Archiv für den Monat November 2014

Klo-Lektüre 5

Klo-Lektüre

In den letzten Wochen habe ich einige Bücher gelesen, drei davon gehörten als Trilogie zusammen – über sie möchte ich heute schreiben. Das erste Mal habe ich die Bücher in deutscher Sprache vor vielen Jahren (schätzungsweise Ende der 1980er oder Anfang der 1990er Jahre) gelesen. In der Zwischenzeit hielt die Faszination für die Geschichte dermaßen an, dass ich die Bücher noch mehrfach auf Deutsch las, bei einem Aufenthalt in England kaufte ich sie mir 1994 in englischer Sprache – auch die las ich mehrfach. Vor ein paar Monaten verkündete der Autor auf Twitter, sie nun endlich auch als iBooks veröffentlichen zu lassen. Und da schlug meine Stunde, die Bücher nochmals zu erwerben und zu lesen.

Es geht um die Sunset Warrior-Trilogie von Eric van Lustbader. Aufgeteilt in die Bücher „The Sunset Warrior“, „Shallows of Night“ und „Dai-San“ stellen sie eine fein verwobene Fantasy-Geschichte ganz entfernt im Stil von Tolkiens „Herr der Ringe“ dar. Wo aber Tolkien jedes kleine Detail seitenweise ausbreitet, sodass man hin und wieder ein wenig ins Dösen mit offenen Augen gerät, regiert eine schriftstellerische Ökonomie bei Eric van Lustbader. Statt jedes Details genau zu beschreiben (und so die Vorstellung des Lesers eng zu führen) belässt er vieles der Fantasie. Abhängig vom Lesertyp kann das Fluch oder Segen sein. Fakt ist aber, dass diese Art des Schreibens in den Köpfen der Leser völlig unterschiedliche Vorstellungen erzeugt – unterschiedlicher vermutlich als bei Tolkien. Eine ähnliche Technik setzt auch der Autor David Morrell ein. In einem Interview mit ihm las ich einmal, dass das volle Absicht sei, denn so biegt sich jeder Leser die Handlung auf seine innere Vorstellungswelt zurecht. Faszinierend.

Da ich die Bücher in den letzten drei Lebensjahrzehnten jeweils mindestens einmal durchgelesen habe, konnte ich beim letzten Mal durchaus Änderungen an meinen vorigen Vorstellungen feststellen. Schön war es aber auch, die früheren Lieblingsstellen wieder zu entdecken – sie hatten über die Zeit nichts von ihren fesselnden Qualitäten verloren.

Die Handlung einer Trilogie zusammenzufassen ist eine Aufgabe, die nie wirklich befriedigend gelingen kann. Zu viele einzelne Handlungsstränge, Begebenheiten und Personen, die in der Handlung keine übergroße Bedeutung haben, den Reiz der Geschichte für mich aber ungemein erhöhen, müssten wegfallen. Daher versuche ich eine extrem kurzgefasste Version:

  1. „The Sunset Warrior“: In einer krassen Endzeitstimmung lebt der vermeintliche Rest der Menschheit unter der Oberfläche einer Erde, die „oben“ angeblich völlig unbewohnbar ist. Ein strenges Kastensystem mit Arbeitern, Kriegern und Magiern hat sich ausgeprägt, dessen Zusammenhalt aber kurz vor dem endgültigen Zerbrechen steht. Die unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen intrigieren und knüpfen untereinander immer neue Seilschaften, um auf diesem Weg die Vorherrschaft ihrer eigenen Zusammenschlüsse zu ermöglichen. Ronin, die Hauptfigur, steht abseits all dieser Ränke – als einziger Krieger hat er sich keinem Dienstherrn angeschlossen. Die damit verbundene Ungebundenheit ermöglicht es ihm, die große Lüge aufzudecken: Auf der Erdoberfläche ist Leben möglich. Noch dazu droht der gesamten Erde die Schreckensherrschaft einer finsteren Macht, sollte sie nicht bald gestoppt werden. Um dies zu vollbringen, muss er sich aber an die Oberfläche begeben und eine geheime Schriftrolle in ein fernes Land bringen. Gegen viel Widerstand kämpft er sich gemeinsam mit einem Zauberer an die Oberfläche, wo sie von ewigem Eis begrüßt werden.
  2. „Shallows of Night“: An der Oberfläche angekommen, arbeiten sich Ronin und der Zauberer zum Meer vor und brechen mit einem Boot auf Kufen über das zugefrorene Meer auf. Binnen kurzer Zeit erreichen sie das aufgetaute Meer, wo der Zauberer von einem Meeresungeheuer getötet wird. Der im Kampf verletzte Ronin wird im letzten Moment von einem Kriegsschiff aus einer Küstenstadt des Menschenkontinents vor dem Ertrinken gerettet. Er wird in ihren Zirkel aufgenommen, gelangt auf den Menschenkontinent, lernt diverse ihm (auffällig schnell) ergebene Damen kennen und zettelt Streit mit einer der beiden herrschenden Parteien der Küstenstadt an. Gleichzeitig wird offensichtlich, dass in der Nähe der Stadt ein Krieg begonnen hat, der nichts mit einem normalen menschlichen Konflikt mehr gemein hat. Da die Zeit drängt begibt sich Ronin per Schiff auf die Suche nach den Bujun, einem geheimnisumwitterten Volk, das die einzige Hoffnung für die Menschheit darstellt.
  3. „Dai-San“: Die Schiffsreise endet in einer Schlacht, bei der das Menschenschiff von mehreren Schiffen voller fremdartiger Kreaturen angegriffen wird. Just in dem Moment, als die Menschen sich gegen die Angreifer des einen Schiffs durchgesetzt haben, treibt sie eine mächtige Strömung fort. Das Schiff zerschellt an der Küste einer fernen Insel. Nur Ronin und der Kapitän des Schiffs überleben. Gemeinsam arbeiten sie sich ins Zentrum der Insel vor, wo sie von eigenartigen katzenartigen Wesen gefangen genommen werden. Ronin bezwingt in einem Ritual nacheinander alle Wesen, woraufhin er von einer Gottheit als „Sohn“ angenommen und auf die ferne Insel der Bujun gebracht wird. Dort angekommen knüpft er schnell die notwendigen Bande mit den Führern der Bujun, gerät jedoch über eine Frau in Streit mit einem mächtigen Zauberer, dessen Mithilfe er später benötigen wird. Als er ihn in dieser Angelegenheit konfrontiert, vereinigen sich die beiden zu einer neuen Person, dem „Sunset Warrior“. Er führt die Bujun in die letzte Schlacht der Menschheit. Über den Ausgang verrate ich aber noch nichts…

Wirklich zufrieden kann man mit dieser Inhaltsangabe sicher nicht sein, als kleiner „Appetizer“ könnte sie jedoch dienen. Gerade wem der „Herr der Ringe“ zu ausladend geschrieben ist, könnte sich hier mit einem geeigneteren Werk ähnlicher Erzählkunst konfrontiert sehen.

 

Noch gar nicht erwähnt habe ich die große Freude, die meinerseits aufkam, als ich entdeckte, dass es mittlerweile noch zwei Fortsetzungen der Trilogie gibt. Sobald ich meine aktuellen Bücher verschlungen habe, geht's gleich los mit diesen beiden Hoffnungsträgern.

 

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Korrekturschmunzler – Teil 1

Als Lehrer muss ich häufig Schülerarbeiten korrigieren. Dabei stoße ich immer wieder auf erheiternde schriftliche Zeugnisse der Vermischung von Hochsprache und Dialekt, auf ungewollt lustige Verschreiber, eigenartig eingesetzte Redewendungen oder schlicht Verzweiflungsverbrechen an der deutschen Sprache. Seit einem Jahr fotografiere ich die schönsten Fälle ab und sammle sie. Hier werden nun in regelmäßigen Abständen unterhaltsame Beispiele unter der Überschrift Korrekturschmunzler veröffentlicht – selbstverständlich vollkommen anonymisiert (ich könnte in den meisten Fällen selbst nicht mehr rekonstruieren, wer welche Stelle fabriziert hat).

Die Tondauern der Töne

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Äghübter

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Der Tumor-Chor

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Die Komponiesten

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Der Kosmopolit Igor Strawinsky

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Das sollte für heute erst einmal genügen. Bis Weihnachten muss ich noch haufenweise Klassenarbeiten korrigieren, da finden sich sicher noch neue Prachtstücke – und einige habe ich noch in meiner Sammlung. So schnell geht mir der Stoff nicht aus.

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