Lese- und Hörvergnügen

Stephen King - Der Anschlag

Ich lese gern, eigentlich verschlinge ich Bücher geradezu. Allerdings sieht man mir das äußerlich nicht wirklich an, denn ich trage keine Bücherstapel mit mir herum — ich lese seit dem Erscheinen des ersten iPads im Jahr 2010 fast ausschließlich digital. Außerdem schätze ich Hörbücher, die ich vor allem beim Sporteln anhöre, wenn ich die Hände nicht frei habe.

Heute habe ich ein solches Hörbuch zu Ende gehört. Es handelt sich um „Der Anschlag“ von Stephen King. Wer schon einige meiner früheren Blog-Einträge gelesen hat, könnte bemerkt haben, dass ich mich ganz ohne Scheu mit den Werken dieses vermeintlichen Schund-Autors auseinandersetze. Meine Mutter beispielsweise würde niemals ein Buch von Stephen King lesen. Als sie nach einer Knie-Operation auf Reha war, brachte ich ihr „The Green Mile“ als Taschenbuch mit. Das war vor fast zwei Jahren, gelesen hat sie bis heute wohl keine Zeile davon.

Als Teenager habe ich einige seiner Werke, die eher dem Horror-Genre zuzurechnen sind (z.B. „Friedhof der Kuscheltiere“ oder „Brennen muss Salem“) gelesen (und damals genossen). Heute fasziniert mich das Horror-Genre nicht mehr in diesem Ausmaß. Als ich mir „Shining“ als Hörbuch reinzog, musste ich immer wieder mal pausieren, denn das war schon recht stärker Tobak.

Spätestens seit „The Green Mile“ jedoch hat Stephen Kings Ruf einen gewaltigen Schritt heraus aus der verpönten Horror-Ecke gemacht. Mittlerweile ist er einfach als genialer Geschichtenerzähler bekannt — und genau diese Eigenschaft schätze ich an seinen Werken. Ganz ähnlich ergeht es mir übrigens mit den Werken von Dean R. Koontz, der auch Werke in verschiedenen Genres schreibt, dessen Erzählweise zumindest meiner Einschätzung nach der Stephen Kings in nichts nachsteht.

Auf die Idee, mir „Der Anschlag“ anzuhören, kam ich beim Stöbern im iTunes-Store, denn dort wurde das Hörbuch mit satten 31 Stunden Laufzeit für 6,99 € angeboten. „Das ist ja nun ein echtes Schnäppchen!“ — gedacht, gekauft, geladen. Ich weiß nicht einmal mehr, ob ich mir die Zeit genommen hatte, die Inhaltsangabe zu lesen. Ich bin auch eher froh, dies nicht getan zu haben, denn das vordergründige Thema — der Anschlag auf Präsident John F. Kennedy — hätte mich nicht hinter dem Ofen hervorlocken können. Gerade weil dieses Thema von so vielen Verschwörungstheorien umgeben ist, einer der großen Plagen unserer Zeit.

Doch dem Autor gelingt der große Wurf, denn das Attentat degradiert im Verlauf der Geschichte immer mehr zu einem Nebenschauplatz, zeitweise gerät es sogar ganz in Vergessenheit. Die Personen, die die Handlung maßgeblich bestimmen, werden dagegen so lebendig, so überzeugend und plastisch, dass man am Ende der Geschichte mit einem Gefühl der Leere zurückbleibt und weiter in das Netz der einzelnen Fäden der Geschichte eingewoben werden möchte. Und gleichzeitig weiß man, dass es keine Fortsetzung geben darf, denn sie würde das mühsam aufgebaute Kartenhaus zum Einsturz bringen.

Mehr zum Inhalt möchte ich nicht verraten, denn das gehört sich nicht. Wer allerdings ein wenig Appetit auf diese Geschichte bekommen hat, der kann damit nicht viel falsch machen. Da das Hörbuch tatsächlich billiger als die gedruckte Version ist — und mit David Nathan ein exzellenter Vorleser gefunden wurde —, würde ich auch dazu raten.

 

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