Shining

Ich höre immer mehrere Hörbücher parallel, auch lese ich immer mehrere Bücher parallel — so kann ich meinen jeweils aktuellen Bedürfnissen gerecht werden. Eines der momentan laufenden Hörbücher ist „Shining“ von Stephen King. Ja, ich weiß: Stephen King, der doch nicht! Dabei halte ich ihn für einen genialen Erzähler. Und meiner Einschätzung nach ist er immer noch meilenweit besser als der neue softpornographische Trend im Stile von „Feuchtgebiete“ oder „Shades of Grey“ (ohne dass ich eines davon gelesen hätte, geschweige denn gerne lesen würde…).

Zurück zu Stephen King: Eine derart komplexe Geschichte wie „The Green Mile“ (auch die habe ich sowohl in Papierform gelesen als auch als Hörbuch in einer wirklich guten Komplett-Lesung auf dem iPod gehört) derart gekonnt zu erzählen, ist keine Sache, die einem schlechten Schriftsteller gelingt. Und so ähnlich verhält es sich auch mit „Shining“.

Obwohl ich überhaupt kein Horror-Fan bin — Filme dieser Sparte kann ich mir überhaupt nicht ansehen, bei der Kubrick-Verfilmung („The Shining“) habe ich nach ca. 30 Minuten abgeschaltet, weil ich es nicht ertragen konnte, und „Event Horizon“ hat mir monatelang Albträume verschafft —, fasziniert mich ungemein das geschickte Puzzle, das Stephen King hier für den Hörer auslegt. Stein um Stein wird ergänzt, die Geschichte wächst allmählich aus unterschiedlichen Perspektiven zusammen. Und noch mehr: Die zentrale Gestalt, Jack Torrance, wird so lebensecht dargestellt, dass man sich in seinen besten Momenten voll mit ihm identifizieren kann, in seinen schlechtesten Momenten flößt er einem trotz aller Abstraktheit, die einer Romangestalt innewohnt, immense Angst ein, sodass eine Identifikation mit der Figur völlig ausgeschlossen wird.

Jack Torrance, der einstige Alkoholiker, der seinem Sohn in vom Alkohol vernebelter Wut den Arm gebrochen hatte, seinen Job wiederum aufgrund einer mangelnden Impulskontrolle verloren hat und nun (nur begleitet von seiner Frau und seinem Sohn) als Hausmeister ein abgelegenes Hotel unbeschadet über den Winter bringen soll, bemerkt selbst, wie sein Geisteszustand immer labiler wird. Während das Hotel eingeschneit und von der Umwelt abgeschnitten wird, greift sein Körper in zunehmendem Maße auf diverse Automatismen aus der Alkoholiker-Zeit zurück — wie z.B. das Abwischen der Lippen wie nach einem kräftigen Schluck, selbst wenn er nichts getrunken hat… Immer wieder werden in völlig harmlosen Situationen urplötzlich Sätze wie „Er könnte jetzt wirklich einen Drink gebrauchen…“ eingebaut. Und sofort ändert sich die Wahrnehmung: Aus der idyllischen Betrachtung einer Familien-Szene wird binnen eines Moments die klaustrophobische, Unheil verkündende Bedrohung des labilen und zur Gewalt neigenden Psychopathen, der mit zwei schutzlosen und ihm deutlich unterlegenen Personen in der Wildnis allein ist.

Na, schon Lust bekommen…?

Fazit: Man kann wirklich zum Autor stehen, wie man mag, mir imponiert auf jeden Fall seine Fähigkeit, Geschichten spannend und abwechslungsreich zu erzählen und aus teils unzähligen Fäden geschickt zusammenzuweben. Daher kann ich diese Geschichte allen, die an diesem Genre interessiert sind, empfehlen.

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2 Gedanken zu „Shining

  1. […] Personen während des Winters in den Wahnsinn treibt. Ganz ehrlich: Das Hörbuch (hier und hier) ist auch außerordentlich gruselig, wer so etwas mag, liegt da sicher immer […]

  2. […] Doch gleichzeitig stellt diese Leistung das Buch für mich auf eine Stufe wie „The Shining“ (hier). Auch dieses konnte ich mir nur unter großer Überwindung zu Gemüte führen, eben weil es so […]

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