Archiv für den Monat Mai 2013

Handwerkerfreuden

Wir haben heute die Handwerker im Haus. Ausnahmezustand also. Im letzten Jahr haben wir einige Erfahrungen mit Handwerkern gesammelt — und die waren durchweg gut, denn alle Arbeiten wurden zu unserer Zufriedenheit erledigt und alle Rechnungen blieben unter dem im Kostenvoranschlag genannten Betrag.

Die heutigen Handwerker sollen an fünf Fenstern Rollos anbringen, denn im Winter geht da trotz dichter Fenster einfach mehr Wärme verloren als nötig. Außerdem wollen wir das Schlafzimmer (und auch das Arbeitszimmer) richtig verdunkeln können. Diesen Luxus hatten wir seit vielen Jahren nicht mehr, jetzt ist es endlich wieder in greifbare Nähe gerutscht.

Aber der heutige Tag beginnt mit dem klassischen Fall vom „unzuverlässigen Handwerker“. Zuerst kamen die beiden Männer ca. 20 Minuten vor der vereinbarten Zeit (das ist mir im Prinzip lieber als später, es war dennoch anders vereinbart). Dann brachten sie all ihr Equipment ins Haus, nur um dann festzustellen, dass zwei der fünf Rollokästen schon einmal gar nicht passen… Seltsam, denn wir haben in der Zwischenzeit nichts am Haus geändert. Auch haben zwei Personen an zwei unterschiedlichen Terminen vorher die Maße genommen: einmal der Chef, einmal der Meister. Und offensichtlich waren beide nicht in der Lage, die Maße korrekt zu notieren. Ähem.

Nun gut, jetzt sind die Handwerker also noch einmal unterwegs, um die zwei Kästen nachträglich zu verkleinern. Bin ja gespannt, wie lange sie dafür brauchen. Aber wir haben ja Zeit und sonst nichts zu tun.

 

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Das waren Zeiten…

Heute habe ich mit meinen Kindern den wunderbar absurden Film „Die rechte und die linke und rechte Hand des Teufels“ mit Bud Spencer und Terence Hill angesehen, der vor ein paar Tagen zum gefühlt hundertsten Mal im Fernsehen ausgestrahlt worden war. Bud Spencer und Terence Hill waren in gewisser Weise die Helden meiner Jugendzeit. Die Filme mit diesen beiden — stets in einer Hassliebe untrennbar miteinander verbundenen — Gaunern waren so schön einfach gestrickt (eigentlich wartete man ja immer nur auf den geringsten Anlass, der im Film wieder zu einer zumindest aus Kindersicht wunderbar choreographierten Keilerei führte, bei der Bud Spencer dann sein Markenzeichen, den Kopfhammer, einsetzen konnte), dass wir selbst als Fünfjährige wie gebannt — und vor Vergnügen quietschend — auf den Fernseher starrten. Damals übrigens noch ohne Werbepausen…

(Hm, da fällt mir gerade wieder ein, dass wir damals ja auch nur drei Programme empfingen: ARD, ZDF und BR3. Daran merke ich schon wieder: ich werde alt.)

Heute kann ich kaum mehr als fünf bis zehn Minuten von solchen Filmen am Stück ertragen, ohne mich fast schon gequält nach einer lohnenderen Tätigkeit umzusehen. Aber nur fast, denn ein gutes Maß an Nostalgie schwingt da immer mit. Und es gibt ja auch krasse Qualitätsunterschiede zwischen den (wirklich gelungenen) mit komödiantischen Elementen durchzogenen Italo-Western wie dem oben schon erwähnten „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ und den (extrem schlechten) Klamaukfilmen wie beispielsweise „Aladin“ (da fehlt Terence Hill zu seinem großen Glück).

Dennoch steht für mich fest: Die Zeiten für solche Filme sind eigentlich vorbei — und das ist auch gut so.

 

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Legal, legitim oder einfach nur „normal“?

Apfel

Seit gestern gibt es eine große Berichterstattung über die angebliche Steuerflucht der Firma Apple. Die Anhörung dazu fand unter Umständen statt, die den Begriff „an den Pranger stellen“ völlig rechtfertigen. Die Frage, die man sich aber stellen muss, lautet: Worum geht es hierbei eigentlich?

Zum Glück ist die Frage leicht beantwortet: Es geht um Verschleierung. Aber nicht Apple verschleiert, es ist in diesem Fall die für die Anhörung zuständige US-Behörde, also der Senat: In den letzten Jahrzehnten (es sind tatsächlich schon mehrere Jahrzehnte) haben die USA im Steuerrecht diverse Möglichkeiten für Unternehmen eingebaut, die im Ausland erwirtschafteten Gewinne dort zu versteuern anstatt in den USA. Dabei haben sie anscheinend einige größere Schlupflöcher gelassen. Das ist ärgerlich für alle „patriotischen“ Amerikaner, denn es hat zur Folge, dass die größten US-Konzerne in ihrem Heimatland wenig(er) Steuern zahlen. Mehr ist es aber nicht. Denn solange das Gesetz die Tür offen lässt, wäre ein Unternehmen ja letztlich dumm, diese Option nicht wahrzunehmen.

Durch das öffentliche Anprangern der Unternehmen, die diese Gesetzeslücken nutzen — und dabei völlig legal handeln — wird lediglich versucht, von der Tatsache abzulenken, dass der Gesetzgeber in dieser Hinsicht versagt bzw. „unpatriotisch“ gehandelt hat. Anstatt aber nun einfach anzufangen, die Gesetzeslage entweder mit einem großen Paukenschlag oder aber Stück für Stück anzupassen, um die ausländischen Gewinne wieder ins Heimatland zurückzubringen, wird lieber auf die Konzerne eingedroschen, indem man ihnen unterstellt, zwar legal, aber nicht legitim zu handeln.

Hmpfdebmpf! Das wäre ungefähr so, als würde mein zuständiger Finanzbeamter meine Steuererklärung bearbeiten, mir aufgrund der Freibeträge für meine Kinder einen Teil der bereits bezahlten Steuern zurückzahlen — und dann aber postwendend in der Lokalzeitung einen Artikel über meine unmoralische Handlungsweise veröffentlichen, weil ich den gesetzlichen Rahmen ausnutze. Reine Show! Man versucht, Druck auszuüben, indem Apple als unamerikanisch dargestellt wird. In den USA gilt das ja als Todsünde

Ich erinnere mich noch an die Situation, als Gerhard Schröder in seiner Eigenschaft als Bundeskanzler die Weichen für die Pipeline des russischen Energielieferanten Gazprom gestellt hatte (siehe dazu hier) und dann, gleich nach der verlorenen Bundestagswahl, dort (bzw. in einem Tochterunternehmen) eine Anstellung bekam. Legal war es, denn das eine Arbeitsverhältnis war beendet, bevor das neue begann. Die Verquickung der Interessen jedoch war ein Punkt, bei dem man schon sagen konnte, dass es nicht legitim war. Hier passt die Verwendung des legal-legitim-Vergleichs. Bei der oben geschilderten Anhörung Apples jedoch geht es nicht um legal oder legitim — es geht ausschließlich um die Verschleierung der Tatsache, dass die Gesetzeslage scheunentorgroße Schlupflöcher lässt, die von allen großen Unternehmen genutzt werden. Selten so gelacht.

Ganz amüsant ist es, die Kommentare dazu in der Tagesschau-App zu lesen: Für die einen ist die Lage klar, die schreiben dann auch, dass hier nur die Unfähigen laut schreien, um von ihrem Versagen abzulenken. Für die anderen ist natürlich die moralische Frage entscheidend, denn danach ist Apple „selbstverständlich“ schuldig und „böse“. Die Tatsache, dass auch Microsoft und Google diese Gesetzeslücken ausnutzen, wird dann dabei schnell ignoriert, da das Feindbild Apple einfach zu schön ist, um sich von Fakten ablenken zu lassen… Juhu!

Also, liebe Politiker, die ihr es nicht schafft, Gesetze zu basteln, die so funktionieren, wie ihr es gerne hättet: Ändert die Gesetze oder stellt das Lamentieren ein! Wofür sonst seid ihr gewählt worden?

Nachtrag am 23. April 2013: In der Zwischenzeit habe ich noch ein paar interessante Links gefunden, die zur Thematik passen:

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Geld für wichtige Dinge…

Geld verbrennen

Achtung, es wird ein bisschen flach. Mir fehlt die Lust, dieses Thema in der eigentlich gebotenen Breite auszuformulieren — es wird eher ein kurzes Dampfablassen

Heute früh habe ich wie jeden Morgen in der Tagesschau-App gelesen. Dabei fiel mir ein Artikel auf, in dem es um das Millionen-, vermutlich aber eher Milliardengrab im Zusammenhang mit der frisch aufgegebenen Entwicklung einer Drohne für die Bundeswehr ging. Ganz abgesehen davon, dass ich zum heutigen Zeitpunkt Rüstungsausgaben auf Länderebene prinzipiell skeptisch gegenüberstehe — wäre es nicht geschickter, einfach eine europäische Armee für alle Fälle bereitzuhalten, die von allen beteiligten Ländern gleichermaßen (zur Not auch in Relation zur individuellen Größe des EU-Landes) finanziert wird? —, so schlug doch diese unglaubliche Verschwendung auch in mir größere Wellen der Empörung, weil sie anscheinend trotz konkreter Anfragen des Bundesrechnungshofs geschickt und über einen viel zu langen Zeitraum verschleiert wurde.

Dabei rege ich mich über die Verschwendung per se schon gar nicht mehr auf, denn das ist in der Politik leider nichts Neues. Angesichts so vieler uneingelöster politischer Versprechen — ganz konkret denke ich da an den Anspruch auf KiTa-Plätze für alle Kinder unter drei Jahren… —, die allesamt für das Wohlbefinden und Gedeihen der Bevölkerung viel wichtiger wären, kommt mir aber schon die Galle hoch. An allem, was für die Menschen im Land wirklich wichtig wäre (Gesundheitssystem, Steuergerechtigkeit, Bildung, Kinderbetreuung), wird gespart. Geld wird verpulvert — und das flächendeckend und unabhängig von der Partei der jeweiligen Regierung eines Bundeslandes — für sinn- und maßlose Prestigeprojekte: Berliner Flughafen, Stuttgart 21, Hamburger Elbphilharmonie, Militärprojekte wie das oben genannte und dergleichen mehr.

Ganz ehrlich: Jeder Politiker, der für solche Projekte stimmt und später die wichtigen Themen verschleppt oder blockiert, weil dafür angeblich „kein Geld mehr da ist“, gehört sofort aus moralischen Gründen aus seinem Amt entfernt. Basta!

 

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Lego statt Playmobil

Die Lego-Armee

Unsere Kinder besitzen sowohl Lego als auch Playmobil. Ersteres haben wir geerbt und gekauft, letzteres fast ausschließlich geschenkt bekommen (und natürlich auch einen Teil geerbt). Tatsächlich liegt uns insgesamt wenig an Playmobil, denn dabei handelt es sich um ein unflexibles Spielzeug. Bei einem Playmobil-Pferd kann man den Kopf rauf oder runter schieben, man kann jemanden draufsetzen — und das war's dann aber eigentlich auch schon wieder. Und analog verhält es sich ja nun mit allen anderen Playmobil-Sachen: An der grundlegenden Eigenschaft ändert sich nichts mehr. Daher verlieren Kinder vergleichsweise schnell die Lust daran, mit diesen Sachen zu spielen. Der einzige Weg aus diesem Dilemma ist natürlich sehr im Interesse des Herstellers: Noch mehr Zeug kaufen, das dann wieder fertig in der Gegend herumfliegt und kaum bespielt wird. Ich erfinde das nicht, wir haben einen ganzen Bettunterkasten voller Playmobil, das so gut wie nie verwendet wird. Und das ist schon aus zwei oder drei Generationen zusammengetragen und sehr vielseitig. Aber halt nicht weiter veränderbar.

Unser Großer, ca. siebeneinhalb Jahre alt, baut seit Jahren begeistert und täglich oft mehrere Stunden lang mit seinen Lego-Steinen. Auch hier kann man beinahe unendlich viele Erweiterungen anschaffen. Nichtsdestotrotz liebt er es auch, mit ganz einfachen Mitteln coole neue Kombinationen zu erschaffen. Seiner Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt — meist fehlen einfach die nötigen Mengen an Steinen. Aber selbst da kann man kreativ nach neuen Wegen suchen und aus anderen (vermeintlich unpassenden) Einzelteilen neue Kombinationen erstellen…

Besonders begeitstert war ich, als unser Sohn vor ein paar Wochen ein Lego-Star Wars-Raumschiff, das er entweder zu Weihnachten oder zu Ostern bekommen hatte, komplett zerlegte mit den Worten: „Ich möchte die Steine für andere Sachen verwenden.“ Perfekt! Selbst bei den optisch sehr ansprechenden und zum unverändert Belassen einladenden Sets überwiegt noch die Lust, mit den tollen Steinen etwas gänzlich Neues zu erschaffen. Das lobe ich mir! Und deswegen mag ich Lego viel mehr als Playmobil!

 

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Klolektüre 3

Zu Weihnachten bekamen wir als Lehrer aus unserem Verwandtenkreis das Buch „Isch geh Schulhof – Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers“ geschenkt. Rein von der Aufmachung her hätten wir es sicherlich nicht gekauft, denn das Buch kommt reichlich reißerisch daher. So etwas schreckt mich immer ziemlich ab (vermutlich denke ich dabei immer, dass der Inhalt minderwertig sein muss, wenn er so aggressiv beworben wird…).

Meine Frau hat das Buch in ein paar Tagen gelesen und dann für sich ad acta gelegt, bei mir hat es länger gedauert. Einerseits lag es daran, dass ich das Buch wirklich nur auf der Toilette gelesen habe (und da einfach nicht meinen gesamten Tag verbringe). Andererseits war es der Inhalt. Und der war für mich in Teilen gar schwere Kost.

Weniger aufgrund der geschilderten Missstände im Berliner Schulwesen, denn derlei Dinge gibt es überall in Deutschland und auch an allen Schularten — nur eben in unterschiedlichem Ausmaß. Als Gymnasiallehrer kommen wir von den derbsten sozialen Missständen weitgehend unbehelligt durch den Schulalltag, hier und da dürfen wir aber auch in die im Buch dargestellten Abgründe blicken. Und es wird allmählich mehr. Noch ist es aber nicht so drastisch.

Viel schlimmer war für mich der salbungsvolle Tonfall des Buchs. Vor allem dann, wenn der Autor (Philipp Möller) von seinen eigenen „Heldentaten“, seinem aufrichtigen Kampf „für die richtige Sache“, seiner Inkorrumpierbarkiert und dergleichen berichtete. Ich möchte dem jetzt nicht zuviel Raum verschaffen, aber an so mancher Stelle stank das Buch vor lauter Eigenlob schon. Das macht mir das Lesen wirklich schwer, denn ich habe als Kind noch gelernt, dass es nicht zum guten Ton gehört, sich selbst so unverhohlen zu loben. Versöhnlich war dagegen aus meiner Sicht der Abschluss des Buchs, denn da schafft Möller es meiner Meinung gerade noch, sich von dieser messiashaften Art zu distanzieren bzw. sie zu relativieren. Dennoch: Ein schaler Beigeschmack bleibt.

Aber es gibt auch wirklich gute Passagen in dem Buch, die selbst mir als „(mittel-) altem Hasen“ mit nunmehr über zehn Jahren Gymnasiallehramtserfahrung noch zu denken gaben bzw. einen Spiegel vorhielten. Von Zeit zu Zeit tut so etwas gut. Jeder professionelle Lehrer kümmert sich darum, von Zeit zu Zeit eine Außensicht auf seinen Unterricht zu erhalten und sich bei Kollegen, Fortbildungen oder der einschlägigen Fachliteratur anregen zu lassen, um nicht nur „im eigenen Saft zu schmoren“.

Insofern kann ich das Buch nicht ohne Weiteres „verreißen“. Ich hätte mir einfach einen etwas demütigeren oder schlicht neutraleren Schreibstil gewünscht. Dann hätte ich das Buch doppelt so schnell durchgelesen. Aber vermutlich wäre das dann nicht mehr ganz so gut verkauft worden. Schade, denn einiges an diesem Buch ist durchaus lesenswert

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Ich mag Wikipedia

In der Schule habe ich viele Kollegen, die ein sehr pauschales Urteil über Wikipedia gefällt haben und davon — aus meiner Sicht leider — auch nicht mehr abweichen (wollen oder werden): „Wikipedia ist schlecht.“ Seltsam. Ich finde Wikipedia gut. Klar: Dass man bei einer offenen Plattform, die in der Tat von jedem ans Internet angeschlossenen Menschen verändert werden kann, bei brandaktuellen und kontrovers diskutierten politischen Themen (z.B. Palästina-Israel-Frage, Syrien-Konflikt etc.) kein wirklich ausgeglichenes Urteil erwarten darf, liegt auf der Hand. Aber gerade Bereiche wie die Musik bereits vergangener Epochen — da kenne ich mich halt ganz gut aus und darf mir auf der Grundlage eines 15 Semester langen Musikstudiums wohl auch ein fachkundiges Urteil anmaßen — sind in vielerlei Hinsicht absolut exzellent. Oft findet man hier auch ein recht spezielles Wissen, dass sonst nur in teurer und schwer zu beschaffender Fachliteratur zu zugänglich wäre. Wenn man dann auch noch ein bisschen des Englischen mächtig ist, kann man mit ein bisschen Geschick in der Suche selbst zu exotischen Stücken oder Interpreten noch Informationen auftreiben, die aufgrund ihrer Marginalisierung wohl kaum jemals in einer gedruckten Enzyklopädie auftauchen würden.

Nun möchte ich auch wieder nicht falsch verstanden werden: Wikipedia ist kein Allheilmittel. Aber es ist in den meisten Fällen ein exzellenter Startpunkt. Binnen weniger Minuten kann man sich einen Überblick über ein Thema verschaffen. Durch die klare Gliederung ist es auch möglich, gezielt Unterthemen anzuspringen. Und am Ende werden in den meisten Fällen passende Links zusammengetragen, die ein weiteres Erforschen des Themas ermöglichen. Wie ich schon sagte: Exzellent als Startpunkt. Im Gegensatz zu Kollegen, die den Schülern verbieten (wollen), Wikipedia zu nutzen, die auch keine Wikipedia-Links in den Quellen-Angaben sehen wollen, macht mir das überhaupt nichts aus — solange Wikipedia nicht die einzige Quelle ist.

Ganz ehrlich: Für mich ist Wikipedia die bevorzugte erste Anlaufstelle. Bin ich mir nicht sicher, ob die Informationen zuverlässig sind, vergleiche ich den deutschen mit dem englischen Artikel, denn die sind ja prinzipiell immer von unterschiedlichen Autoren (ein sehr passendes Beispiel für die unterschiedliche Qualität in den verschiedenen Sprachversionen ist der Artikel über den Komponisten Igor Strawinsky: deutsch und englisch). Alternativ gibt es noch die Google-Suche, deren Ergebnisse mit denen von Wikipedia verglichen werden können. Bin ich dann immer noch nicht sicher, gibt es auch noch gedruckte Fachliteratur. Doch in den letzten Jahren bin ich bei dieser Vorgehensweise fast nie enttäuscht worden.

Auf dem Mac benutze ich ein sog. Wikipedia-Frontend namens Wikibot, auf dem iPad Articles. Die Vorteile solcher Programme liegen auf der Hand:

  1. Es gibt einen Verlauf, sodass der Wechsel zu früheren Artikeln sehr schnell und bequem geht. Alternativ kann ich bei Articles mehrere Artikel in verschiedenen Tabs offen halten und dann schnell zwischen ihnen hin und her springen.
  2. Der Wechsel zwischen verschiedenen Sprachversionen ist schnell (mit einem Klick/Tippen) zu erreichen.
  3. Die Gliederung kann in einer Seitenleiste angezeigt werden. So ist das Springen zwischen den Abschnitten besonders flink.

Wikipedia funktioniert ohne genauso gut, aber so ein Frontend ist einfach bequem, vor allem für Leute wie mich, die viel damit arbeiten.

Fazit: Mit etwas Köpfchen eingesetzt ist Wikipedia eine absolut feine Sache.

P.S.: Die Abbildung oben habe ich mit der Mac-App Wordify erstellt.

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Frau am Steuer…

Radfahren

Nein, nein, nein. Dies wird kein „Frauen können nicht Auto fahren“-Blogeintrag, eher im Gegenteil. Wenn ich mir mein Umfeld ansehe, dann steht es nämlich deutlich besser für die Frauen: Meine Mutter (beinahe 70) hat trotz unzähliger Chauffeur-Dienste für fünf Kinder in ihrem ganzen Leben noch keinen Autounfall gebaut. Mein Vater dagegen hat drei Autos und ein Motorrad zu Schrott gefahren. Auch meine Frau fährt sehr gut Auto. Sie wurde bislang nur ein einziges Mal geblitzt, ich schon drei Mal (nie mehr als 7 oder 8 km/h zu viel, aber dennoch). Sie hatte einen einzigen Unfall, als ihr ein Reifen platzte, ich habe schon einmal ein Auto aufs Dach gelegt…

Rein statistisch fahren Frauen also sicher besser — zumindest die Frauen, die ich gut genug kenne, um es beurteilen zu können. Aber ich habe die Überschrift nicht ganz ohne Grund gewählt, denn heute früh wurde ich in meinem gerade eben dargelegten Glauben, dass Frauen insgesamt besser als Männer fahren, auf eine harte, harte Probe gestellt. Was passiert ist? Also, das war so: Ich war mit dem Fahrrad unterwegs…

Mein Weg zur Arbeit führt mich ca. 3,5 bis 4 km durch das Stadtgebiet von Aalen. Zuerst geht es 2,5 km am Stück bergab (was mir den Weg zur Arbeit immer wesentlich angenehmer erscheinen lässt als den Weg zurück nach Hause). Auf dieser Strecke kann ich ganz stressfrei „Gas geben“ und flott vorankommen. Heute landete ich hinter einer Nachbarin im weiteren Sinn (sie wohnt ein paar hundert Meter weg), die auf dem gesamten Bergstück die 25 oder 30 km/h nicht geknackt hat, obwohl vor ihr kein einziges Auto fuhr. Da war wirklich alles frei. Und dennoch ist sie sooooo langsam gefahren, dass ich ständig bremsen musste, um sie nicht anzuschieben… Bergab. 50 km/h erlaubt. Und dann fährt sie nur 30! Wenn ich als Radfahrer da schon nervös wurde, wie wäre es dann erst einem dieser ja doch immer wieder hier herumfahrenden (völlig übermotorosierten) Hormonbündel von einem Mann ergangen? Ohne jetzt nerven zu wollen: „So provoziert man Unfälle, Frau Nachbarin!“

Aber das war ja noch nicht alles. Kaum hatte ich dieses Kapitel hinter mich gebracht, zwang mich eine weitere weibliche Verkehrsteilnehmerin zu einer unangenehmen Vollbremsung, weil sie — trotz meines mittlerweile wieder recht flinken Tempos — beschloss, beim Einbiegen im Schneckentempo quer über die Hauptstraße zu fahren, auf der ich meines Weges kam. Aber natürlich erst, als ich nur noch etwa zehn Meter entfernt war. Ich musste sehr scharf bremsen und letztlich fast komplett stehen bleiben, sonst hätte ich ihren VW-Bus seitlich geküsst.

Hoffentlich stellen diese beiden Ausreißer wirklich die Ausnahme zu meinem ansonsten recht positiven Bild von der „Frau am Steuer“ dar…

 

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Richtung geben, nicht einengen

Gerade einmal vor drei Tagen stand ich im Reichstagsgebäude in Berlin. Mehr noch, gemeinsam mit der bereits erwähnten Schulklasse genoss ich eine wirklich exzellente Führung, die eine sehr ausgewogene Mischung darstellte: Einerseits handelte es sich natürlich um eine Art Geschichtsstunde, gleichzeitig erfuhren wir aber etliche wissenswerte Details über die Architektur und den Prozess, den die Planung des Umbaus in den 1990er Jahren durchlaufen hat — und das war der interessanteste Teil für mich. Auch wenn ich sicher nicht mehr alle Details zusammenbringe, versuche ich eine Kurzfassung:

Der britische Architekt Norman Foster, der den Wettbewerb um den Auftrag für die Neugestaltung des Reichstagsgebäudes für sich entscheiden konnte, wehrte sich lange und vehement gegen eine Kuppel, doch stimmten die Parlamentarier dafür (in der Führung wurde dies nett als „wünschten sich die Parlamentarier“ formuliert) — und so konnte er irgendwann nicht mehr anders. Faszinierend daran ist nicht, dass er zuerst eine bzw. mehrere andere Ideen für die Gestaltung des Dachs gehabt hatte. Entscheidend ist vielmehr, dass er in eine gänzlich andere Richtung gedrängt, darin aber nicht weiter gegängelt wurde (zumindest konnte ich dafür keine Anhaltspunkte erkennen).

Komprimiert heißt das für mich: Ihm wurde die Richtung vorgegeben, nicht jedoch der genaue Weg, der dorthin führen sollte. Und ganz offensichtlich hat er diese ungenaue Anweisung perfekt zu nutzen gewusst. Wenn man sich diese geniale Konstruktion der Kuppel aus der Nähe ansieht, die vielen brillianten Ideen bestaunt, muss man die herausragende Leistung des Architekten wirklich bewundern. Und meine kleine Bildercollage oben kann nur einen minimalen Einblick in die überwältigende Präsenz dieser Konstruktion gewähren, wenn man sich innerhalb dieser Kuppel aufhält, ist das fantastisch.

Hut ab vor Herrn Foster!

 

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Klassenfahrt einmal anders…

Ein abendlicher Blick auf den Fernsehturm.

Gestern kam ich von einer fünftägigen Klassenfahrt nach Berlin zurück. Und ich muss sagen, dass es ein wundervolles Erlebnis war, mit 18 Schülern (genau hälftig nach Geschlechtern getrennt) unterwegs zu sein, die offensichtlich gerade dabei (oder schon fertig damit) sind, die anstrengenden Seiten der Pubertät abzulegen.

Normalerweise sind Klassenfahrten für die begleitenden Lehrer extrem stressig, da man rund um die Uhr im Einsatz sein muss. Die Schüler sind aus ihrer gewohnten Umgebung — und vor allem dem direkten Einflussbereich ihrer Eltern — entfernt. Üblicherweise ist das ein Garant für kollektives Ausflippen. Meist müssen Männlichkeit durch exzessives Saufen, Weiblichkeit durch grassierenden Zickenterror, Unabhängigkeit vom Lehrer durch möglichst öffentlichkeitswirksames Missachten der Regeln (und so weiter) bewiesen werden. Kein Wunder, dass es reihenweise Kollegen gibt, die keinerlei Lust haben, auf solche Klassenfahrten zu gehen!

Um so angenehmer war es, dass es bei dieser Fahrt überhaupt nicht dazu kam. Ich habe heute mit dem Klassenlehrer, einigen anderen Kollegen, sogar einem Mitglied der Schulleitung über das außergewöhnlich gute Verhalten der Klasse während der gesamten Fahrt gesprochen. Und zwar: Weil ich so begeistert war!

Während der gesamten Fahrt gab es keinen Zoff, es gab nur ganz selten Gemotze (und das war beispielsweise, als wir schon ca. 6-8 Kilometer bei warmem Wetter hungrig durch Berlin gelaufen waren und die Füße allmählich schmerzten), wenn wir Zeiten vereinbarten, erschienen alle pünktlich, meist sogar fünf bis zehn Minuten vor der Zeit. Abends gaben wir der Klasse Ausgang bis 22:30 h — erwartet hatten wir, dass es dann noch mindestens eine halbe Stunde dauern würde, bis alle angekommen und in ihre Zimmer „verräumt“ wären. Doch weit gefehlt, denn zur angegebenen Uhrzeit warteten alle schon auf uns. Ohne Maulen gingen sie auf ihre Zimmer, wir konnten ungestört schlafen — Luxus!

Die ganze Lobhudelei darf nicht verdecken, dass es nicht einfach nur brave Schüler waren. Mein Eindruck war vor allem, dass es glückliche und reife (zumindest gereifte) Schüler (beiderlei Geschlechts) waren. Das Kulturprogramm war nicht zu voll, bot aber einigen Anreiz, auch das Shopping wurde nicht vergessen. Es gab gute Führungen — und die gesamte Organisation hatte in den Händen der Schüler gelegen (zwei junge Damen haben sich hierbei besonders hervorgetan). Ich hoffe inständig, dass ich noch mehr Klassenfahrten wie diese erleben darf. Welch ein Privileg!

Kleiner Nachtrag (18. Mai 2013): Auf der Berlin-Fahrt habe ich hin und wieder Geld vorgestreckt, z.B. für die Gruppentickets (S- und U-Bahn) oder die Bowling-Bahn am letzten Abend. Am Freitag (17.5.) hatte ich die Klasse in der fünften Schulstunde. Da gab ich die Rechnungen an die Organisatorin. Einen Tag später war das Geld schon auf meinem Konto (heute ist es Samstag, also muss das Geld sogar noch gestern eingegangen sein…). Deluxe!

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