Archiv für den Monat August 2014

Ein Klassiker

Einleitung

Nur selten werden technische Geräte so perfekt benannt wie mein iPod Classic von Apple. Das Gerät begleitet mich seit 2007 (das sind immerhin schon gute sieben Jahre) täglich daheim und bei der Arbeit. Er ersetzte seinen Vorgänger, den weißen iPod (mit 80 GB).

Zwei iPod Classic-Modelle

iPod Classic

Als wir 2012 umgezogen sind, habe ich meiner Frau zum Einstieg an ihrer neuen Schule einen eigenen iPod Classic geschenkt. Sie hat schon das neuere Modell, die Unterschiede sind gering, ein paar werden unten erwähnt. Für uns Musiklehrer ist es von Vorteil, immer die gesamte Musik mit uns zu führen, denn so müssen wir nie an die CDs oder sonstige Tonträger denken.Damals musste ich für das „große“ Modell mit ca. 350 € einen gefühlt „dicken Batzen Geld“ bezahlen, doch verteilt man diese Summe gleichmäßig auf die Nutzungsdauer, dann hat mich das Gerät bis zum aktuellen Zeitpunkt jährlich nur ca. 50 € gekostet. Und da ich den iPod immer weiter benutzen werde, bis er auseinander fällt (und selbst dann werde ich ihn, falls möglich, erst einmal reparieren lassen), wird dieser Betrag immer weiter sinken.

Die großen Pluspunkte

Was mich an dem Gerät so begeistert? Fast alles! Hier die Details:

  • Speicherkapazität: 160 GB –– meine gesamte Musik passt drauf und sogar noch ein paar Hörbücher. Zum Zeitpunkt des Kaufs war meine Musiksammlung noch nicht so groß wie heute, daher hatte ich damals sogar noch Platz für etliche Podcasts und alle Hörbücher, doch im Lauf der Jahre ist sowohl aus beruflichen wie auch privaten Gründen die Musiksammlung gewaltig angewachsen. Aber selbst diese passt immer noch komplett auf den einen iPod. Und das ist fantastisch!
  • Bedienung: Ich verstehe als iPad- und iPhone-Nutzer schon die Vorteile des Touchscreens, dennoch ist das Click Wheel meiner Erfahrung nach keine schlechte Option zur Steuerung. So kann ich das Gerät auch bedienen, wenn ich nicht (oder nicht genau) hinsehe. Wenn der iPod beim Gehen in der Jacken- oder Hosentasche oder am Gürtel steckt, muss ich ihn nur in der Hand fühlen, um zielsicher die korrekten Stellen drücken zu können.
  • Batterie-Laufzeit: Die Batterielaufzeit ist derart gigantisch, dass ich in den gesamten sieben Jahren meiner Nutzung nur ein einziges Mal an den Zustand gekommen bin, dass der Akku leer war. Und da hatte ich den iPod mehrere Tage nicht aufgeladen und dann zum Einschlafen ein Hörbuch gehört. Kaum war ich eingeschlafen, rutschten mir die Kopfhörer aus dem Ohr — der iPod lief aber immer weiter. Als ich dann zehn oder zwölf Stunden später im Unterricht stand, war der Akku zu Ende… Ansonsten hatte ich noch nie Probleme mit der Akkulaufzeit.
  • Noch mit dem alten Dock-Connector-Anschluss: Ich bin keiner der Typen, die dem alten Dock-Connector hinterher trauern, denn der Stecker konnte nur in einer Ausrichtung eingesteckt werden und war ziemlich groß. (Außerdem gehöre ich auch nicht zu jenen Menschen, die Apple einen Vorwurf daraus machen, einmal in zehn Jahren den Anschluss zu verändern. Wer da laut aufschreit, sollte sich einmal die Konkurrenz ansehen: Samsung hatte im gleichen Zeitraum ca. 17 verschiedene Anschlusskabel für seine Mobiltelefone und Musikabspielgeräte auf den Markt geworfen.) Aber: Viele Zusatzgeräte, die den Anschluss eines iPods, iPhones oder iPads erlauben, arbeiten noch mit dem alten Dock-Connector. So auch der iPod-Adapter in unserem Auto. Ich bin ja glücklich, dass es den überhaupt gibt, denn so kann ich eine lange Autofahrt bequem nach meinen Wünschen beschallen.
  • iPod-Spiele: Dieser Punkt gehört eigentlich in einen separaten Artikel, doch ich muss schon sagen, dass diese Spiele mich bis heute immer wieder mal faszinieren können. Natürlich ist der iPod in dieser Hinsicht dem iPhone und iPad massiv unterlegen, doch gerade meine Favoriten –– Sudoku, Mahjongg und Zuma –– sind derart gut umgesetzt, dass ich immer wieder gern auf sie zurückgreife.

Die wenigen Minuspunkte

An so einem Gerät muss es natürlich auch den einen oder anderen kleineren Nachteil geben:

  • Sinnloser Schnickschnack: Mit dem damals (gemeint ist mit dem iPod Classic) neu eingeführten Menü, das den Bildschirm vertikal ungefähr in der Mitte teilt, wurde schlicht und einfach kein Mehrwert eingeführt. Es handelt sich um optischen Schnickschnack, der nicht zu einer Verbesserung des Erlebnisses beiträgt. Denn man kann nicht einfach eines der in der rechten Spalte per Zufall angezeigten Cover auswählen. Ich würde mich über diese Option freuen, denn — und das halte ich für den hauptsächlichen Sinn und Zweck dieser neuen Menüführung — so entdeckt man spontan das eine oder andere Album, an das man lange nicht mehr gedacht hat, gerade angesichts der Größe der Mediathek. Im aktuellen Zustand (also ohne die Möglichkeit, die rechts angezeigten Cover direkt anzuspringen) ist es aber wirklich nur ein bisschen Optik ohne Mehrwert.
  • Keine Kopfhörersteuerung: Das Nachfolgermodell, bei dem es nur noch die 160 GB-Modelle gibt, unterstützt die erst nach der Markt-Einführung des iPod entwickelte Lautstärke-Regelung über den Kopfhörer. Mein Modell vermag das noch nicht. Ich kann es dem iPod nicht vorwerfen, denn er ist halt vorher entwickelt worden, aber das wäre schon eine deutliche Steigerung der Bequemlichkeit.
  • Langsame Festplatte: Der iPod Classic schafft seine lange Akkulaufzeit vor allem deswegen, weil er eine gebremste Festplatte benutzt (das heißt: die Platte läuft bei einer deutlich niedrigeren Geschwindigkeit als jene, für die sie maximal ausgelegt wurde). Das ist schön für die Nutzungsdauer, zwingt aber den Nutzer gelegentlich zur Geduld, wenn man erst warten muss, bis die Platte angefahren ist, um durch das Menü zu navigieren.

Fazit

Der iPod Classic ist — wie sein Name schon vorwegnimmt — ein Klassiker. Er stellt für mich den höchsten Punkt der technologischen Entwicklung vor der Umstellung auf Touchscreens dar. Hinsichtlich der Speicherkapazität übertrifft er nach wie vor alle von Apple angebotenen Geräte mit Touch-Steuerung. Und genau da liegt auch sein größter Vorteil. Der iPod Classic verpackt diese Qualitäten in einem eleganten Äußeren, sein Akku hält lange genug, um jeden Musikhörer lange Zeit zu beglücken. Was könnte es schöneres geben?

Nachtrag

Vor zwei Wochen hat mein nunmehr fast sieben Jahre alter iPod Classic seinen Geist aufgegeben. Er startet neu, schafft es nicht, versucht es wieder, schafft es nicht etc. Vermutlich ist die Festplatte defekt, zumindest macht sie recht bedenkliche Geräusche. Leider kann sie nicht ausgetauscht werden. Zumindest bietet Apple für das alte Modell keinen Service mehr an. Zugegeben: sieben Jahre sind eine lange Zeit (und Apple ist berühmt dafür, alte Zöpfe abzuschneiden).

Aber ich musste mir dann ganz schnell bei Amazon einen neuen bestellen. Zum Glück ist der Preis seit damals (350 €) auf 205 € gesunken, das machte die Sache weniger schmerzlich. Nun kann ich wieder genießen… und das sogar mit der oben erwähnten Kopfhörersteuerung! Zusätzlich ist der neue iPod trotz gleicher Speicherkapazität deutlich dünner, wie das Bild beweist.

Der alte ist dicker.

Das alte Modell ist deutlich dicker.

Nachtrag 2

Meine mittlerweile gehäufte Anzahl an Jahren der dauerhaften iPod-Benutzung hat mich sicher schon etwas vom persönlichen Genuss der eigenen (im Sinne von »selbst gewählten«) Musik verlieren lassen. Aber der Genuss ist immer noch da. Heute jedoch hat meine sechsjährige Tochter zum allerersten Mal allein nach ihrem Geschmack querbeet Musik ihrer Wahl von meinem iPod Classic hören dürfen. Und dieses ganz von aller Künstlichkeit befreite, aus sich heraus glückselige Schwelgen in einem Meer von Musik war ein wahrhaft erhebender Anblick.

Nachtrag 3 (10. September 2014)

Gestern war die Apple Keynote, auf der iPhone 6, iPhone 6+ und die Apple Watch vorgestellt wurden. Letztere werde ich mir sicher nicht entgehen lassen. Aber: Im Zuge der Aktualisierung des AppleStores wurde der iPod Classic aus dem Sortiment genommen. Da war es ja fast so etwas wie Glück, dass ich vor ein paar Wochen mein Ersatzgerät gekauft habe…

Nachtrag 4 (29. Oktober 2014)

Vor ein paar Tagen fand ich bei MacDailyNews einen Artikel, der erklärt, warum Apple den iPod Classic nicht mehr produziert. Der Grund ist gänzlich unerwartet ausgefallen, aber dafür völlig verständlich: Es gibt keinen Hersteller mehr für die benötigten Teile. Das erschwert die Herstellung natürlich enorm. Gleichzeitig hat Apple wohl erwogen, das Gerät neu zu designen, doch da die Zahl der Benutzer, die sich für ein derartiges Gerät interessieren, verschwindend gering sei, habe man den Plan verworfen. Schade, sehr schade — aber verständlich.

 

Getaggt mit , , , , ,

Dinge, die so richtig „Spaß“ machen

Der Woodport in Einzelteilen

Heute sollte er eigentlich stehen, der neue Carport. Bevor ich dazu komme, warum ich den heutigen Eintrag so komisch beginne: Die Bezeichnung „Carport“ ist zugleich korrekt und irreführend, denn unser Auto hat schon einen Carport, einen richtig großen und schönen, mit dem wir mehr als zufrieden sind, es gibt gar nichts daran auszusetzen. Aber da wir im Winter überwiegend mit Brennholz heizen, muss das Holz ja auch irgendwo trocken gelagert werden. Es geht dabei nicht um ein oder zwei kleine Kistchen Holz, nein wir verheizen im Winter gut und gerne vier Raummeter Buchenholz. Klingt nach wenig, ist aber recht umfangreich. Das muss irgendwo gelagert werden. Und genau zu diesem Zweck sollte heute der Carport aufgebaut werden. Eigentlich könnte er ja nun auch „Woodport“ heißen…

Im Lauf der letzten Wochen haben meine Frau und ich den Platz dafür mit Schotter aufgefüllt, die Balkenanker für den Woodport einzementiert, den Schotter mittels einer Rüttelplatte verdichtet, eine Schicht Split darüber geschüttet, dann noch die Pflastersteine gesetzt. Alles war fertig, es fehlte nur noch das Errichten des Woodports. Und das sollte heute geschehen. Gestern wurde extra zu diesem Zweck eine Handkreissäge angeschafft. Und heute früh, kurz nach acht Uhr, standen wir dann also bereit. Es wurde abgemessen, dann war gleich wieder ein Gang zum Baumarkt nötig, da wir keinen Holzbohrer mit 12 bzw. 14 Millimetern Durchmesser besaßen. Erledigt. Gehört uns. Löcher gebohrt. Passt.

Doch dann merkten wir irgendwann, dass die Beschläge, die mitgeliefert worden waren, nicht ganz passen konnten. Einerseits verlangte die Aufbauanleitung zum Fixieren der Dachträgerbalken (die sind sehr lang und bestehen aus Gründen der Lieferung aus drei Stücken) acht Lochplatten, die dann an den vier Überlappungsstellen von zwei Seiten anzuschrauben wären. Dafür waren aber vier Lochplatten zu wenig in der Packung. Dann fehlten Schrauben, mittels derer die Balken an den Balkenfüßen fixiert werden sollen. Kurzum, wir merkten, dass uns das falsche Beschläge-Set geschickt worden war. Ein kurzer Kontrollblick in den Papiermüll zeigte uns, dass die Kiste außen korrekt („Eco 2“) beschriftet worden war — nur passte der Inhalt nicht dazu (es lag sogar ein kleiner Zettel mit „Eco 1“-Aufschrift innen). Dämlich!

Nach einem kurzen Telefonat mit der Firma, bei der das komplette Set bestellt worden war, wurde uns versprochen, dass ein neues Set schon auf dem Weg sei. Guter Service, keine Klagen von meiner Seite. Doch das dauert dann wieder ca. eine Woche, in der wir mit halb montierten Einzelteilen warten. Und das ärgert mich. Denn in der Woche hätte ich schon das Holz bestellt, gehackt und einsortiert. Oder andere schöne Sachen gemacht. Ein unvollendetes Projekt liegt einem aber immer irgendwie schwer im Magen, das lässt mich nicht wirklich zur Ruhe kommen.

Ich bin mir sicher, dass man hierfür keiner der am Versand beteiligten Personen einen Vorwurf machen kann, denn außen war die Schachtel so etikettiert, dass es zu unserem Modell gepasst hätte. Der Typ aber, der das verbockt hat, den soll — mit den Worten von Hennes Bender — der Blitz beim Kacken treffen!

 

Getaggt mit , ,

Zugriff auf Kontakte? — App gelöscht!

Heute habe ich die Vimeo-App von meinem iPad gelöscht. Der Entschluss dazu fiel innerhalb einer Sekunde. Vielleicht sogar schneller. Beim Öffnen (vor ein paar Tagen gab es ein Update, seither hatte ich die App noch nicht wieder benutzt) grinste mich ein Smiley an, dazu gab es einen Text aus der App, der mich bat, auf meine Kontakte zugreifen zu dürfen, damit ich „schneller meine Freunde finden“ könne.

Deswegen habe ich die App aber noch nicht gelöscht.

Der Grund war, dass es auf dieser den ganzen iPad-Bildschirm ausfüllenden Seite nur einen einzigen Button gab. Und dieser war mit „Fortfahren“ (bzw. „Continue“) beschriftet. Und das war’s für mich dann. Ich schloss die App, hielt das Icon gedrückt und betätigte das „magische X“. Aus und vorbei.

Ich möchte kurz erklären, warum ich da so rigoros bin. Die Adressdaten in meinem Adressbuch gehen niemanden außer mir etwas an. Wenn eine App auf meine Kontaktdaten zugreifen möchte, dann darf sie mich gerne danach fragen. Ich erwarte aber eine echte Auswahl. Das bedeutet, es muss für mich auch die Option geben, diese Aufforderung abzulehnen. Diese sah ich nicht.

Nach dem Löschen der App bin ich auch noch in den App-Store gegangen und habe die schlechtest mögliche Wertung für die Vimeo-App hinterlassen. Ganz offensichtlich ging es nicht nur mir so, denn dort tummelten sich noch viele andere, die ihr Adressbuch nicht preisgeben wollten. Ein einziger hielt dagegen, dass man da einfach auf „Continue“ tippen und das später ändern könne. Aber genau das möchte ich ja nicht.

Sobald ich erst einmal die Daten freigegeben habe, ist das dann ja nur noch Kosmetik. Das wäre so, als ließe ein Arzt einen Wildfremden mal zehn oder fünfzehn Minuten in der Patientenkartei herumsuchen. Er kann danach noch so gut den Aktenschrank verschließen oder das Passwort seines Praxisrechners abändern, die bereits entnommenen Daten sind dann nicht mehr vertraulich (und können es auch nicht mehr werden). Und das darf einfach nicht passieren.

Vimeo hat sich in den letzten Monaten bei der iOS-App schon sehr eigenartig dargestellt. Im Prinzip ist es ein meiner Wahrnehmung nach recht sympathischer Dienst, denn es gibt in der Web-Version (also über vimeo.com) sehr klare und auch für jedes hochgeladene Video einzeln definierbare Einstellungen zur Privatsphäre. Mir imponiert vor allem die Option, Einbettungen und Downloads zu unterbinden, beides ist in meinem Konto grundsätzlich sehr restriktiv festgesetzt.

Nun konnte ich aber seit einiger Zeit meine eigenen Videos, und vor allem deretwegen habe ich mich damals gegen YouTube und für Vimeo entschieden, über die App nicht mehr so einfach finden. Früher einmal wurden vor allem die eigenen Videos auf dem Startbildschirm gezeigt. Perfekt! Da es sich nur um Familienvideos handelte, wollte ich auch vor allem im Kreis der Familie diese Videos zeigen. Und genau das klappte nicht mehr. Aaaaargh!

Nun gut, das Kapitel ist beendet. Ich werde nur noch die Web-Version nutzen. Schade auch, aber man kann es sich mit den Nutzern auch gründlich versauen. Wie eben heute geschehen.

Sollte aus irgendeinem seltsamen Zufall jemand diesen Artikel lesen, der auch mit App-Entwicklung zu tun hat, dann sollte derjenige sich das zu Herzen nehmen und bedenken, dass spätestens seit Edward Snowden vielen Menschen die digitale Privatsphäre deutlicher denn je bewusst ist. Einen pauschalen Zugriff auf alle Daten wünscht sich kaum ein Nutzer (mehr). Wer sich also — und es ist dabei völlig egal, welcher Art die App ist — so dreist und ungeschickt auf die Datenjagd begibt, muss damit rechnen, von den Nutzern schleunigst gelöscht zu werden. Von mir auf jeden Fall.

 

Getaggt mit , , , ,

Lese- und Hörvergnügen

Stephen King - Der Anschlag

Ich lese gern, eigentlich verschlinge ich Bücher geradezu. Allerdings sieht man mir das äußerlich nicht wirklich an, denn ich trage keine Bücherstapel mit mir herum — ich lese seit dem Erscheinen des ersten iPads im Jahr 2010 fast ausschließlich digital. Außerdem schätze ich Hörbücher, die ich vor allem beim Sporteln anhöre, wenn ich die Hände nicht frei habe.

Heute habe ich ein solches Hörbuch zu Ende gehört. Es handelt sich um „Der Anschlag“ von Stephen King. Wer schon einige meiner früheren Blog-Einträge gelesen hat, könnte bemerkt haben, dass ich mich ganz ohne Scheu mit den Werken dieses vermeintlichen Schund-Autors auseinandersetze. Meine Mutter beispielsweise würde niemals ein Buch von Stephen King lesen. Als sie nach einer Knie-Operation auf Reha war, brachte ich ihr „The Green Mile“ als Taschenbuch mit. Das war vor fast zwei Jahren, gelesen hat sie bis heute wohl keine Zeile davon.

Als Teenager habe ich einige seiner Werke, die eher dem Horror-Genre zuzurechnen sind (z.B. „Friedhof der Kuscheltiere“ oder „Brennen muss Salem“) gelesen (und damals genossen). Heute fasziniert mich das Horror-Genre nicht mehr in diesem Ausmaß. Als ich mir „Shining“ als Hörbuch reinzog, musste ich immer wieder mal pausieren, denn das war schon recht stärker Tobak.

Spätestens seit „The Green Mile“ jedoch hat Stephen Kings Ruf einen gewaltigen Schritt heraus aus der verpönten Horror-Ecke gemacht. Mittlerweile ist er einfach als genialer Geschichtenerzähler bekannt — und genau diese Eigenschaft schätze ich an seinen Werken. Ganz ähnlich ergeht es mir übrigens mit den Werken von Dean R. Koontz, der auch Werke in verschiedenen Genres schreibt, dessen Erzählweise zumindest meiner Einschätzung nach der Stephen Kings in nichts nachsteht.

Auf die Idee, mir „Der Anschlag“ anzuhören, kam ich beim Stöbern im iTunes-Store, denn dort wurde das Hörbuch mit satten 31 Stunden Laufzeit für 6,99 € angeboten. „Das ist ja nun ein echtes Schnäppchen!“ — gedacht, gekauft, geladen. Ich weiß nicht einmal mehr, ob ich mir die Zeit genommen hatte, die Inhaltsangabe zu lesen. Ich bin auch eher froh, dies nicht getan zu haben, denn das vordergründige Thema — der Anschlag auf Präsident John F. Kennedy — hätte mich nicht hinter dem Ofen hervorlocken können. Gerade weil dieses Thema von so vielen Verschwörungstheorien umgeben ist, einer der großen Plagen unserer Zeit.

Doch dem Autor gelingt der große Wurf, denn das Attentat degradiert im Verlauf der Geschichte immer mehr zu einem Nebenschauplatz, zeitweise gerät es sogar ganz in Vergessenheit. Die Personen, die die Handlung maßgeblich bestimmen, werden dagegen so lebendig, so überzeugend und plastisch, dass man am Ende der Geschichte mit einem Gefühl der Leere zurückbleibt und weiter in das Netz der einzelnen Fäden der Geschichte eingewoben werden möchte. Und gleichzeitig weiß man, dass es keine Fortsetzung geben darf, denn sie würde das mühsam aufgebaute Kartenhaus zum Einsturz bringen.

Mehr zum Inhalt möchte ich nicht verraten, denn das gehört sich nicht. Wer allerdings ein wenig Appetit auf diese Geschichte bekommen hat, der kann damit nicht viel falsch machen. Da das Hörbuch tatsächlich billiger als die gedruckte Version ist — und mit David Nathan ein exzellenter Vorleser gefunden wurde —, würde ich auch dazu raten.

 

Getaggt mit , , , ,