»Botox to go«

Botox to go

Beim Gang von meiner Arbeitsstelle in die Innenstadt von Aalen passiere ich ein Facharzt-Zentrum. Unten im Gebäude ist auch ein Café untergebracht. Im Schaufenster wird der mittlerweile unverzichtbare „Coffee-to-go“ beworben. Knapp schräg darüber kam anscheinend einer der Ärzte im Haus auf die Idee, den Spruch an seine Bedürfnisse anzupassen.

Und damit haben wir meiner Meinung nach eine neue Tiefststufe auf der Skala der gesellschaftlichen Entwicklung erreicht: Als ob es nicht genügte, dass es die Option des „Aufspritzens“ überhaupt gibt (und sie wohl auch nicht sooo selten genutzt wird). Nun muss man schon in die Versuchung geführt werden, schnell mal nebenher ein paar Fältchen „auszuradieren“.

Wohin sind die Zeiten, in denen man einfach in Würde altern konnte? Mein Lieblings-Beispiel ist hierbei der allseits bekannte James Bond-Darsteller Sean Connery. Zu dem Zeitpunkt, als er noch so jung war, als britischer Geheimagent aufzutreten, war er — ganz ehrlich — nicht allzu „erotisch“. Mit dem Alter entwickelte er sich zu einem echten „Charakterkopf“. Gerade die Rollen, in die er erst hineinaltern musste, füllte er mit unvergleichlichem Charme aus. Dabei denke ich vor allem an „Jagd auf Roter Oktober“ oder „Verlockende Falle“.

Ähnlich verhält es sich bei Bill Cosby, oder Gary Oldman… Die Liste könnte ich noch ein ganzes Stück erweitern. Und nicht nur mit Männern — was spricht dagegen, eine „reifere“ Darstellerin ihrer superben Darstellung wegen zu bewundern. Sigourney Weaver hat mit dem Alter eindeutig gewonnen (und das auch hinsichtlich ihrer erotischen Ausstrahlung, ich denke da an „Galaxy Quest“).

Doch zurück zum Thema! Für mich bräuchte es gar kein Botox, ich mag an meiner Frau jede einzelne Falte, jedes einzelne graue Haar (es sind ohnehin nicht viele). Denn die eine oder andere Falte haben wir uns gegenseitig eingebracht — und diese sichtbaren Beweise für die gemeinsam verbrachte Zeit sind viel zu wertvoll, um sie sich mit Botox wegspritzen zu lassen.

P.S.: Seit meinem 19. oder 20. Lebensjahr verliere ich Stück für Stück Teile meiner Kopfbehaarung. Das ist für mich aber kein Grund, mich groß zu grämen, ich wandle einfach auf den Spuren von Patrick Stewart, noch einem der großartig gealterten Darsteller.

 

Advertisements
Getaggt mit , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: