Archiv für den Monat März 2014

Apps! 5 — Loopy HD

Loopy HD auf dem iPhone

Gestern Abend fand ich auf Twitter den Link zu dieser interessanten, nein faszinierenden Darbietung: Billy Joel und Jimmy Fallon benutzen ein iPad mit der App Loopy HD, um gemeinsam zuerst die Background-Vocals von „The Lion Sleeps Tonight“ einzusingen, dann ergänzten sie „live“ die eigentlichen Melodiestimmen (Strophen & Refrain). Wahnsinn!

Beeindruckt hat mich daran vor allem, dass man beiden den Spaß an der Sache deutlich anmerkte. Mich hat das selbst so animiert, dass ich mir die App kurzerhand kaufte und auf iPhone und iPad lud. Heute früh habe ich dann ein bisschen damit herumgespielt — natürlich habe ich mich ebenfalls an „The Lion Sleeps Tonight“ gewagt, denn dieses Stück besitzt eine sehr übersichtliche Harmoniefolge:

||: G | C | G | D :||

Genau dieses viertaktige Schema wird dann in Form der Loops eingesungen. Zuerst die Grundtöne, dann die Terzen, dann die Quinten — je nach Lust und Laune auch in anderen Kombinationen. Weitere Loops können dann z.B. Beatbox-Rhythmen zur Untermalung beinhalten.

Kurzum: Nach einer sehr kurzen Lernphase (ca. 3-5 Minuten) kann jeder mit dieser App umgehen und binnen kurzer Zeit ganz entspannt faszinierende und überzeugende Ergebnisse produzieren.

Ich kann es kaum erwarten, sie in der Schule einzusetzen. Das wird der Hammer!

P.S.: Ein kleiner Tipp noch: Kopfhörer benutzen! Die Ergebnisse werden um ein Vielfaches besser.

 

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Rush: „Roll the Bones“

Roll The Bones

Im September 1991 brachten Rush ihr 14. Studioalbum mit dem Titel „Roll the Bones“ heraus. Von vielen Fans wird das Album als eines der schwächeren, von manchen sogar als „Enttäuschung“ abgetan, mir geht es da ganz anders.

Ich war damals mit einem meiner Brüder in Nürnberg auf einem Konzert der „Roll the Bones-Tour“. Und obwohl ich zu dem Zeitpunkt noch nicht mehr als zwei oder drei Alben der Band kannte (neben diesem nur noch „Presto“ und „Grace Under Pressure“), war dieser Auftritt einfach unbeschreiblich gut. Diese Band, die nur aus drei Musikern besteht und sich auch für die Auftritte keinen vierten oder gar fünften Mann auf die Bühne stellt, ging im besten Sinn des Wortes routiniert zu Werke: Jeder Griff saß, das Set war geschmackvoll zusammengestellt, die Show war gut — und mich als damals noch nicht einmal Siebzehnjährigen hat das einfach umgehauen.

Wer Rush nicht kennt, mag sich fragen, wie diese Band „nur zu dritt“ auf der Bühne klingen mag. Überraschung! Sie hören sich genauso gut an wie auf dem Album (manche würden sogar sagen, sie klingen live noch besser…), denn alles, was sie nicht selbst spielen können (z.B. Keyboard-Einwürfe), wird in Touch-Pads einprogrammiert, die dann jeweils einer der Musiker auslösen muss. Zusätzlich zum eigenen Instrument und dem eventuell noch anfallenden Gesangspart muss also jeder noch zum exakt richtigen Zeitpunkt auf ein Pad treten, schlagen oder drücken. Auf diesem YouTube-Video von „Roll the Bones“ sieht man das mehrfach (z.B. exakt bei 45 Sekunden, denn da kann man hinter Neil Peart am Schlagzeug eine ganze Reihe solcher Pads erblicken). Vielleicht muss man Musiker sein, um die Komplexität dieser Abläufe in vollem Ausmaß bewundern zu können. Ich finde es jedenfalls sehr beeindruckend!

Zurück zum Album „Roll the Bones“! Der Titelsong ist ein wunderbares Beispiel für den gesetzten Humor „alter Hasen“. Ich erinnere mich gut an meine Studienzeit, als mir an der Hochschule für Musik und an der Universität durchaus einzelne Gestalten über den Weg gelaufen sind, die sich wirklich selbst bei simplen Hausarbeiten, die bis zur nächsten Seminarsitzung zu erledigen waren, über jedes einzelne Wort und jede kleine Formulierung Gedanken machten. Überall musste der noch verborgene Hintersinn, das Metaphysische gesucht werden. Ganz ehrlich: Ich war da einfacher gestrickt (und bin es noch immer).

Und das gefällt mir an diesem Album: Nicht jeder Song muss noch eine oder zwei versteckte Parallelen oder Anspielungen enthalten. Es sind einfach gute Rock-Songs, oft eingängig (manchmal geradezu poppig), die man sich anhören kann, ohne danach in Grübeleien über den Sinn oder Unsinn der Lyrics zu versinken. Mir gefällt das, denn es entspannt mich.

Tatsächlich trifft es der gerade eben schon erwähnte Titelsong perfekt auf den Punkt. Bereits der Titel deutet darauf hin, dass manches „einfach Schicksal“ ist und man nicht nach einem tieferen Sinn suchen sollte. Die Redewendung „roll the bones“ ist an sich schon sehr alt, denn bereits im vierzehnten Jahrhundert verwendete Chaucer in „The Pardoner's Tale“ die bis heute geläufige Gleichsetzung der „bones“ (Knochen) mit den „dices“ (Spielwürfeln), vermutlich angelehnt an die in manchen alten Kulturen üblichen Schicksalsvoraussagen, die auf dem Werfen echter Knochenstücke basierten.

Im Text gibt es dann ein paar wunderbare Stellen, die ich kurz aufzeigen möchte. In Klammern steht jeweils eine grobe sinngemäße Übersetzung (für alle Erbsenzähler: ich hab's übersetzt):

We go out in the world and take our chances (Wir ziehen in die Welt hinaus und vertrauen auf unser Glück), fate is just the weight of circumstances (Schicksal ist nichts anderes als die Summe der Umstände), that's the way that lady luck dances (so funktioniert nun einmal die Sache mit dem Glück), roll the bones (Schicksal).

Oder, fast noch schöner, weil noch direkter:

Why are we here? (Warum gibt es uns?) Because we're here (Weil es uns gibt.) Roll the bones (Schicksal) Why does it happen? (Warum passiert das?) Because it happens (Weil's passiert.) Roll the bones (Schicksal)

Ich finde das einfach nur herrlich. Und in genau diesem Sinne höre ich mir den Song jetzt gleich noch einmal an. Wer sich für die gesamten Lyrics interessiert, kann hier klicken.

 

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Nike Fuelband – 2. Versuch

Mein Nike FuelBand

Vor einigen Monaten schrieb ich über meine Verwunderung, warum Nike auf der eigenen Homepage in Deutschland keine Bestellmöglichkeit für das Fuelband anbot. In der Tat ging das damals nur über die britische Seite, dann aber ohne Probleme. Doch zu der Zeit hat mich das schlicht und einfach so angenervt, dass ich mir kurzerhand über eBay ein Jawbone Up zulegte.

Jawbone Up-Misere

Ich benutzte es über einen Monat, bis mir die Lust daran verging. Es ist ein feines Gerät, keine Frage. Aber es hat einen unglaublichen Nachteil, der es mir absolut verleidete, das Gerät einfach so zu benutzen: Ohne iPhone oder iPad ist das Gerät völlig aussagelos. Soll heißen: Man erfährt nicht, ob das selbstgesteckte Ziel des Tages bereits erfüllt ist. Wenn ich aber nun einmal auf dem Weg von einem Klassenzimmer in der Schule zum nächsten nur einmal schnell herausfinden möchte, wie weit mein Tagessoll ist, geht das mit einem Jawbone Up einfach nicht.

Und damit ist es auch schon aus. Für mich gestorben. Ein Fitness-Tracker, der erst abgenommen und an ein Gerät angeschlossen werden muss, um den aktuellen Stand preiszugeben, ist einfach nicht alltagstauglich. Ich habe vor ein paar Tagen in einem anderen Blog einen Bericht über die neue Version mit den verbesserten Sensoren und allem möglichen Klimbim gelesen. An der wahren Crux, der Unzugänglichkeit der Daten on-the-go, hat sich dabei aber offensichtlich nichts geändert. Schade, denn die Software war gut, der Tragekomfort hoch. Insgesamt ein feines Stück Technik. Nur…

Dann also doch ein Fuelband

In meinem Frust habe ich dann erst einmal bei eBay versucht, ein Fuelband zu ersteigern. Doch ein Gerät, das ich neu für 139 € nach Hause geschickt bekomme, ersteigere ich nicht gebraucht für 120 € bei eBay. Trotz meiner durch und durch schwäbisch geprägten Lebensumstände ist mir die Garantie und der damit verbundene Service die 19 € wert. Ich hatte mindestens 15 oder sogar 20 Auktionen laufen. Mein Limit ging bis ca. 90 €, doch alle Auktionen hängten mich über kurz oder lang ab. Also: Mit Umweg über den britischen NikeStore bestellt, binnen weniger Tage geliefert, alles ging zügig und problemfrei.

Erlösung!

Und dieses Fuelband ist für mich wie eine Erlösung, denn es handelt sich um ein wahres technologisches Wunderwerk. Im Gegensatz zum Jawbone Up zählt es nicht nur Schritte, vielmehr werden alle Bewegungen des ganzen Tages in einen universellen Wert, das sog. Nike Fuel, umgerechnet. Damit hat man eine für alle Sportarten und Bewegungsabläufen gleichermaßen gültige Maßeinheit (deren Zusammensetzung im Detail aber verborgen bleibt, was mich persönlich nicht im geringsten stört). Und vor allem: Es zeigt den aktuellen Stand jederzeit mit dem Druck auf einen –– den einzigen –– Knopf an. Herrlich!

Binnen weniger Minuten war alles eingerichtet (Apps für Mac OS X und iOS geladen, Band einmal zum Einrichten angeschlossen, mit dem Nike+-Konto verknüpft) –– und dann ging's los. Bis heute trage ich das Fuelband von morgens bis abends. Einmal pro Woche muss ich es über Nacht an meinem Rechner aufladen. Das war's. Einfacher geht's nicht. Ich liebe das Ding.

 

 

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Posteingang: leer

Posteingang: leer

Wer kennt nicht dieses Gefühl? Mailprogramm auf — und es warten ungefähr drölfzig ungelesene bzw. noch nicht bearbeitete Emails.

Ich habe für mich ein System entwickelt, das sehr gut funktioniert. Mein Ziel bei diesem System ist es, den Posteingang immer leer zu halten.

Aber wie funktioniert das? (Die Option, einfach alle eingehenden Mails sofort zu löschen, zähle ich nicht…)

Überraschenderweise funktioniert das ganz einfach:

  1. Ich benutze nur noch ein einziges IMAP-Mailkonto, das sich dadurch auf allen Geräten (iMac, iPad, iPhone) immer synchron hält. Insofern muss ich mir selbst nie irgend etwas noch einmal zuschicken, damit es dann auf allen Geräten vorhanden ist.
  2. Innerhalb dieses Kontos verwende ich Ordner, in die alle Emails sofort nach dem Lesen ihrem Inhalt gemäß einsortiert werden. Als Beispiel müssen jetzt „Schule“ und „Familie“ herhalten: Alle arbeitsbezogenen Emails landen im Ordner „Schule“, ähnlich ergeht es allen innerfamiliären Emails, die dann im Ordner „Familie“ landen. Wenn ich also eine dieser Emails suche, dann sind sie schon weitgehend vorsortiert (ganz abgesehen davon, dass Spotlight — die Mac OS X-Suchfunktion — eigentlich alles Gesuchte sofort und zielsicher findet). Gleichzeitig leert sich dadurch aber auch der Posteingang.
  3. Emails, von denen ich weiß, dass ich sie sicher nicht mehr benötige (Werbung, Informationen für Veranstaltungen, die mich nicht interessieren etc.), werden sofort gelöscht. Wofür soll ich die auch aufheben? Wenn mir beispielsweise das Kreismedienzentrum mitteilt, dass am kommenden Montag dort wegen einer betriebsinternen Fortbildung geschlossen ist, ich da aber ohnehin nicht hätte hingehen können, weil mein Stundenplan es nicht erlaubt — wofür sollte ich diese Email aufheben? Also: Ab in den virtuellen Papierkorb!

Und schon sieht alles gleich viel übersichtlicher aus. Und es fühlt sich auch wesentlich besser an, denn bei einem Blick in einen „leeren“ Posteingang weiß ich, dass zumindest aus dieser Perspektive gerade nichts auf mich wartet, dessen ich mich gerade annehmen müsste.

Da mein Schreibtisch in regelmäßigen Abständen ein gewissen „Eigenleben in Schichten“ zu führen beginnt, habe ich mir ein ähnliches Konzept dafür zugelegt. Der wichtigste Schlüssel dazu war die Erkenntnis, warum mein Schreibtisch sich immer so schnell mit diversen Zetteln und anderem Krempel füllte: Ich hatte für die vielen Zettel, die man nur für ein paar Tage benötigt, danach aber wegwerfen kann, keinen eigenen Ort.

Alles, was ich über längere Zeit aufheben muss, hat (oder bekommt) einen eigenen Ort — im Fall der meisten Papiere ein Fach in einem Ordner. Das funktioniert gut, denn es verschwindet von meinem Tisch, ist aber sinnvoll verräumt.

Was aber macht man mit einem Erinnerungszettel für eine Lehrerkonferenz in drei Tagen, auf dessen Rückseite die Tagesordnung kopiert ist? Wegwerfen wäre nicht ratsam, denn dann säße ich ja planlos in der Veranstaltung. Für diesen Zweck habe ich jetzt einen eigenen Ordner auf dem Schreibtisch, in den alles eingeheftet wird, was (noch) nicht weg darf, aber auch (noch) nicht benötigt wird. In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen sehe ich dann darin nach. Was noch benötigt wird, bleibt, was nicht, kommt weg.

Und der Effekt ist ein wesentlich ordentlicherer Schreibtisch als vorher — sehr entspannend!

 

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Urban Priol live

Signierstunde mit Urban Priol

Gestern Abend war ich mit meiner Frau bei Urban Priol, der in Heidenheim sein aktuelles Programm „Jetzt“ vorstellte. Trotz eines langen und arbeitsreichen Tages, der bei Beginn schon hinter uns lag, schaffte er es wieder einmal, uns beide von 20:00 bis 23:20 h (mit einer gefühlt sehr kurzen 20 Minuten-Pause) fast durchgehend am Lachen zu halten (und das obwohl wir seine Jahresrückblicke mehr oder weniger auswendig kennen — und natürlich gab es den einen oder anderen Text aus diesen Programmen auch gestern Abend). Dennoch waren viele ganz aktuelle Themen enthalten und in gewohnt gekonnter Art verarbeitet worden, sodass wir uns königlich amüsierten.

Eine Stelle werde ich mit Sicherheit nie wieder vergessen: Priol erzählte davon, wie er ein einziges Mal bei einem Yoga-Kurs war, den er von seinem fiktiven Therapeuten empfohlen bekommen hatte. Zuerst kam er fast eine Stunde lang nicht mehr darauf zurück, doch plötzlich kletterte er auf allen Vieren auf einen Tisch am Bühnenrand und begann lauthals zu muhen. Oje! So sehr nach Luft musste ich selten schnappen! Es wäre selbst mit Vorankündigung zum Schreien lustig gewesen, so aber — gekoppelt mit dem Überraschungseffekt — war es der Schenkelklopfer des Abends!

Bei der anschließenden Signier-Stunde ließen wir uns noch die DVD Tilt — Der etwas andere Jahresrückblick 2013 signieren. Hach, ab damit in unseren Kabarett-Devotionalienschrein

Vielen Dank an Urban Priol für einen unvergesslichen Abend!

 

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Fastenzeit 2014

Heute beginnt sie wieder: die Fastenzeit. Wie schon im letzten Jahr werde ich mich hinsichtlich meines sonst astronomisch hohen Süßigkeitenverbrauchs einschränken. Von Montag bis Donnerstag gibt es keine Süßigkeiten oder Knabbereien. Von Freitag bis Sonntag ist es ok. Der komplette Verzicht wäre bei mir nicht gut, denn dann würde ich sicher an der einen oder anderen Stelle irgendwie kompensieren und maßlos andere Sachen in mich hineinstopfen. So klappt es ganz gut, denn für mich ist der Ablauf klar und die Regeln könnten einfacher nicht sein. Montag bis Freitag Mittag: Pfui! Freitag Mittag bis Sonntag Abend: Hui!

Nach ein paar Wochen bin ich dann auch wieder etwas entwöhnt. Aktuell könnte ich am Stück eine ganze Packung Schoko-Kekse aufessen. Nach der Fastenzeit bin ich erst einmal wieder „normalisiert“. Und deswegen mache ich das Jahr für Jahr.

Bis nächstes Jahr, da schreibe ich dann vermutlich die gleichen Zeilen in grün!

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Shining

Ich höre immer mehrere Hörbücher parallel, auch lese ich immer mehrere Bücher parallel — so kann ich meinen jeweils aktuellen Bedürfnissen gerecht werden. Eines der momentan laufenden Hörbücher ist „Shining“ von Stephen King. Ja, ich weiß: Stephen King, der doch nicht! Dabei halte ich ihn für einen genialen Erzähler. Und meiner Einschätzung nach ist er immer noch meilenweit besser als der neue softpornographische Trend im Stile von „Feuchtgebiete“ oder „Shades of Grey“ (ohne dass ich eines davon gelesen hätte, geschweige denn gerne lesen würde…).

Zurück zu Stephen King: Eine derart komplexe Geschichte wie „The Green Mile“ (auch die habe ich sowohl in Papierform gelesen als auch als Hörbuch in einer wirklich guten Komplett-Lesung auf dem iPod gehört) derart gekonnt zu erzählen, ist keine Sache, die einem schlechten Schriftsteller gelingt. Und so ähnlich verhält es sich auch mit „Shining“.

Obwohl ich überhaupt kein Horror-Fan bin — Filme dieser Sparte kann ich mir überhaupt nicht ansehen, bei der Kubrick-Verfilmung („The Shining“) habe ich nach ca. 30 Minuten abgeschaltet, weil ich es nicht ertragen konnte, und „Event Horizon“ hat mir monatelang Albträume verschafft —, fasziniert mich ungemein das geschickte Puzzle, das Stephen King hier für den Hörer auslegt. Stein um Stein wird ergänzt, die Geschichte wächst allmählich aus unterschiedlichen Perspektiven zusammen. Und noch mehr: Die zentrale Gestalt, Jack Torrance, wird so lebensecht dargestellt, dass man sich in seinen besten Momenten voll mit ihm identifizieren kann, in seinen schlechtesten Momenten flößt er einem trotz aller Abstraktheit, die einer Romangestalt innewohnt, immense Angst ein, sodass eine Identifikation mit der Figur völlig ausgeschlossen wird.

Jack Torrance, der einstige Alkoholiker, der seinem Sohn in vom Alkohol vernebelter Wut den Arm gebrochen hatte, seinen Job wiederum aufgrund einer mangelnden Impulskontrolle verloren hat und nun (nur begleitet von seiner Frau und seinem Sohn) als Hausmeister ein abgelegenes Hotel unbeschadet über den Winter bringen soll, bemerkt selbst, wie sein Geisteszustand immer labiler wird. Während das Hotel eingeschneit und von der Umwelt abgeschnitten wird, greift sein Körper in zunehmendem Maße auf diverse Automatismen aus der Alkoholiker-Zeit zurück — wie z.B. das Abwischen der Lippen wie nach einem kräftigen Schluck, selbst wenn er nichts getrunken hat… Immer wieder werden in völlig harmlosen Situationen urplötzlich Sätze wie „Er könnte jetzt wirklich einen Drink gebrauchen…“ eingebaut. Und sofort ändert sich die Wahrnehmung: Aus der idyllischen Betrachtung einer Familien-Szene wird binnen eines Moments die klaustrophobische, Unheil verkündende Bedrohung des labilen und zur Gewalt neigenden Psychopathen, der mit zwei schutzlosen und ihm deutlich unterlegenen Personen in der Wildnis allein ist.

Na, schon Lust bekommen…?

Fazit: Man kann wirklich zum Autor stehen, wie man mag, mir imponiert auf jeden Fall seine Fähigkeit, Geschichten spannend und abwechslungsreich zu erzählen und aus teils unzähligen Fäden geschickt zusammenzuweben. Daher kann ich diese Geschichte allen, die an diesem Genre interessiert sind, empfehlen.

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Hut ab vor Paco de Lucia!

Vor ein paar Tagen ist der spanische Gitarrist Paco de Lucia gestorben. Er gehörte zu den großen musikalischen Idolen meiner Jugend, denn als einigermaßen weltoffenen Gitarristen hat mich sein Gitarrenspiel massiv beeindruckt. Obwohl ich eigentlich aus dem Bereich der Rock-Musik zur Gitarre kam, faszinierte mich vor allem seine folkloristische und teils vom Jazz geprägte Ausdrucksstärke, die er eindeutig seiner technischen Perfektion im Instrumentalspiel verdankte.

Viele Gitarristen ordnen ihren limitierten handwerklichen Fähigkeiten dann unter, was sie an Musik erzeugen. Wer sich mit Barrée-Griffen schwertut oder sie nur unter großer Mühe hinbekommt, wird vermutlich nur selten Stücke schreiben, in denen diese vorkommen. Das ist auch einer der Gründe, warum mir im Bereich der Trompete Wynton Marsalis das größte Vorbild ist: Er ist technisch derart brillant, dass er alle musikalischen Ideen, die ihm durch den Kopf gehen, ohne Einschränkungen umsetzen kann. Noch dazu ist er mittlerweile in einem Alter, in dem er nicht mehr beweisen muss, was er kann.

Beides traf auch auf Paco de Lucia zu: Er starb im Alter von 66 Jahren, spätestens seit seinen frühen Vierzigern musste er niemandem mehr beweisen, wie gut er sein Instrument beherrschte. In der Folge schrieb und spielte er Musik, die eine nur selten erreichte Ausdrucksstärke besaß. Besonders schön finde ich die Anekdote, die er hier (auf seiner Homepage) selbst beschreibt.

Er hatte halt einfach Stil. Und das galt auch für seinen Tod, denn er starb plötzlich beim Spielen mit seinen Kindern am Strand in Mexiko (durch einen Herzinfarkt). So schlimm es für die Angehörigen in der Situation gewesen sein mag, für ihn war es ein vermutlich schneller Tod im Kreise der liebsten Verwandten. So etwas wünsche ich mir auch — aber erst in vielen, vielen Jahren…

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