Archiv für den Monat Januar 2014

Herbert Grönemeyer: „Luxus“

Wenn man sich die weit verbreitete Meinung zu Herzen nimmt, dann kann Herbert Grönemeyer keine gute Musik machen, er kann auch nicht Singen, tanzen schon gar nicht — von der Schauspielerei wollen wir ganz schweigen.

Doch die weit verbreitete Meinung ist mir meistens ziemlich egal. Ich habe bei der letzten Bundestagswahl (wie auch vorher) nicht die Parteien gewählt, die die meisten Prozente der Wählergunst erhaschen konnten. Und ich lebe noch.

Zurück zu Grönemeyer und dem „Luxus“-Album von 1990. Ich liebe dieses Album, denn es gehört fest zu meiner eigenen musikalischen Sozialisation. Ich war damals sogar auf dem Konzert dieser Tour in Würzburg.

In vielerlei Hinsicht offenbart Grönemeyer meiner Meinung nach einen scharfen Blick auf die Missstände des Kapitalismus — und das 1990, vor 23 Jahren, also zu einer Zeit, in der sich kaum jemand um eine Kritik an dieser „heiligen Kuh“ der westlichen Welt geschert hat. So beginnt das Album ohne thematische Umschweife mit dem starken Opener „Hartgeld“:

Sie schlurfen beschwipst, bekoffert, beanzugtmit lässiger Hysterie zum Abflug — in viel zu großen Schuhen.Markiert mit dem wachen Blick geradeaus,sprungbereit für den nächsten Ausverkauf — joviale Figuren!

Mechaniker der Macht, Zeit zum Schmieren — alles ist käuflichMechaniker der Macht, haben immer denrichtigen Schein dabeinichts zählt mehr als

Hartgeld, was kostet der Rest der Welt?Es lebe die schnelle Mark!Hartgeld, der Osten ist ausgezählt Kapital in voller Fahrt

Vertreten durch die Männer von der StangeUniform gestählt, zögern sie nicht lange — verfettetes Gefühl!
Reiben Bündel unter Nasen,nur nicht zur Besinnung kommen lassen — eiskaltes Kalkül!
Westernmanier, ziehen immer schneller — ungleiche Duelle!

Man kann Grönemeyer hassen, man kann ihn lieben, er kann einem egal sein –– textlich trifft er hier meiner Meinung nach ziemlich ins Schwarze.

 

Advertisements
Getaggt mit , , , ,