei Twitter, nutze dies aber eher als Informationsquelle und zum Erhalten von technischem Support und Tipps denn als Plattform für seelischen Striptease. Facebook meide ich komplett, und daran wird sich auch sicher niemals etwas ändern. In den letzten Jahren hat Facebook immer schamloser gezeigt, in welche Richtung sich deren Datenschutzpolitik bewegt (nämlich ins Nirwana).

Es bleibt die meiner Meinung nach am stärksten unterschätzte Datenkrake der Welt: Google. Als ob mehrere hundert Millionen Suchanfragen aus aller Welt, unzählige private Emails, Dokumente und Termine in den Webservices (die alle stets „anonymisiert“ nach „Schlüsselwörtern“ durchforstet werden, um dann passende Werbung einblenden zu können) noch nicht genug wären. Am perfidesten ist für mich die Verknüpfung all dieser Dienste, sodass Google ständig weiß, was seine Nutzer bewegt, was sie wann, wo und mit wem tun. Wer sich bei YouTube, das ja nun auch zu Google gehört, einloggt, gibt automatisch auch preis, welche Clips, Filme, Musik er oder sie dort ansieht und wie bewertet. Entsprechend kann gleich darauf die passende Werbung in der Seitenleiste erscheinen. Erschreckend!

Das Tiefenausmaß dieser Informationsverknüpfung wird meiner Einschätzung nach ca. 85 Prozent der Nutzer zu keinem Zeitpunkt bewusst. Und sollte es einem für einen kurzen Augenblick einmal klar vor Augen stehen, überwiegt häufig die Bequemlichkeit. Alle privaten Emails, Dokumente, Termine, Videos, Kontakte etc. von dort wegzuverlegen, kostet Mühe – und die scheut man. Das weiß Google, darauf baut Google.

Nun möchte ich nicht nur Google allein schlecht hinstellen, denn Bing (Microsoft), Yahoo und alle anderen kommerziellen Suchdienst verfahren sicher genauso, wenngleich oft nicht mit gleichem Erfolg, denn dazu fehlt den Unternehmen der Zugriff auf weitere Daten. Apple wäre sicher in der Lage, über die an iCloud angeschlossenen Dienst (ähem, na ja, wenn die Cloud abwechslungsweise mal funktioniert, hüstel) ähnlich weitgehende Nutzerprofile zu erstellen. Im Gegensatz zu Google (beim Anmelden für einen Gmail-Account muss man diesen Bedingungen zustimmen, es wird auch ohne Alternative ein Google+-Konto angelegt, das auch sogleich mit diversen Datenstreams belegt wird) behaupten sie aber zumindest, dies nicht zu tun. Die Einführung einer per Standard aktivierten Verschlüsselung aller mobilen Geräte scheint dies auch zu bestätigen. Noch dazu betont Tim Cook seit geraumer Zeit, dass bei Apple die verkauften Geräte das Produkt seien, nicht der Kunde. Andererseits kann das auch nur Masche sein.

Immerhin stellt Apple die Möglichkeit zur Verfügung, DuckDuckGo als Suchmaschine festzulegen. Die nutze ich seither durchweg (auf iMac, iPad und iPhone). Nun ist es so, dass die Qualität der Suchergebnisse bei Google höher ist. Das gebe ich sofort zu.

Eine häufige Situation in meinem Arbeitsalltag ist die Suche nach einem geeigneten Bild für ein Arbeitsblatt. Mit Google landen die wirklich geeigneten Bilder üblicherweise sehr weit vorne in den Suchergebnissen. Das ist möglich, weil viele über Google verknüpfte User dieses Bild angeklickt, aufgerufen und gespeichert haben. Das weiß Google, und daher werden diese Bilder in den Suchergebnissen weit nach vorne gestellt. Das ist gut und schlecht zugleich:

  • Gut daran ist, dass häufig genau das Gesuchte schnell zu finden ist,
  • schlecht daran ist, dass bei populären Themen auch der häufig von meinem eigenen abschweifende Geschmack der Masse zuschlägt (sucht beispielsweise am Tag nach einer Fernsehshow mit Helene Fischer mal nach einer Bekannten namens „Helena Fischer“ bei Google – sehr erhellend…).
  • Ebenso schlecht daran ist auch die Tatsache, dass die User dabei auf einen Teil ihrer Privatsphäre verzichten mussten.

Und deshalb nutze ich DuckDuckGo. Die Suche dauert eventuell einen Moment länger, manchmal finde ich das Gesuchte auch gar nicht. Aber meine Suchergebnisse werden nicht gespeichert, ich muss nicht auf meine Privatsphäre verzichten. Das ist mir die paar Sekunden am Tag durchaus wert.

 

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