Rush: „Roll the Bones“

Roll The Bones

Im September 1991 brachten Rush ihr 14. Studioalbum mit dem Titel „Roll the Bones“ heraus. Von vielen Fans wird das Album als eines der schwächeren, von manchen sogar als „Enttäuschung“ abgetan, mir geht es da ganz anders.

Ich war damals mit einem meiner Brüder in Nürnberg auf einem Konzert der „Roll the Bones-Tour“. Und obwohl ich zu dem Zeitpunkt noch nicht mehr als zwei oder drei Alben der Band kannte (neben diesem nur noch „Presto“ und „Grace Under Pressure“), war dieser Auftritt einfach unbeschreiblich gut. Diese Band, die nur aus drei Musikern besteht und sich auch für die Auftritte keinen vierten oder gar fünften Mann auf die Bühne stellt, ging im besten Sinn des Wortes routiniert zu Werke: Jeder Griff saß, das Set war geschmackvoll zusammengestellt, die Show war gut — und mich als damals noch nicht einmal Siebzehnjährigen hat das einfach umgehauen.

Wer Rush nicht kennt, mag sich fragen, wie diese Band „nur zu dritt“ auf der Bühne klingen mag. Überraschung! Sie hören sich genauso gut an wie auf dem Album (manche würden sogar sagen, sie klingen live noch besser…), denn alles, was sie nicht selbst spielen können (z.B. Keyboard-Einwürfe), wird in Touch-Pads einprogrammiert, die dann jeweils einer der Musiker auslösen muss. Zusätzlich zum eigenen Instrument und dem eventuell noch anfallenden Gesangspart muss also jeder noch zum exakt richtigen Zeitpunkt auf ein Pad treten, schlagen oder drücken. Auf diesem YouTube-Video von „Roll the Bones“ sieht man das mehrfach (z.B. exakt bei 45 Sekunden, denn da kann man hinter Neil Peart am Schlagzeug eine ganze Reihe solcher Pads erblicken). Vielleicht muss man Musiker sein, um die Komplexität dieser Abläufe in vollem Ausmaß bewundern zu können. Ich finde es jedenfalls sehr beeindruckend!

Zurück zum Album „Roll the Bones“! Der Titelsong ist ein wunderbares Beispiel für den gesetzten Humor „alter Hasen“. Ich erinnere mich gut an meine Studienzeit, als mir an der Hochschule für Musik und an der Universität durchaus einzelne Gestalten über den Weg gelaufen sind, die sich wirklich selbst bei simplen Hausarbeiten, die bis zur nächsten Seminarsitzung zu erledigen waren, über jedes einzelne Wort und jede kleine Formulierung Gedanken machten. Überall musste der noch verborgene Hintersinn, das Metaphysische gesucht werden. Ganz ehrlich: Ich war da einfacher gestrickt (und bin es noch immer).

Und das gefällt mir an diesem Album: Nicht jeder Song muss noch eine oder zwei versteckte Parallelen oder Anspielungen enthalten. Es sind einfach gute Rock-Songs, oft eingängig (manchmal geradezu poppig), die man sich anhören kann, ohne danach in Grübeleien über den Sinn oder Unsinn der Lyrics zu versinken. Mir gefällt das, denn es entspannt mich.

Tatsächlich trifft es der gerade eben schon erwähnte Titelsong perfekt auf den Punkt. Bereits der Titel deutet darauf hin, dass manches „einfach Schicksal“ ist und man nicht nach einem tieferen Sinn suchen sollte. Die Redewendung „roll the bones“ ist an sich schon sehr alt, denn bereits im vierzehnten Jahrhundert verwendete Chaucer in „The Pardoner's Tale“ die bis heute geläufige Gleichsetzung der „bones“ (Knochen) mit den „dices“ (Spielwürfeln), vermutlich angelehnt an die in manchen alten Kulturen üblichen Schicksalsvoraussagen, die auf dem Werfen echter Knochenstücke basierten.

Im Text gibt es dann ein paar wunderbare Stellen, die ich kurz aufzeigen möchte. In Klammern steht jeweils eine grobe sinngemäße Übersetzung (für alle Erbsenzähler: ich hab's übersetzt):

We go out in the world and take our chances (Wir ziehen in die Welt hinaus und vertrauen auf unser Glück), fate is just the weight of circumstances (Schicksal ist nichts anderes als die Summe der Umstände), that's the way that lady luck dances (so funktioniert nun einmal die Sache mit dem Glück), roll the bones (Schicksal).

Oder, fast noch schöner, weil noch direkter:

Why are we here? (Warum gibt es uns?) Because we're here (Weil es uns gibt.) Roll the bones (Schicksal) Why does it happen? (Warum passiert das?) Because it happens (Weil's passiert.) Roll the bones (Schicksal)

Ich finde das einfach nur herrlich. Und in genau diesem Sinne höre ich mir den Song jetzt gleich noch einmal an. Wer sich für die gesamten Lyrics interessiert, kann hier klicken.

 

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