Hut ab vor Paco de Lucia!

Vor ein paar Tagen ist der spanische Gitarrist Paco de Lucia gestorben. Er gehörte zu den großen musikalischen Idolen meiner Jugend, denn als einigermaßen weltoffenen Gitarristen hat mich sein Gitarrenspiel massiv beeindruckt. Obwohl ich eigentlich aus dem Bereich der Rock-Musik zur Gitarre kam, faszinierte mich vor allem seine folkloristische und teils vom Jazz geprägte Ausdrucksstärke, die er eindeutig seiner technischen Perfektion im Instrumentalspiel verdankte.

Viele Gitarristen ordnen ihren limitierten handwerklichen Fähigkeiten dann unter, was sie an Musik erzeugen. Wer sich mit Barrée-Griffen schwertut oder sie nur unter großer Mühe hinbekommt, wird vermutlich nur selten Stücke schreiben, in denen diese vorkommen. Das ist auch einer der Gründe, warum mir im Bereich der Trompete Wynton Marsalis das größte Vorbild ist: Er ist technisch derart brillant, dass er alle musikalischen Ideen, die ihm durch den Kopf gehen, ohne Einschränkungen umsetzen kann. Noch dazu ist er mittlerweile in einem Alter, in dem er nicht mehr beweisen muss, was er kann.

Beides traf auch auf Paco de Lucia zu: Er starb im Alter von 66 Jahren, spätestens seit seinen frühen Vierzigern musste er niemandem mehr beweisen, wie gut er sein Instrument beherrschte. In der Folge schrieb und spielte er Musik, die eine nur selten erreichte Ausdrucksstärke besaß. Besonders schön finde ich die Anekdote, die er hier (auf seiner Homepage) selbst beschreibt.

Er hatte halt einfach Stil. Und das galt auch für seinen Tod, denn er starb plötzlich beim Spielen mit seinen Kindern am Strand in Mexiko (durch einen Herzinfarkt). So schlimm es für die Angehörigen in der Situation gewesen sein mag, für ihn war es ein vermutlich schneller Tod im Kreise der liebsten Verwandten. So etwas wünsche ich mir auch — aber erst in vielen, vielen Jahren…

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Ein Gedanke zu „Hut ab vor Paco de Lucia!

  1. simplifyme72 sagt:

    Ein intensiv und produktiv gelebtes Leben! Wenn man im engsten Familienkreis erlebt, wie jemand über Jahre, ja Jahrzehnte eigentlich nur vor sich hinvegetiert und dann auch noch in die Demenz abgleitet, kann man tatsächlich nur daran arbeiten jeden Tag stets neu zu nutzen und dabei hoffen ein Ende wie Paco de Lucia zu haben.

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