Ein Klassiker

Einleitung

Nur selten werden technische Geräte so perfekt benannt wie mein iPod Classic von Apple. Das Gerät begleitet mich seit 2007 (das sind immerhin schon gute sieben Jahre) täglich daheim und bei der Arbeit. Er ersetzte seinen Vorgänger, den weißen iPod (mit 80 GB).

Zwei iPod Classic-Modelle

iPod Classic

Als wir 2012 umgezogen sind, habe ich meiner Frau zum Einstieg an ihrer neuen Schule einen eigenen iPod Classic geschenkt. Sie hat schon das neuere Modell, die Unterschiede sind gering, ein paar werden unten erwähnt. Für uns Musiklehrer ist es von Vorteil, immer die gesamte Musik mit uns zu führen, denn so müssen wir nie an die CDs oder sonstige Tonträger denken.Damals musste ich für das „große“ Modell mit ca. 350 € einen gefühlt „dicken Batzen Geld“ bezahlen, doch verteilt man diese Summe gleichmäßig auf die Nutzungsdauer, dann hat mich das Gerät bis zum aktuellen Zeitpunkt jährlich nur ca. 50 € gekostet. Und da ich den iPod immer weiter benutzen werde, bis er auseinander fällt (und selbst dann werde ich ihn, falls möglich, erst einmal reparieren lassen), wird dieser Betrag immer weiter sinken.

Die großen Pluspunkte

Was mich an dem Gerät so begeistert? Fast alles! Hier die Details:

  • Speicherkapazität: 160 GB –– meine gesamte Musik passt drauf und sogar noch ein paar Hörbücher. Zum Zeitpunkt des Kaufs war meine Musiksammlung noch nicht so groß wie heute, daher hatte ich damals sogar noch Platz für etliche Podcasts und alle Hörbücher, doch im Lauf der Jahre ist sowohl aus beruflichen wie auch privaten Gründen die Musiksammlung gewaltig angewachsen. Aber selbst diese passt immer noch komplett auf den einen iPod. Und das ist fantastisch!
  • Bedienung: Ich verstehe als iPad- und iPhone-Nutzer schon die Vorteile des Touchscreens, dennoch ist das Click Wheel meiner Erfahrung nach keine schlechte Option zur Steuerung. So kann ich das Gerät auch bedienen, wenn ich nicht (oder nicht genau) hinsehe. Wenn der iPod beim Gehen in der Jacken- oder Hosentasche oder am Gürtel steckt, muss ich ihn nur in der Hand fühlen, um zielsicher die korrekten Stellen drücken zu können.
  • Batterie-Laufzeit: Die Batterielaufzeit ist derart gigantisch, dass ich in den gesamten sieben Jahren meiner Nutzung nur ein einziges Mal an den Zustand gekommen bin, dass der Akku leer war. Und da hatte ich den iPod mehrere Tage nicht aufgeladen und dann zum Einschlafen ein Hörbuch gehört. Kaum war ich eingeschlafen, rutschten mir die Kopfhörer aus dem Ohr — der iPod lief aber immer weiter. Als ich dann zehn oder zwölf Stunden später im Unterricht stand, war der Akku zu Ende… Ansonsten hatte ich noch nie Probleme mit der Akkulaufzeit.
  • Noch mit dem alten Dock-Connector-Anschluss: Ich bin keiner der Typen, die dem alten Dock-Connector hinterher trauern, denn der Stecker konnte nur in einer Ausrichtung eingesteckt werden und war ziemlich groß. (Außerdem gehöre ich auch nicht zu jenen Menschen, die Apple einen Vorwurf daraus machen, einmal in zehn Jahren den Anschluss zu verändern. Wer da laut aufschreit, sollte sich einmal die Konkurrenz ansehen: Samsung hatte im gleichen Zeitraum ca. 17 verschiedene Anschlusskabel für seine Mobiltelefone und Musikabspielgeräte auf den Markt geworfen.) Aber: Viele Zusatzgeräte, die den Anschluss eines iPods, iPhones oder iPads erlauben, arbeiten noch mit dem alten Dock-Connector. So auch der iPod-Adapter in unserem Auto. Ich bin ja glücklich, dass es den überhaupt gibt, denn so kann ich eine lange Autofahrt bequem nach meinen Wünschen beschallen.
  • iPod-Spiele: Dieser Punkt gehört eigentlich in einen separaten Artikel, doch ich muss schon sagen, dass diese Spiele mich bis heute immer wieder mal faszinieren können. Natürlich ist der iPod in dieser Hinsicht dem iPhone und iPad massiv unterlegen, doch gerade meine Favoriten –– Sudoku, Mahjongg und Zuma –– sind derart gut umgesetzt, dass ich immer wieder gern auf sie zurückgreife.

Die wenigen Minuspunkte

An so einem Gerät muss es natürlich auch den einen oder anderen kleineren Nachteil geben:

  • Sinnloser Schnickschnack: Mit dem damals (gemeint ist mit dem iPod Classic) neu eingeführten Menü, das den Bildschirm vertikal ungefähr in der Mitte teilt, wurde schlicht und einfach kein Mehrwert eingeführt. Es handelt sich um optischen Schnickschnack, der nicht zu einer Verbesserung des Erlebnisses beiträgt. Denn man kann nicht einfach eines der in der rechten Spalte per Zufall angezeigten Cover auswählen. Ich würde mich über diese Option freuen, denn — und das halte ich für den hauptsächlichen Sinn und Zweck dieser neuen Menüführung — so entdeckt man spontan das eine oder andere Album, an das man lange nicht mehr gedacht hat, gerade angesichts der Größe der Mediathek. Im aktuellen Zustand (also ohne die Möglichkeit, die rechts angezeigten Cover direkt anzuspringen) ist es aber wirklich nur ein bisschen Optik ohne Mehrwert.
  • Keine Kopfhörersteuerung: Das Nachfolgermodell, bei dem es nur noch die 160 GB-Modelle gibt, unterstützt die erst nach der Markt-Einführung des iPod entwickelte Lautstärke-Regelung über den Kopfhörer. Mein Modell vermag das noch nicht. Ich kann es dem iPod nicht vorwerfen, denn er ist halt vorher entwickelt worden, aber das wäre schon eine deutliche Steigerung der Bequemlichkeit.
  • Langsame Festplatte: Der iPod Classic schafft seine lange Akkulaufzeit vor allem deswegen, weil er eine gebremste Festplatte benutzt (das heißt: die Platte läuft bei einer deutlich niedrigeren Geschwindigkeit als jene, für die sie maximal ausgelegt wurde). Das ist schön für die Nutzungsdauer, zwingt aber den Nutzer gelegentlich zur Geduld, wenn man erst warten muss, bis die Platte angefahren ist, um durch das Menü zu navigieren.

Fazit

Der iPod Classic ist — wie sein Name schon vorwegnimmt — ein Klassiker. Er stellt für mich den höchsten Punkt der technologischen Entwicklung vor der Umstellung auf Touchscreens dar. Hinsichtlich der Speicherkapazität übertrifft er nach wie vor alle von Apple angebotenen Geräte mit Touch-Steuerung. Und genau da liegt auch sein größter Vorteil. Der iPod Classic verpackt diese Qualitäten in einem eleganten Äußeren, sein Akku hält lange genug, um jeden Musikhörer lange Zeit zu beglücken. Was könnte es schöneres geben?

Nachtrag

Vor zwei Wochen hat mein nunmehr fast sieben Jahre alter iPod Classic seinen Geist aufgegeben. Er startet neu, schafft es nicht, versucht es wieder, schafft es nicht etc. Vermutlich ist die Festplatte defekt, zumindest macht sie recht bedenkliche Geräusche. Leider kann sie nicht ausgetauscht werden. Zumindest bietet Apple für das alte Modell keinen Service mehr an. Zugegeben: sieben Jahre sind eine lange Zeit (und Apple ist berühmt dafür, alte Zöpfe abzuschneiden).

Aber ich musste mir dann ganz schnell bei Amazon einen neuen bestellen. Zum Glück ist der Preis seit damals (350 €) auf 205 € gesunken, das machte die Sache weniger schmerzlich. Nun kann ich wieder genießen… und das sogar mit der oben erwähnten Kopfhörersteuerung! Zusätzlich ist der neue iPod trotz gleicher Speicherkapazität deutlich dünner, wie das Bild beweist.

Der alte ist dicker.

Das alte Modell ist deutlich dicker.

Nachtrag 2

Meine mittlerweile gehäufte Anzahl an Jahren der dauerhaften iPod-Benutzung hat mich sicher schon etwas vom persönlichen Genuss der eigenen (im Sinne von »selbst gewählten«) Musik verlieren lassen. Aber der Genuss ist immer noch da. Heute jedoch hat meine sechsjährige Tochter zum allerersten Mal allein nach ihrem Geschmack querbeet Musik ihrer Wahl von meinem iPod Classic hören dürfen. Und dieses ganz von aller Künstlichkeit befreite, aus sich heraus glückselige Schwelgen in einem Meer von Musik war ein wahrhaft erhebender Anblick.

Nachtrag 3 (10. September 2014)

Gestern war die Apple Keynote, auf der iPhone 6, iPhone 6+ und die Apple Watch vorgestellt wurden. Letztere werde ich mir sicher nicht entgehen lassen. Aber: Im Zuge der Aktualisierung des AppleStores wurde der iPod Classic aus dem Sortiment genommen. Da war es ja fast so etwas wie Glück, dass ich vor ein paar Wochen mein Ersatzgerät gekauft habe…

Nachtrag 4 (29. Oktober 2014)

Vor ein paar Tagen fand ich bei MacDailyNews einen Artikel, der erklärt, warum Apple den iPod Classic nicht mehr produziert. Der Grund ist gänzlich unerwartet ausgefallen, aber dafür völlig verständlich: Es gibt keinen Hersteller mehr für die benötigten Teile. Das erschwert die Herstellung natürlich enorm. Gleichzeitig hat Apple wohl erwogen, das Gerät neu zu designen, doch da die Zahl der Benutzer, die sich für ein derartiges Gerät interessieren, verschwindend gering sei, habe man den Plan verworfen. Schade, sehr schade — aber verständlich.

 

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