Archiv für den Monat Dezember 2014

LEGO Overkill

Mein Sohn ist neun Jahre alt und ein echter LEGO-Fanatiker. Er wünscht sich zu jedem Geburtstag und allen anderen Anlässen immer riesige LEGO-Packungen. Doch die baut er nur einmal zusammen, um zu sehen, wie sie in natura aussehen, danach wird alles ziemlich bald demontiert und zu neuen fantastischen Gebilden zusammengebaut. Seiner Fantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Immer wieder entstehen sowohl urkomische als auch eigenartig gruselige Bauwerke/Gestalten.

Irgendwann kam ich auf die Idee, die von ihm selbst als besonders toll gelungen angesehenen Bauwerke/Figuren/Fahrzeuge zu fotografieren und in einen Fotostream zu stellen, der auch als Website freigegeben wurde. Am Anfang kam er dann alle fünf Minuten angerannt, damit ich drei aufeinander gesteckte Klötzchen fotografiere, mittlerweile jedoch hat er sich selbst soweit im Griff, dass er sich die Fotoaktionen fast nur dann wünscht, wenn es sich auch aus Sicht der Eltern lohnt.

Über das diesjährige Weihnachten (zufälligerweise fällt das ja auch immer mit seinem Geburtstag zusammen) bekam er natürlich von uns, den Großeltern und allen anderen haufenweise LEGO geschenkt. Noch stehen die Originale, doch allzu lange wird der Frieden nicht mehr halten, dann müssen sie das Schicksal aller anderen LEGO-Packs teilen…

 

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Alt genug für…

Es gibt Dinge — und das wird mir mit zunehmendem Alter immer klarer —, in die man erst hineinreifen bzw. –altern muss. Gerade in dieser Woche habe ich zwei davon am eigenen Leibe erlebt.

Das erste war ein Konzertmitschnitt von Max Raabe und seinem Palastorchester mit dem Titel »Eine Nacht in Berlin«. Als Max Raabe in den 1990er Jahren seine ersten großen Erfolge hatte (»Kein Schwein ruft mich an«), wäre das absolut keine Musik für mich gewesen. Einerseits der gesamte Stil der Musik, dieses hochgradig artifizielle, gekünstelte und — jetzt kann ich es in dieser Eigenschaft schätzen — augenzwinkernd selbstironische Getue (z.B. der für einen Mann zum Teil viel zu hohe Gesang im Kopfstimmenregister), andererseits die deutschen Texte. Damals hat es mich nicht angesprochen, und hätte jemand versucht, mir diese Musik nähr zu bringen, wäre ich eher noch ablehnender als aufgeschlossener geworden. Heute sehe immer die ca. 45 Minuten an und möchte danach gleich noch einmal von vorne beginnen.

Womöglich sind die letzten zehn Jahre, in denen ich immer und immer wieder für diverse Schülerensembles Musik arrangiert, zum Teil auch komponiert habe, nicht spurlos an mir vorüber gegangen. Die ausgezeichneten Max Raabe-Arrangements voller Witz und Esprit, dargeboten mit einer kontrolliert überschwänglichen Spielfreude seines »Palast-Orchesters« — schlichtweg fantastisch! Aber eben eine Sache, die ich erst in vollem Umfang wertschätzen konnte, nachdem ich in das richtige Alter vorgestoßen war.

Die zweite Sache, bei der sich mein dezent fortgeschrittenes Alter positiv auf die Wahrnehmung auswirkte, war der Film »Das Böse unter der Sonne« mit Peter Ustinov. Vor ein paar Tagen kam er auf Arte oder 3Sat, ich habe ihn aufgenommen und mit meiner Frau vorhin angesehen.

Als Kind, Jugendlicher und vielleicht sogar Student wäre mir der Film zu langatmig und aufgesetzt erschienen. Als ich ihn nun vorhin erstmalig sah, genoss ich seine pompöse Art, denn dahinter versteckt sich die Lust der Schauspieler, diese schillernden Facetten ihrer jeweils dargestellten Persönlichkeit voll auszukosten. Noch vor ein paar Jahren hätte ich damit nicht viel, eher gar nichts anfangen können. Heute Abend habe ich mich herrlich amüsiert.

Und wieder einmal mehr zeigt sich, dass der ewige Jugendwahn, der in Teilen der sog. ersten Welt seit einigen Jahrzehnten um sich greift, nichts anderes ist als die Tarnung für ein schrecklich unerfülltes, sinnfreies Leben. Wer nur als (vermeintlich) jugendliches Geschöpf bestehen kann, hat irgendetwas falsch gemacht, denn ich altere mit viel Genuss (soll heißen: solange sich noch keine ernstzunehmenden körperlichen Verfallserscheinungen zeigen, dann könnte sich dieser Standpunkt schnell wieder ändern…). Der Genuss besteht darin, immer mehr über diese Welt bereits erfahren zu haben und Vergleiche mit dem anstellen zu können, was neu auf mich eintrudelt. So wie diese Woche mit den zwei überraschend angenehmen kulturellen Darbietungen.

 

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Udo Jürgens und Griechenland 1995

Heute ist Udo Jürgens gestorben. Ich kann nicht von mir behaupten, viel von seiner Musik gekannt zu haben. Was ich kannte, hörte ich meist nur ein einziges Mal oder nahm es eher hin als mit. Eine sehr intensive Erinnerung verbinde ich jedoch mit Udo Jürgens, von der möchte ich hier erzählen.

Im Jahr 1995 machte ich mein Abitur, zur Bundeswehr oder zum Zivildienst musst ich nicht, da ich als dritter Bruder per Gesetz von diesem Zwang befreit war (die Peinlichkeit des Musterungsprozesses musste ich deswegen natürlich trotzdem über mich ergehen lassen, aber das ist noch eine ganz andere — und nicht erzählenswerte — Geschichte). Die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Musik war bestanden, ich war bereits eingeschrieben, als mich ein Anruf ereilte: Das Uni-Orchester unter der Leitung von Rudolf Dangel benötigte einen Trompeter für eine Tournee durch Griechenland. Der Termin lag zwar quer über die erste Woche meines Studiums, aber so eine Chance durfte ich mir einfach nicht entgehen lassen.

Also fand ich mich bereits kurze Zeit später in ein paar Proben wieder, alles kein Problem, das Programm war nicht allzu fordernd. Und dann ging es auch schon mit dem Bus ab nach Venedig, dort auf ein Schiff, zwei oder drei Tage später waren wir in Griechenland. Herrlich! Das erste Konzert wurde sogar im regionalen Fernsehen übertragen, die Stimmung war gut — kein Wunder, für die meisten der Musiker handelte es sich um einen regelrechten Ausnahmezustand. Das Uni-Orchester war kein Ensemble aus angehenden Profi-Musikern wie etwa das Hochschul-Orchester. Vielmehr fanden sich hier überwiegend Medizin- und Jurastudenten wieder. Obwohl ich in dieser Gruppe als einer der wenigen »ernsthaften« Musiker etwas aus der Reihe fiel, war die Stimmung super.

Und genau da kommt Udo Jürgens ins Spiel: Bei den teils langen Busfahrten (sechs bis acht Stunden waren keine Seltenheit) lief eine Kassette in Dauerschleife, die einige seiner größten Hits enthielt. Ich kann mich nur noch an zwei Titel erinnern: »Die Sonne und du« und »Mit 66 Jahren«. Je später der Tag, je mehr Wein/Bier/Raki oder sonst welche alkoholischen Getränke die Runde gemacht hatten, desto lauter und enthemmter wurde im Bus mitgesungen.

Damals hat mir das nicht getaugt, doch aus der zeitlichen Distanz betrachtet, war es schön. Es war entspannt, viele Menschen hatten einfach nur eine verdammt gute Zeit in einem der schönsten Länder der Welt (wir besichtigten beispielsweise Delphi an einem Tag mit gnadenlos fantastischem Wetter). Und ein Teil dieser guten Stimmung war Udo Jürgens. Diese Erinnerung an ihn werde ich behalten.

Bei der Zeit wurde heute noch einmal ein Interview mit Udo Jürgens verlinkt, das kurz vor seinem 80. Geburtstag im Herbst entstanden war. Ich habe es gelesen und war beeindruckt von der großen Offenheit, mit der er über seine Vergangenheit in der Hitlerjugend und dergleichen mehr Auskunft gibt, die andere Menschen sicher heruntergespielt und verschwiegen hätten — Hut ab!

 

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Neuigkeiten, die die Welt nicht braucht

Screenshot von meinem iPhone

Screenshot aus der Mitteilungszentrale meines iPhones

Auf meinem iPad und dem iPhone habe ich jeweils die Tagesschau- und die heute.de-App installiert. In letzter Zeit erhalte ich von beiden Apps immer häufiger Push-Mitteilungen, über deren Gehalt ich mich nur wundern kann.

Man sollte ja eigentlich davon ausgehen können, dass über die Push-Funktion nur wirklich wichtige Mitteilungen verschickt werden. Sollte man, ja. Darf man leider schon lange nicht mehr. Ich bringe — obwohl mich Fußball faktisch nicht interessiert — ein gewisses Verständnis dafür auf, wenn aktuelle Spielergebnisse als Push-Mitteilungen meinen sonstigen Informationsfluss stören. Das interessiert ansonsten ja wohl sehr viele Menschen.

Doch in den vergangenen Tagen gingen geradezu absurde Mitteilungen bei mir ein:

Eilmeldung: Aufsichtsrat: Hauptstadtflughafen BER soll spätestens Ende 2017 eröffnen.

Wie bitte? Diese Nachricht, nichts weiter als eine völlig unseriöse Ankündigung des lediglich beabsichtigten (und davon hatten wir in den letzten Jahren ja nicht gerade wenige) Eröffnungsdatums eines Flughafens wird als Eilmeldung deklariert? Das Ereignis tritt bestenfalls in etwas mehr als zwei Jahren ein und hat für das Leben von ca. 90-95 Prozent der Bundesbürger (vermutlich) selbst dann kaum spürbare Auswirkungen. Und dennoch wird diese durch nichts gesicherte Prognose an mehrere Tausend, vielleicht Millionen Menschen in Deutschland verschickt.

Wie es mein Screenshot so schön zeigt, war da ja gleich noch eine an Wichtigkeit kaum zu überbietende Mitteilung eingegangen:

Eilmeldung: „Lichtgrenze“ ist das Wort des Jahres 2014.

Ganz ehrlich: Wie viele Kilometer mir das am Allerwertesten vorbeigeht, vermag ich kaum auszudrücken — aber wiederum wird das Label „Eilmeldung“ draufgepappt, immer in der Absicht, die Aufmerksamkeit der App-Benutzer zu binden. Selbst wenn es sich um völlig irrelevantes Zeug handelt. Und selbst wer sich dafür interessiert, wird wohl kaum den Status als „Eilmeldung“ unterstützen wollen. Denn das verdienen solche Nichtigkeiten schlicht und ergreifend nicht.

Ein wenig erinnert mich das an die Fabel vom Hirten, der sich des Nachts langweilt. Da er allein ist und sich nicht gut mit sich selbst beschäftigen kann, ruft er laut: »Wolf!« Das ganze Dorf ist im Handumdrehen auf den Beinen und rennt zu den Herden, um denWolf zu vertreiben. Doch da ist keiner. Dieses Spiel wiederholt sich einige Male. Irgendwann geben es die Dorfbewohner auf, den Rufen Folge zu leisten. Und genau da kommt der Wolf, frisst den Hirten mitsamt den Schafen. Ende, Schluss, aus und vorbei…

So könnte es auch mit diesen beiden Apps gehen. Wenn so ziemlich alles, was tagtäglich darüber eintrudelt, langweiliger und nicht wirklich wichtiger Krempel ist, achtet keiner mehr darauf. Doch gerade der Verlust an Relevanz ist der Tod einer App zu einer bekannten Nachrichtensendung. Und genau das droht den beiden Apps gerade. Zumindest von meiner Seite…

Meine Konsequenz: Ich werde in den kommenden Tagen sowohl bei beiden Apps eine entsprechende Bewertung im App-Store abgeben, eventuell auch direkt eine Email an die Redaktionen schreiben. Wenn sich dieses aufgeplusterte Verhalten dann nicht in absehbarer Zeit ändert, fliegen die Apps ganz schnell wieder von meinem iPhone/iPad herunter. Basta!

 

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Respektlos

Am vergangenen Freitag wurde mit Bodo Ramelow zum ersten Mal ein Ministerpräsident Thüringens gewählt, der der Partei »Die Linke« angehört. Das zweite deutsche Fernsehen strahlte ein Interview mit ihm aus, das hier online abgerufen werden kann.

Nun bin ich kein Hofierer der Linkspartei, ich würde mich sicher auch nicht zu deren Stammwählern zählen. Dieses Interview stellt jedoch — vermutlich auch für die meisten anderen denkenden Menschen — einen Tiefpunkt der deutschen Interviewkultur dar:

  • Der Interviewte darf kaum einen Satz zu Ende sprechen, ohne dass ihm einer der beiden Interviewer ins Wort fällt.
  • Meistens wird ihm implizit unterstellt, genau das Gegenteil von dem zu meinen, was er gerade einen Moment vorher gesagt hat.
  • Schlimmer noch: Oft wird überhaupt nicht auf die eigentliche Aussage der letzten Antwort eingegangen, scheint nicht ins Konzept zu passen.

Alles in allem hinterlässt das Interview einen schalen und unfairen Eindruck, als wäre es ein zentrales Anliegen der Interviewer, dem Interviewten eine möglichst unangenehme Zeit zu bereiten. Niemals könnte man sich ein solches Interview mit einem Politiker von CDU, CSU oder SPD vorstellen. Und gerade diese Ungleichbehandlung, noch bevor der Mann irgend eine Möglichkeit hatte, zu zeigen, wie er seine politischen Vorstellungen in die Tat umsetzt, die ging mir gegen den Strich.

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Korrekturschmunzler — Teil 2

Aufgrund der mehrfachen (ich möchte noch nicht von »häufig« sprechen) positiven Rückmeldungen auf meine erste Ladung der Korrekturschmunzler kann ich heute voller Vergnügen eine zweite Runde ins Rennen schicken. Ein paar davon gehören zu meinen absoluten Favoriten…

Er war halt crazy

Er war halt crazy

Er war halt crazy...

Ein gefrorener Fluss ist nicht gerade ein F-22 Kampfjet…

Ein F-22 Kampfjet

Ein gefrorener Fluss ist nicht gerade ein F-22 Kampfjet...

Andrea und Giovanni Gabrieli waren beide Ornisten…

Die beiden Ornisten

Sie waren beide Ornisten in der Basilika...

Falls ein Haus gebrannt hat, machte man(n) in die Trompete…

In die Trompete machen

Falls ein Haus gebrannt hat, machte man(n) in die Trompete...

Der Ton wird auf einen Umweg gelitten…

Der leidende Ton

Der Ton wird auf einen Umweg gelitten...

Soweit für heute. Auf meinem Schreibtisch liegen noch ein paar Klassenarbeiten, der Stoff für die Korrekturschmunzler wird mir sicher nicht so schnell ausgehen…

 

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