Klolektüre 3

Zu Weihnachten bekamen wir als Lehrer aus unserem Verwandtenkreis das Buch „Isch geh Schulhof – Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers“ geschenkt. Rein von der Aufmachung her hätten wir es sicherlich nicht gekauft, denn das Buch kommt reichlich reißerisch daher. So etwas schreckt mich immer ziemlich ab (vermutlich denke ich dabei immer, dass der Inhalt minderwertig sein muss, wenn er so aggressiv beworben wird…).

Meine Frau hat das Buch in ein paar Tagen gelesen und dann für sich ad acta gelegt, bei mir hat es länger gedauert. Einerseits lag es daran, dass ich das Buch wirklich nur auf der Toilette gelesen habe (und da einfach nicht meinen gesamten Tag verbringe). Andererseits war es der Inhalt. Und der war für mich in Teilen gar schwere Kost.

Weniger aufgrund der geschilderten Missstände im Berliner Schulwesen, denn derlei Dinge gibt es überall in Deutschland und auch an allen Schularten — nur eben in unterschiedlichem Ausmaß. Als Gymnasiallehrer kommen wir von den derbsten sozialen Missständen weitgehend unbehelligt durch den Schulalltag, hier und da dürfen wir aber auch in die im Buch dargestellten Abgründe blicken. Und es wird allmählich mehr. Noch ist es aber nicht so drastisch.

Viel schlimmer war für mich der salbungsvolle Tonfall des Buchs. Vor allem dann, wenn der Autor (Philipp Möller) von seinen eigenen „Heldentaten“, seinem aufrichtigen Kampf „für die richtige Sache“, seiner Inkorrumpierbarkiert und dergleichen berichtete. Ich möchte dem jetzt nicht zuviel Raum verschaffen, aber an so mancher Stelle stank das Buch vor lauter Eigenlob schon. Das macht mir das Lesen wirklich schwer, denn ich habe als Kind noch gelernt, dass es nicht zum guten Ton gehört, sich selbst so unverhohlen zu loben. Versöhnlich war dagegen aus meiner Sicht der Abschluss des Buchs, denn da schafft Möller es meiner Meinung gerade noch, sich von dieser messiashaften Art zu distanzieren bzw. sie zu relativieren. Dennoch: Ein schaler Beigeschmack bleibt.

Aber es gibt auch wirklich gute Passagen in dem Buch, die selbst mir als „(mittel-) altem Hasen“ mit nunmehr über zehn Jahren Gymnasiallehramtserfahrung noch zu denken gaben bzw. einen Spiegel vorhielten. Von Zeit zu Zeit tut so etwas gut. Jeder professionelle Lehrer kümmert sich darum, von Zeit zu Zeit eine Außensicht auf seinen Unterricht zu erhalten und sich bei Kollegen, Fortbildungen oder der einschlägigen Fachliteratur anregen zu lassen, um nicht nur „im eigenen Saft zu schmoren“.

Insofern kann ich das Buch nicht ohne Weiteres „verreißen“. Ich hätte mir einfach einen etwas demütigeren oder schlicht neutraleren Schreibstil gewünscht. Dann hätte ich das Buch doppelt so schnell durchgelesen. Aber vermutlich wäre das dann nicht mehr ganz so gut verkauft worden. Schade, denn einiges an diesem Buch ist durchaus lesenswert

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