Archiv für den Monat April 2014

Hol mir mal den Nürnberger Trichter…

Der Nürnberger Trichter in Aktion

In einer meiner Klassen habe ich einen Schüler, der mich dauernd mit der Frage löchert, wann ich denn Geburtstag habe. Im Prinzip ist es ja schmeichelhaft, dass ein Schüler so großes Interesse an mir als Person besitzt, ich bin aber nicht gewillt, alle meinen persönlichen Daten preiszugeben. Also verweigere ich seit mehreren Monaten schon die Antwort auf die gelegentlich bis zu fünfzehn oder zwanzig Mal am Tag gestellte Frage.

Heute war mal wieder so ein Tag. Irgendwann änderte er die Taktik: „Können Sie mir mal die Telefonnummer von einem geben, der Sie gut kennt?“ Ich überlegte kurz: „08-15…“ Seine Antwort: „Sie wissen schon, dass ich den wirklich anrufe. Wie heißt derjenige denn?“

Da stand ich nun. Was macht man in einer solchen Situation, wenn jemand keinen noch so großen Wink mit dem Scheunentor versteht? — In meiner Not erinnerte ich mich an ein geflügeltes Wort am Melanchthon-Gymnasium in Nürnberg, an dem ich während des Referendariats ein Jahr lang unterrichtete. Und dann schickte ich ihn zu unserer Schulsekretärin mit dem Auftrag: „Hol mir doch bitte mal den Nürnberger Trichter aus dem Sekretariat!“ Wie ein geölter Blitz zischte er ab.

Zwei Minuten später kam er — etwas außer Puste und dezent verärgert — wieder ins Klassenzimmer zurück. Vielleicht werde ich ja in den kommenden Wochen etwas seltener gefragt, wann mein Geburtstag ist…

Quelle zum Bild: http://franken-wiki.de/index.php/N%C3%BCrnberger_Trichter

 

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Scotch in Prag

Vor etwas mehr als zehn Jahren war ich ein Wochenende lang mit einigen Leuten in Prag. Der Grund war ein Musikwettbewerb, doch dieser ist für diese Geschichte nicht von Belang. Mir ist nur gerade beim Zähneputzen eine Absurdität aufgefallen, die ich auf dieser Fahrt erlebt habe.

Von Würzburg, wo ich damals noch wohnte, bis Prag sind es mehrere hundert Kilometer. Die Stadt Prag ist sehr spannend, es gibt außerordentlich viel anzusehen und zu erleben. Etwas mehr als ein Jahr nach dem Zeitpunkt, an dem diese Geschichte spielt, war ich mit meiner Frau dort. Und wir sind vier oder fünf Tage am Stück nur von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten gelaufen.

Doch was taten wir Musiker damals? Wir verbrachten den Abend allen Ernstes in der Bar des Hotels, in dem wir untergekommen waren. Nichts gegen das Hotel, auch nichts gegen die Bar. Aber es war (und wäre es heute genauso) einfach absurd, diese Entfernung (Würzburg-Prag) zu überwinden, um dann am Abend in der Hotelbar zu versumpfen. Mit nur 20 Minuten Fußmarsch (oder 5 Minuten Taxifahrt) wären wir im Zentrum gewesen. Und selbst als jemand, der nicht allzu großes Interesse an Nachtklubs oder solchen Veranstaltungen aufbringt, wäre ich dort sicher auf meine Kosten gekommen.

So aber saß ich damals in noch völliger Unkenntnis wahren Genusses und trank –– allein der Gedanke daran lässt mich zusammenzucken –– Scotch on the Rocks. Nicht nur, dass der Abend hinsichtlich des nicht wahrgenommenen Angebots einer solchen Weltstadt völlig vertan war, er war es eigentlich sogar doppelt, weil ich mit dem bestellten Eis im Scotch auch noch jegliches Aroma des Getränks töten ließ. Zumindest das weiß ich heute besser. Und sollte ich mal wieder in einer Kulturmetropole weilen, werde ich mir am Abend sicher besseres als die Hotelbar einfallen lassen. Und auf das Eis verzichte ich sowieso.

 

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»Botox to go«

Botox to go

Beim Gang von meiner Arbeitsstelle in die Innenstadt von Aalen passiere ich ein Facharzt-Zentrum. Unten im Gebäude ist auch ein Café untergebracht. Im Schaufenster wird der mittlerweile unverzichtbare „Coffee-to-go“ beworben. Knapp schräg darüber kam anscheinend einer der Ärzte im Haus auf die Idee, den Spruch an seine Bedürfnisse anzupassen.

Und damit haben wir meiner Meinung nach eine neue Tiefststufe auf der Skala der gesellschaftlichen Entwicklung erreicht: Als ob es nicht genügte, dass es die Option des „Aufspritzens“ überhaupt gibt (und sie wohl auch nicht sooo selten genutzt wird). Nun muss man schon in die Versuchung geführt werden, schnell mal nebenher ein paar Fältchen „auszuradieren“.

Wohin sind die Zeiten, in denen man einfach in Würde altern konnte? Mein Lieblings-Beispiel ist hierbei der allseits bekannte James Bond-Darsteller Sean Connery. Zu dem Zeitpunkt, als er noch so jung war, als britischer Geheimagent aufzutreten, war er — ganz ehrlich — nicht allzu „erotisch“. Mit dem Alter entwickelte er sich zu einem echten „Charakterkopf“. Gerade die Rollen, in die er erst hineinaltern musste, füllte er mit unvergleichlichem Charme aus. Dabei denke ich vor allem an „Jagd auf Roter Oktober“ oder „Verlockende Falle“.

Ähnlich verhält es sich bei Bill Cosby, oder Gary Oldman… Die Liste könnte ich noch ein ganzes Stück erweitern. Und nicht nur mit Männern — was spricht dagegen, eine „reifere“ Darstellerin ihrer superben Darstellung wegen zu bewundern. Sigourney Weaver hat mit dem Alter eindeutig gewonnen (und das auch hinsichtlich ihrer erotischen Ausstrahlung, ich denke da an „Galaxy Quest“).

Doch zurück zum Thema! Für mich bräuchte es gar kein Botox, ich mag an meiner Frau jede einzelne Falte, jedes einzelne graue Haar (es sind ohnehin nicht viele). Denn die eine oder andere Falte haben wir uns gegenseitig eingebracht — und diese sichtbaren Beweise für die gemeinsam verbrachte Zeit sind viel zu wertvoll, um sie sich mit Botox wegspritzen zu lassen.

P.S.: Seit meinem 19. oder 20. Lebensjahr verliere ich Stück für Stück Teile meiner Kopfbehaarung. Das ist für mich aber kein Grund, mich groß zu grämen, ich wandle einfach auf den Spuren von Patrick Stewart, noch einem der großartig gealterten Darsteller.

 

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Osterzeit — Körbezeit

Air Hahn

Gestern haben meine Frau und ich etwas verfrüht „den Osterhasen kommen lassen“, sprich: das lange geplante Ostergeschenk für die ganze Familie angeschafft.

Fertig aufgebaut und einsatzbereit

Obwohl ich persönlich nie eine allzu große Affinität zu Ballsportarten verspürte, stellte an meiner früheren Arbeitsstelle der Dienst in der Sporthalle beim Wochenenddienst eine willkommene Abwechslung zum Herumsitzen oder Herumlaufen im Internat dar. Basketballkörbe waren dort zuhauf montiert, also holte ich einen Ball und begann, für mich Körbe zu werfen, während die Schüler im anderen Hallenteil Fußball oder Badminton spielten (ganz kann ich nicht verhehlen, dass ich beim Badminton auch gerne wiederholt mein mangelndes Können unter Beweis stellte).

Und das bereitete mir eine nicht geringe Freude. Also besorgte ich mir im letzten Herbst einen eigenen Basketball (und auch gleich noch einen für jedes meiner Kinder, um den vorprogrammierten Streitereien um den Ball aus dem Weg zu gehen).

Zu Beginn belächelte ich mich ja schon fast selbst, wie ich mit dem Ball über den Hof prellte und mit meinen Kindern Bälle hin und her warf. Aber im Lauf der Monate kristallisierte sich heraus, dass der Spaß nicht weniger wurde. Dann entdeckte ich dieses wirklich stabile und dennoch mobile Modell eines Basketballkorbs bei Decathlon. Tja, und gestern haben wir den dann einfach angeschafft und aufgebaut. Seitdem geht's rund im Hof. Yeah!

 

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