75 Jahre „Krieg der Welten“

Heute, am 31. Oktober 2013, ist es exakt 75 Jahre her, dass das Radio-Hörspiel zu Herbert George (kurz: H. G.) Wells Roman Krieg der Welten ausgestrahlt wurde. Auch wenn von heutigen Kommunikationswissenschaftlern angezweifelt wird, ob damals wirklich eine „landesweiste Massenhysterie in der Bevölkerung“ ausbrach, bleibt es doch ein Faktum, dass das Hörspiel exzellent in seiner Dramaturgie war. Was macht das Hörspiel so besonders, dass die damaligen Hörer zumindest aufgeregt, zum Teil sicherlich auch verängstigt waren?

Orson Wells (nicht direkt mit H. G. Wells verwandt), der zusammen mit Howard Koch das Skript für das Radiohörspiel erstellt und die Aufnahme geleitet hatte, war im Gegensatz zu den meisten damals ausgestrahlten Radio-Sendungen recht innovativ vorgegangen: Er hatte alle Dialoge bereits vor dem Tag der Ausstrahlung aufgenommen und dann so mit diversen musikalischen Unterbrechungen arrangiert, dass für einen Hörer, der die anfängliche Ankündigung eines „Radio-Spiels“ verpasst hatte, der Eindruck einer tatsächlich gerade ablaufenden Sendung entstehen konnte, vielleicht sogar musste.

Heute früh habe ich mir für 99 Cent bei iTunes den Original-Mitschnitt von 1938 gekauft und beim Joggen in voller Länge angehört. Und ich muss sagen: ich bin begeistert. Orson Wells war ein Meister der von ihm gewählten Dramaturgie, viele Passagen wirken absolut authentisch. Gerade die aus heutiger Sicht geradezu überspitzt komisch wirkende Gegenüberstellung von schnulziger Musik und dramatischen Eilmeldungen erscheinen mir für ein damaliges Publikum außerordentlich passend gewesen zu sein.

Zum heutigen 75-jährigen Jubiläum spendiert L.A Theatre Works eine Neuinszenierung des Hörspiels mit bekannten Darstellern aus den verschiedenen Star Trek-Serien (wie z.B. Leonard Nimoy, Brent Spiner und Gates McFadden). Mittels des Gutschein-Codes WOW75 kann man sich die 2,99 $ für die downloadbare Zip-Datei sparen. Die Qualität ist gut, ich habe kurz hineingehört, den Rest hebe ich mir für heute Abend auf.

Happy Halloween!

Nachtrag vom 26. November 2013

Mittlerweile habe ich beide Hörbücher mehrfach gehört und einen Teil des originalen Romans gelesen. Dabei ist mir etwas eigenartiges aufgefallen: Die Neuinszenierung des Hörspiels von L.A. Theatre Works (s.o.) kürzt die Handlung des originalen Hörspiels um eine wichtige Episode. In dieser Episode trifft der nach den verheerenden Angriffen der Marsianer umher irrende Professor auf einen Mann, der in Folge des Traumas nicht mehr ganz zurechnungsfähig ist und sich in wilde anarchistische Fantasien flüchtet (er möchte in der Kanalisation eine Widerstandsbewegung aufbauen etc.).

Was ich mich dabei frage: Wurde dieser Abschnitt als „unwichtig“ oder „für die heutige Zeit unpassend“ empfunden? Welche anderen Gründe gab es sonst, die kurze Zeitspanne (höchsten fünf bis sechs Minuten) einzusparen? Es leuchtet mir nicht ein.

Am zutreffendsten erscheint mir persönlich die eventuelle Abwägung des Regisseurs, dass es den heutigen US-Bürgern möglicherweise nicht zugemutet werden sollte, einen Charakter aus den eigenen Reihen vorgehalten zu bekommen, der angesichts eines übermächtigen Feindes seinen Verstand verliert und dann gleich beginnt, alle gesellschaftlichen Konventionen zugunsten einer paramilitärischen Organisation über den Haufen zu werfen. Aber es ist – wie gesagt – nur eine Vermutung.

Hat noch jemand eine Meinung dazu?

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