Von der Pubertät

Weiblein/Männlein

Vor ein paar Tagen hatte ich eine für mich ziemlich ätzende Unterrichtsstunde mit einem Haufen pubertierender Schülerinnen und Schüler, die mir den Gedanken an einen nicht koedukativen Unterricht sofort wieder vielversprechend erscheinen ließen. Die Klasse ist zwar gar nicht sehr groß, befindet sich aktuell aber wohl auf dem Höchststand der pubertären Hormonproduktion. Die Jungs müssen sich permanent produzieren, die Mädels sind durchweg in irrsinnig wichtige Gespräche untereinander vertieft. Unterrichtsinhalte? Wen juckt's?

Zu Beginn meiner Stunden gibt es üblicherweise das sog. Feedback: Dabei stelle ich zwei bis fünf Fragen (meist auf Folie oder Beamer, gelegentlich auch mündlich), in denen nur der „harte Kern“ der letzten Stunde abgefragt wird. Wer sich dann bei der Vorbereitung der Klassenarbeiten auf diese Fragen stützt, kann gar nicht so schlecht fahren. Diese Fragen muss jeder schriftlich in Stichpunkten beantworten. Mündlich frage ich dann einen oder zwei ab, je nachdem, wie umfangreich die Fragen (oder wie mangelhaft die Antworten) sind. Der Vorteil der schriftlichen Fixierung liegt auf der Hand: Jeder sieht sofort: „Hätte ich das gewusst? Habe ich es denn auch hingeschrieben?“ Denn der Unterschied zwischen „Ist doch klar, das hätte ich doch gewusst!“ und „Habe ich hingeschrieben.“ entscheidet nun einmal sehr häufig darüber, ob am Ende die Note 1 oder 4 (oder noch schlechter) auf der Klassenarbeit steht.

In besagter Stunde ging schon dieser Einstieg komplett schief, wofür ich auch schnell einige ganz allgemeine Gründe anbringen kann: Diese Klasse unterrichte ich vierzehntägig in einer Doppelstunde am Nachmittag (genau im sog. Mittagsloch). Optimale Arbeitsbedingungen also… Durch die lange Pause zwischen den Stunden ist 14 Tage später nicht mehr viel vom erarbeiteten Stoff übrig. Und durch die Uhrzeit ist die Motivation noch einmal mehr reduziert.

Und der Feedback-Auftakt war wirklich grandios: Kein einziger Schüler konnte (ohne vor meinen Augen einfach noch einmal nachzulesen) irgend eine der Fragen zur letzten Stunde auch nur ansatzweise beantworten. Als Entschuldigung dafür wurden die „Osterferien dazwischen“ angeführt. Ähem: zwischen den Osterferien und besagter Stunde lagen schon sechs volle Schultage. Und ein Wochenende. Die Ferien taugen unter diesen Umständen als Entschuldigung einfach nicht mehr.

Nun gut, nach so einem gelungenen Start konnte der Rest der Stunde ja nur noch daneben gehen: Die nächsten zehn Minuten war es sehr unruhig, bis mir dann der Geduldsfaden riss und ich ein besonders ignorant schwätzendes Mädel verbal zusammenfaltete. Auch wenn das punktuell hilft, so muss ich doch sagen, dass ich es hasse. Leider klappt es in der Mittelstufe oft nicht auf anderem (=verständnisvollerem) Wege. Da muss man sehr harte Grenzen ziehen und dann auch vehement auf ihrer Einhaltung beharren. Aber einen gewissen Teil dessen könnte man sich vermutlich ersparen, wenn die Klassen nach Geschlechtern getrennt wären.

Das Konzept des nicht koedukativen Unterrichts wird bereits seit mehreren Jahren wieder zunehmend ins Gespräch gebracht (nur ein paar aktuelle Beispiele sind hier, hier und hier zu finden). Analog zu Schulen, die in einzelnen Fächern parallele Kurse in verschiedenen Leistungsstufen (sog. „Niveaugruppen“) abhalten, könnte man in einigen Fächern die Klassen in Jungs und Mädels aufteilen.

Ich darf jetzt nicht wirklich behaupten, dass ich eine ausgereifte Meinung zu der Sache hätte — dennoch kann ich mir sehr gut vorstellen, wie ein nicht koedukativer Unterricht die gesamte Situation in der Mittelstufe entspannen könnte. Ich muss jetzt erst einmal den mentalen Inkubator anwerfen, das benötigt Zeit und Ruhe. Mal sehen, was mir in den kommenden Wochen noch dazu einfällt. Wenn es etwas taugt, schreibe ich einen weiteren Artikel zu dem Thema.

 

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