Die große Abfuhr

Gestern war die mit enormer Spannung erwartete Keynote von Apple in San Francisco. Ich habe sie mir — natürlich — angesehen. In Anbetracht der Tatsache, dass fast die gesamte Fachpresse seit Monaten auf Apple eingedroschen hat, ständig die Behauptung irgendwo zu lesen war, Apple habe seine Visions- und Innovationskraft eingebüßt und könne nun nichts wirklich Neues mehr auf den Markt bringen, war dieser Abend die reinste Abfuhr. Es war so ein klassischer „Ach, ihr könnt uns alle mal kräftig…“-Moment, gedacht für jene Schreiber, die vorher nicht müde geworden waren, kein gutes Haar an Apple zu lassen.

Gleich zu Beginn, noch bevor irgend jemand auf die Bühne trat, wurde der Saal verdunkelt. Ein kurzes Video wurde abgespielt, und — man kann es nicht anders sagen — es war eine unverhohlene Harke gegen Samsung, die im Mordstempo ein neues Gerät (mit geringem Innovationsaufwand) nach dem anderen auf den Markt werfen, und gegen jene Analysten, die ständig marktschreierisch mit Forderungen um sich werfen wie „Apple muss sofort ein xyz herausbringen, sonst wird es in der technologischen Entwicklung ein für alle Mal abgehängt…“.

Unter Designed by Apple kann man sich das Video noch einmal ansehen — sehr empfehlenswert. Der dort unterlegte Text lautet:

If everyone is busy making everything, how can anyone perfect anything?

We start to confuse convenience with joy, abundance with choice. Designing something requires focus.

The first thing we ask is: what do we want people to feel? Delight. Surprise. Love. Connection. Then we begin to craft around our intention. It takes time…

There are a thousand no’s for every yes. We simplify. We perfect. We start over.

Until everything we touch enhances each life it touches.

Only then do we sign our work.

Fantastisch! Apples Philosophie auf den Punkt gebracht. Nicht „und noch eins und noch eins und noch eins, irgend jemand wird's schon brauchen können“ sondern: „Eins, aber das ordentlich! Und wir lassen alles weg, was mehr stört als zu helfen.“

Ein wundervoller Moment war der Bühnenauftritt von Phil Shiller, der zuerst neue MacBook Air-Modelle vorstellte, dann überging zu einer kurzen Produktvorschau auf den kommenden Mac Pro. Und Hölle, was für eine Maschine! Mitten in seinen Ausführungen, als der Saal ohnehin schon am Kochen war, dann der Spruch für alle die Nein-Sager des vergangenen Jahres: „Can't innovate anymore, MY ASS!“ — Ich wäre vor Lachen fast vom Stuhl gefallen!

 

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