Der Deutschen größte Tugend

Geeeeeld...

Ich verstehe es nicht, wenn Leute viel Geld ansparen, ohne ein konkretes Ziel vor Augen zu haben. Ganz auf die Spitze getrieben: Was bringt es jemandem, reich zu sterben? Rhetorische Frage, denn die Antwort lautet selbstverständlich: Nichts.

Als Familie sind wir sehr darauf bedacht, einige unverzichtbare Rücklagen (ein bis zwei Monatsgehälter) für Notfälle auf einem Tagesgeldkonto verfügbar zu haben. Dieser „Notgroschen“ wird dann gezielt eingesetzt, wenn spontan die Waschmaschine oder irgendein anderes Gerät des täglichen Bedarfs den Geist aufgibt. Das kam schon vor — und es war wirklich ein sehr gutes Gefühl, das bereit liegende Geld ohne weiteres Nachdenken einsetzen zu können.

Für den Fall, dass unser Auto den Geist aufgibt, wäre es schön, auch noch einen kleinen weiteren Rücklagenposten mit ca. 10.000 bis 15.000 € zu haben, was im Moment aber nicht der Fall ist. Es kommt für uns einfach nicht in Frage, ein Auto auf Pump zu kaufen. Im schlimmsten Fall müssten wir jahrelang Geld abstottern für ein bereits verschrottetes Auto. Eine ungemütliche Vorstellung. Nein: Ein Auto wird beim Kauf bar bezahlt oder halt nicht gekauft.

Aber über diese Notfallreserven hinaus halten meine Frau und ich es nicht für sinnvoll, Geld ohne konkretes Ziel anzuhäufen. Die reine Vermehrung des Geldes um seiner selbst Willen ist für uns schlicht und einfach kein lohnenswertes Ziel. Uns ist es wichtiger, unser direktes Lebensumfeld so angenehm wie möglich zu gestalten. Das ist viel mehr wert, als am Ende des Jahres noch ein paar hundert Euro in Kapitalertragszinsen einzuheimsen. Schon gar nicht einzusehen ist es, sich im Alltag notwendige Dinge zu versagen, nur um das Geld „einfach so“ anzusparen.

Sparen an sich hat ja in Deutschland einen ganz eigenen Stellenwert. Bei der Euro-Umstellung hat man gesehen, wieviel Bargeld die Deutschen plötzlich auf die Bank trugen, um es umzutauschen — und selbst zehn Jahre nach der Währungsumstellung müssen anscheinend immer noch etliche Deutsche Unsummen in DM daheim (oder in längst vergessenen Schließfächern) horten… Das ist doch krank! Geld um des Geldes Willen zu horten, sich selbst das Geld vom Mund (oder anderem) absparen, nur um es „für später“ zu haben. Bei aller Zukunftsvorsorge muss doch das „Hier und Jetzt“ auch ein bisschen genossen werden.

 

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