Archiv für den Monat Februar 2015

Die wiederkehrende Fastenzeit

Die wiederkehrende Fastenzeit

Es ist soweit, seit heute gilt wieder für ein paar Wochen ein leicht verändertes Ernährungskonzept in unserem Haus: Fastenzeit. Der Begriff kann sehr unterschiedlich interpretiert werden, bei uns gilt eine ganz einfache Regel: Keine Süßigkeiten unter der Woche.

Die Stärke dieser seit Jahren erprobten Regel ist ihre außerordentlich simple Struktur, denn je komplizierter ein solches Vorhaben formuliert wird, desto mehr Ausnahmemöglichkeiten sind dann quasi „einprogrammiert“.

Meine Frau und ich machen das seit ein paar Jahren, und es tut uns ziemlich gut, denn auf die Weise bringen wir unsere Gewohnheiten mal wieder auf einen vorher meist Stück für Stück eingebüßten „Normalzustand“. Gerade in der durch den Einzelhandel extrem verlängerten Vorweihnachtszeit packt mich immer mehr die Lust auf Lebkuchen, Schoko-Nüsse und Spekulatius. Über die Feiertage kommen dann auch noch die verlockend süßen selbst gebackenen Plätzchen dazu. Ein Ungleichgewicht zwischen gesünder und übermäßig zuckriger Nahrung ist — zumindest bei mir — da regelmäßig zu erwarten.

Die Fastenzeit nutze ich nun hauptsächlich, um meine abendlichen Süßigkeitsvernichtungsanfälle wieder auf ein gesundes und „normales“ Maß zu reduzieren. Alle anderen Mahlzeiten bleiben ganz wie gewohnt, denn ich ernähre mich in dieser Hinsicht schon nicht allzu ungesund. Eine Änderung hier wäre eher nachteilig.

An den Wochenenden erlaube ich mir ganz unverschämt weiterhin Süßigkeiten, denn auf diese Weise baut sich kein versteckter Heißhunger auf, der dann nach Ende der Fastenzeit urplötzlich hervorbricht und zu einem Umschlagen ins andere Extrem führt.

Aus der Erfahrung der letzten Jahre ändert sich am Gewicht in der Zeit nur wenig. Zum Glück bin ich mit meinem Körpergewicht absolut zufrieden, wozu also künstlich Stress machen?

Wer sich auch für eine derartige Fastenzeit interessiert, kann sich gerne über die Kommentarfunktion an mich wenden.

 

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Die große Vier

In diesem Jahr steht mein 40. Geburtstag an. Diesem Ereignis (fast schon zuviel der Ehre für einen bloßen Datumswechsel) gehen naturgemäß einige Gedanken voraus. Einerseits der — reichlich dumme — Gedanke „Jetzt wirst du alt.“ Aber ich habe bislang nach der Devise Man ist so alt, wie man sich fühlt. gelebt, daran wird sich mit dem Beginn des 41. Lebensjahres vermutlich gar nichts ändern.

Andererseits ist da aber auch noch die leicht bohrende, meist ziemlich einfach zu verdrängende Frage im Hinterkopf: „Hast du deinen Leistungszenith dann überschritten?“ Und diese Frage kann ich nun einmal erst im Rückblick, also in einigen Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten, beantworten. Noch ein Grund mehr, nicht weiter darüber nachzudenken.

Dachte ich. Bis ich vor ca. zwei Wochen einen grippalen Infekt abbekam, der mich für zwei Tage komplett schlapp machte — und dann noch einmal fast eine Woche bis zum vollständigen Auskurieren (Stimme wieder normal, nicht dauernd am Schniefen etc.) einschränkte. Holla! Ganz so ermutigend war das nicht. Zum Glück gibt es ein Mittel, das meine Frau und ich einmal in allen Ferien anwenden: Einen Gang in die Sauna.

Heute ist es auch wieder soweit, und ich freue mich schon sehr darauf. Am meisten gefällt mir daran, dass…

  • …die Hitze alle Poren so richtig ins Schwitzen geraten lässt, sodass man danach eine ganz weiche und von innen heraus saubere Haut hat.
  • …es in Aalen eine Panorama-Sauna gibt, von der aus man einen ganz angenehmen Blick über die Stadt genießen kann.
  • …ich in den Ruhephasen zwischen den Saunagängen regelmäßig kurz einschlafe. Auf diese Weise bin ich nach dem Saunen gut erholt.

Lustigerweise kamen wir eher durch Zufall in den Genuss der regelmäßigen Sauna-Gänge, nämlich durch einen Geschenkgutschein. Der war, als wir es dann endlich in die Limes-Thermen schafften, bereits einige Jahre alt. Aber — und das ist nun wieder ein bisschen Altersweisheit — für uns gilt: Lieber spät als nie! Und so können die nächsten zehn Jahre kommen, das macht mir gar nichts aus.

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Wahre Kunst

Seit ca. 20 Jahren habe ich eine CD im Schrank stehen, die ich — wenngleich heute meist in digitalisierter Form über meinen wundervollen iPod Classic — immer und immer wieder anhöre. Das Album gehört für mich zu den Klassikern, ich habe mehr Jahre mit dieser Musik verbracht als ohne. Einzelne Stücke kenne ich so gut, ich habe letztens eines davon am Klavier auf Anhieb fast fehlerfrei nachspielen können (und wer meine pianistischen Fähigkeiten kennt, weiß, was das bedeutet…).

Es handelt sich um eine Filmmusik. Komponiert hat sie Mark Isham, ein weiterhin sehr aktiver, aktuell aber anscheinend nicht mehr ganz so im öffentlichen Blickfeld stehender Komponist (fast ausschließlich Filmmusik) und Musiker, genauer gesagt Trompeter (als solcher hat er mit etlichen Rock-/Pop-Größen gespielt). Der Titel des Albums: „A River Runs Through It“ (der Film heißt im Deutschen „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“).

Der Titel entstammt einem stark autobiographisch geprägten Buch von Norman Maclean, in dem er im hohen Alter (jenseits des 70. Lebensjahres) erstmalig als Schriftsteller in Erscheinung trat. Bis heute haben sich diese Memoiren, für die Maclean zuerst keinen Verleger finden konnte, als wahrer Schatz für viele Menschen erwiesen. Die romantisch eingefärbten Beschreibungen der Landschaft und des Fliegenfischens sorgen bis heute für einen wahren Touristenstrom nach Montana.

Ich habe das Buch mehrmals im englischen Original gelesen, auch mich fasziniert die Geschichte jedes Mal aufs Neue, allerdings nicht aufgrund des Fischens, denn das interessiert mich nur marginal. Mich fasziniert die Schilderung eines Lebens im Spannungsfeld zwischen strenger Ordnung und künstlerischer Freiheit. Norman und sein Bruder Paul wuchsen als Kinder eines presbyterianischen Pastors im ländlichen Montana auf. Er erzog seine Kinder innerhalb eines sehr stabilen (also streng geordneten) Regelsystems. Diese Systematik bezog sich auch auf den Vorgang des Angelwerfens, denn das lernten die beiden Brüder zum Schlag eines Metronoms. Die künstlerische Ader wurde dadurch ganz offensichtlich nicht unterdrückt, denn beide Brüder wandten sich einem Beruf zu, der schriftstellerische Tätigkeitsfelder umfasste: Norman wurde Professor für englische Literatur am Dartmouth College, Paul wurde Journalist bei der Lokalzeitung in seiner Heimatstadt.

Nun bin ich ein wenig vom Thema abgewichen, denn eigentlich geht es ja um die Musik. Um meine Begeisterung für diese Filmmusik verstehen zu können, war der Exkurs aber notwendig. Gerade das Hauptthema der Filmmusik, das sich wie ein roter Faden durch alles zieht, ist von einer schlichten Schönheit, wie man es von einer Geschichte erwarten darf, die von den Söhnen eines Pastors im ländlichen Montana erzählt.

Passend zum einsamen Fliegenfischer, der im Halbdunkel des Canyons steht und seine Rute schwingt, beginnt das Thema ganz allein auf einer Violine in einer recht tiefen Lage. Genau diese tiefe Lage ist typisch für eher folkloristische Musik, denn hier hat man es ja oft mit nicht professionellen Musikern zu tun. Vielmehr sind es Farmer, Pastoren, Waldarbeiter (und so weiter), die in ihrer Freizeit aus Liebe zur Musik ein Instrument spielen.

Notenbeispiel

Das Thema aus »A River Runs Through It«

Wenn dann die Begleitinstrumente einsetzen, bewegt sich das Thema in den Nachsatz, es handelt sich um eine Harfe und weitere Streichinstrumente (in noch tieferer Begleitlage).

Dann setzt eine ganz neue Begleitfigur ein, die an einen ländlichen Tanz erinnert. Und wieder einmal sind die Instrumente sehr passend ausgewählt, denn zu den Streichern und der Harfe steigen noch vereinzelte Holzbläser ein, die gleichzeitig mehr Kante in den jeweiligen Tonbeginn bringen, der Musik aber auch zu noch mehr „Atem“ verhelfen. Kaum hat sich diese Begleitfigur voll etabliert, springt der Komponist auch schon wieder in das Thema mit der weichen und warmen Begleitung zurück. Meisterlich!

Das Album besteht aus insgesamt 31 Stücken sehr unterschiedlicher Stilrichtungen. Mehrfach wird das oben vorgestellte Hauptthema wieder aufgegriffen, meist in Kombination mit später eingeführten Nebenthemen. Dazwischen sind aber auch einige Jazz-Stücke im (sehr „weißen“) Dixieland-/Chicago-Stil, die zum Musikgeschmack der Zeit passen, in der die Geschichte spielt.

Wer durch meine Ausführungen auf den Geschmack gekommen ist oder Interesse an dieser Musik entwickelt hat, kann meiner Einschätzung nach unbesehen zugreifen. Abgesehen von Leuten, denen diese Art von Musik prinzipiell nicht taugt (dann fühlen sie sich aber vermutlich auch nicht von meinen Schwärmereien angesprochen), sollte etwas für jeden Liebhaber gut gemachter und sehr passend gesetzter Musik dabei sein.

 

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Korrekturschmunzler — Teil 3

Nachdem mich tatsächlich einige Schüler bedrängen, doch endlich wieder ein paar Korrekturschmunzler zu posten, komme ich dem Wunsch nun endlich nach.

Hier ein besonders gelungenes Exemplar, gehört sicher zu meinen Allzeit-Favoriten:

Er stirbt und beschließt...

Er stirbt und beschließt...

Dann habe ich hier noch einen Fall von »Es ist schon von Vorteil, wenn man die Fragestellung liest…«:

Wie lautete die Frage doch gleich?

Wie lautete die Frage doch gleich?

Und hier werden neue Fachbegriffe eingeführt:

Bitte streng im Rücktmuß!

Bitte streng im Rücktmuß!

Der letzte für heute: Bitte nur eine halbe Taste auf der Klaviatur weiter gehen!

Eine halbe Taste auf der Klaviatur

Eine halbe Taste auf der Klaviatur

Demnächst gibt's wieder neuen Nachschub. Heute bin ich zu groggy.

 

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